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(00286) 18.10.2000 14:21

IFHV vertritt Deutschland auf US-Genozid-Konferenz


Bochum, 18.10.2000 
Nr. 285

IFHV vertritt Deutschland auf US-Genozid-Konferenz 
Ursachen und Wirkung von Völkermorden
Bundesrepublik hat besondere Verantwortung


Im Auftrag des Deutschen Auswärtigen Amtes nahm Dr.
Hans-Joachim Heintze vom Institut für Friedenssicherung und
Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität an der
Konferenz "Ein Jahrhundert des Mordens: Völkermord und
Ethnische Säuberung im 20. Jahrhundert" an der Universität
von South Dakota in Vermillion (USA) teil. Rund 60 Experten
widmeten sich dort der wissenschaftlichen Aufarbeitung der
großen Menschlichkeitsverbrechen unserer Zeit. Viele
Beiträge beklagten die Unzulänglichkeit des bestehenden
völkerrechtlichen Instrumentariums zur Bekämpfung von
Menschlichkeitsverbrechen und die Handlungsunwilligkeit der
Politik . 

Plädoyer für präventive Maßnahmen

In seinem Beitrag unterstrich Heintze die besondere
Verantwortung der Bundsrepublik im Kampf gegen Völkermord
und Rassendiskriminierung, die aus der Geschichte
resultiere. So habe sich Deutschland besonders aktiv für die
Schaffung eines ständigen internationalen Strafgerichtshofs
eingesetzt und arbeite intensiv mit den ad hoc-Tribunalen
zum früheren Jugoslawien und Ruanda zusammen, um die
Verantwortlichen für Menschlichkeitsverbrechen abzustrafen.
Es sei aber zu spät, wenn die Staaten erst nach Völkermorden
reagierten. Vielmehr sei präventives Handeln notwendig, um
es gar nicht erst zu ethnischen Konflikten kommen zu lassen.
In diesem Zusammenhang verwies Dr. Heintze auf die
Kooperation des IFHV mit dem Hohen Kommissar für nationale
Minderheiten der OSZE. Dessen Aufgabe ist die Einwirkung auf
Regierungen und Minderheiten, um die Zuspitzung ethnischer
Konflikte zu verhindern. Neben der wissenschaftlichen
Analyse der Ursachen von Menschlichkeitsverbrechen müsse
auch die Ausarbeitung von Präventionsstrategien eine
Hauptaufgabe der Forschung sein. Ebenso waren sich die
Konferenzteilnehmer einig, dass entschiedenes politisches
Handeln gegen rassistische Erscheinungen unabdingbar ist.
Heintze stellte die energische Reaktion der deutschen
Politik und Zivilgesellschaft gegen rassistische Übergriffe
dar; dies erwies sich gerade deshalb als notwendig, weil
auch zahlreiche Studenten der Universität von South Dakota
mit nur sehr geringen Kenntnissen über Deutschland an der
Konferenz teilnahmen. 

Zusammenarbeit zwischen Ländern und Disziplinen

Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer
Ursachen und Wirkungen von Genoziden, beginnend mit der
Ausrottung der Armenier im Ottomanischen Reich bis zu
jüngsten Fällen wie z. B. in Kambodscha und Ruanda. Auch der
Holocaust, das schlimmste Verbrechen, war ein
Tagesordnungspunkt. Dadurch, dass die Konferenz auch die
"ethnische Säuberung" in ihre Arbeit einbezog, ging sie über
die klassische Betrachtungsweise des Genozid-Verbrechens
hinaus. Als Ergebnis der Konferenz beschlossen die
Teilnehmer, weiter interdisziplinär und länderübergreifend
zusammen zu arbeiten.

Weitere Informationen

Dr. jur. habil. Hans-Joachim Heintze, Institut für
Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht,
Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234 32-27933, Fax:
0234/32-14-208, Email:
hans-joachim.heintze@ruhr-uni-bochum.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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