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(00283) 16.10.2000 14:59

RUB-Studie zur Frauenerwerbsarbeit im Ruhrgebiet


Bochum, 16.10.2000 
Nr. 281


Frauen keine Gewinnerinnen des Strukturwandels
RUB-Studie zur Frauenerwerbsarbeit im Ruhrgebiet
Magisterarbeit erhält Geschichtspreis beim "Historama 2000"


Für ihre Magisterarbeit "Strukturwandel und weibliche
Erwerbstätigkeit im Ruhrgebiet. Der Raum Essen ab den 1960er
Jahren" (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Prof. Dr.
Dietmar Petzina) wurde Brigitte Schneider mit einem der mit
2000 DM dotierten zweiten Preise des vierten Wettbewerbs zur
Geschichte im Ruhrgebiet im Rahmen des "Historama Ruhr 2000"
ausgezeichnet. Ihr Ergebnis: Obwohl die Erwerbstätigkeit von
Frauen in Essen in den letzten 30 Jahren deutlich gestiegen
ist, kann man die Frauen nicht als die Gewinnerinnen des
Strukturwandels bezeichnen. 

Frauen bisher ausgeblendet

Der Strukturwandel des Ruhrgebiets und sein krisenhafter
Verlauf mit Auswirkungen auf die Wirtschafts- und
Arbeitsmarktsituation ist Gegenstand zahlreicher
Untersuchungen. Studien über wirtschafts- und
arbeitsmarktpolitische Gegensteuerungsmaßnahmen nehmen die
(Erwerbs-)Bevölkerung jedoch überwiegend
geschlechtsindifferent wahr oder schreiben die Folgen und
Lasten des Strukturwandels hauptsächlich den männlichen
Erwerbstätigen zu - der Blick auf die Statistik scheint
dieser Sichtweise Recht zu geben: Er zeigt, dass die
Erwerbsbeteiligung von Frauen im Ruhrgebiet in den letzten
30 Jahren deutlich gestiegen ist, eine Tendenz, die auch auf
die Stadt Essen zutrifft. Sind die Frauen deshalb
Strukturgewinnerinnen? Die bis heute im Vordergrund der
politischen Diskussion stehenden Beschäftigseinbrüche in der
Montanindustrie verdecken die Beschäftigungsprobleme von
Frauen.

Leitbilder und Rollenverhalten prägen Erwerbsverhalten

Für ihre Magisterarbeit hat sich Brigitte Schneider daher
zum Ziel gesetzt, die Strukturmerkmale und
Entwicklungstendenzen der Erwerbstätigkeit von Frauen im
Ruhrgebiet am Beispiel Essen seit den 1960er Jahren zu
analysieren. Außerdem standen die Wahrnehmung und
Beeinflussung von Frauenerwerbsarbeit durch politische
Akteure im Mittelpunkt. In einem ersten Teil stellt die
Arbeit die wirtschaftliche Entwicklung des Ruhrgebiets dar,
indem sie Befunde zum Strukturwandel in Mülheim, Essen und
Oberhausen sammelt und strukturpolitische Konzepte als
Reaktionen auf die Einbrüche am Arbeitsmarkt zuordnet. In
einem nächsten Schritt verfolgt sie die
geschlechtsspezifischen Verschiebungen des Arbeitsmarktes im
Ruhrgebiet und vor allem in Essen. Es stellte sich heraus,
dass Essen den Strukturwandel früh und aktiv betrieben hat:
Frauen fassten hier im sich ausweitenden
Dienstleistungssektor stärker Fuß - allerdings auch in wenig
gesicherten oder prekären Arbeitsverhältnissen. Der dritte
Teil der Arbeit untersuchte soziokulturelle Faktoren wie
Leitbilder und Rollenverhalten, die sich als bestimmend für
das Erwerbsverhalten von Frauen und Männern, aber auch für
das Handeln kollektiver Akteure zeigten. Deutlich sind sie
in den Ansätzen und Konzepten zur Gleichstellung staatlicher
Stellen und Gewerkschaften zu erkennen. 

Frauen gewannen nur auf den ersten Blick

Fazit der Untersuchung von Brigitte Schneider ist, dass
Frauen trotz der seit 1960 stark gestiegenen
Erwerbstätigkeit nicht als Gewinnerinnen des Strukturwandels
bezeichnet werden können. Zum einen war nämlich die Quote
der Frauenerwerbsarbeit zwischen 1960 und 1995 in Essen
trotzdem noch immer niedriger als in NRW und dem restlichen
Bundesgebiet, zum anderen belegt allein die Notwendigkeit
gesellschaftspolitischer Maßnahmen, dass die gerechte
Teilhabe am Erwerbsleben nicht selbsttätig funktioniert.
Bedenklich stimmt bei dieser Erkenntnis die Zunahme
versicherungsfreier Beschäftigungsverhältnisse von Frauen im
Dienstleistungsbereich.

Weitere Informationen

Brigitte Schneider, M.A., Kriemhildstraße 11, 44793 Bochum,
Tel. 0177/3914809, Email:
brigitte.schneider@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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