[ vorherige ] [ nächste ] [ Übersicht nach Zeit ][ alphabetische Übersicht ]

(00277) 11.10.2000 13:56

Ringvorlesung "Sicherheit - Grundproblem moderner Gesellschaften"


Bochum, 11.10.2000
Nr. 275

Leben und Überleben durch den Umgang mit Unsicherheit
"Sicherheit - Grundproblem moderner Gesellschaften"
Interdisziplinäre und wissenschaftsübergreifende
Ringvorlesung 


So richtig sicher ist im Leben eigentlich nichts - denn wer
kann schon in die Zukunft sehen, wer weiß tatsächlich, was
"up to date" ist, und wer kennt schon wirklich die Tiefen
und Untiefen der Vergangenheit? Da der richtige Umgang mit
Unsicherheiten daher eine Bedingung für die
Überlebensfähigkeit des Menschen ist, widmen die Fakultäten
für Philosophie, Pädagogik und Publizistik (Prof. Dr. Gunter
Scholtz) und die Katholisch-Theologische Fakultät der RUB
(Dr. Tobias Trappe) dem Thema "Sicherheit - Grundproblem
moderner Gesellschaften" im Wintersemester 2000/2001 eine
eigene Ringvorlesung. Namhafte Fachvertreter und Experten
zahlreicher Universitätsdisziplinen werden hier das
schillernde Problem "Sicherheit" in unserer Gesellschaft aus
ihrer Perspektive erörtern.

Unsicherer denn je: die moderne Gesellschaft

Die Unsicherheit des Lebens hat die Menschheit von jeher
beschäftigt: Fast alle kulturellen Anstrengungen des
Menschen - Rituale, Institutionen, Technik, Wissenschaften -
gehen auf die Bewältigung oder auf den Versuch der Abwendung
von Bedrohung der menschlichen Existenz zurück. Gerade in
der modernen Gesellschaft gewinnt das Thema Sicherheit eine
große Bedeutung, denn die dynamische Entwickelung der
modernen Zivilisation bringt durch ihren beschleunigten
Wandel und die neuen technischen Möglichkeiten auch neue
Unsicherheiten hervor. Eine Gesellschaft, die unter diesem
Bedingungen überleben will, muss damit  richtig umgehen
können - schon ist eine "Tugend der Orientierungslosigkeit"
in aller Munde. "Unsicherheit" und "Angst", "Risiko" und
"Entscheidung", "Wissen" und "Nichtwissen" werden damit zu
philosophischen Themen. 

Erfahrungen und Strategien aus Wissenschaft, Wirtschaft,
Praxis

Doch ein Zugang, der sich auf das "universitär produzierte"
Wissen beschränkt, wäre nicht sachgerecht. Deswegen werden
auch Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und
unterschiedlichen Praxisfeldern - etwa der forensischen
Psychiatrie - von ihren Erfahrungen und Strategien im Umgang
mit Unsicherheit, Risiko und Gefahr berichten. Ziel ist es,
disziplinspezifische Theorie und Reflexion einerseits,
Erfahrung und praktisches Handeln andererseits miteinander
zu verzahnen, um so den Hörern ein möglichst vollständiges
Bild des Problemstands und der sich daraus ergebenen
Aufgaben zu vermitteln: So werden Fragen der Internet- und
der Hochtechnologie-Sicherheit ebenso verhandelt wie
dringende Zukunftsprobleme, etwa die "sicheren
Arbeitsplätze" und die Sicherung unserer natürlichen
Lebensgrundlagen. Das Phänomen der "Staatssicherheit" in der
ehemaligen DDR kommt genauso zur Sprache wie das der
sozialen Sicherheit in Europa. Ein Höhepunkt wird der
Vortrag des Präsidenten der deutschen Bundesbank, Ernst
Welteke, sein, der sich mit dem Problem der
Geldwertstabilität beschäftigt. 

Eingefahrene Grenzen sprengen

Die Sprengung eingefahrener Grenzen zwischen den Disziplinen
und Wissenschaften bringt außerdem noch einen anderen
Vorteil: Die gerade durch die aktuelle Hochschulreform unter
Druck geratenen Kultur- und Geisteswissenschaften sollen
sich hier als möglicher Ort etablieren, an dem
Wirtschaftsunternehmen die für ihre Arbeit relevante und
unverzichtbare Informations- und Wissensbasis erwerben
können. 

Weitere Informationen

Dr. Tobias Trappe, Katholisch-Theologische Fakultät der
Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-22453, Fax:
0234/32-14485, Internet: 
http://www.fast-sicher.de 

Programm

23. Oktober 2000: Von abgebrochenen Glücksspielen zur
Nicht-Existenz einer Zukunft: Der mühsame Weg zu
vernünftigen Entscheidungen unter Unsicherheit - Prof. Dr.
Dr. h. c. mult. Dieter Schneider (Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften der RUB)
30. Oktober 2000: Zukunft der Erwerbsarbeit und soziale
Sicherung - Prof. Dr. Gerhard Kleinhenz (Institut für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg)
7. November 2000: Die Staatssicherheit der ehemaligen DDR -
Über die Labilität des anscheinend Stabilen - Dr. rer. pol.
Siegfried Suckut (Leiter der Abteilung Forschung und
Ausbildung beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR)
14. November 2000: Der Mensch im Netz - Chancen und Risiken
der Informationsgesellschaft - Dr. Ansgar Heuser (Bundesamt
für Sicherheit in der Informationstechnik, Bonn)
28. November 2000: "Harte Währung" - Die Bedeutung der
Geldwertstabilität in der globalisierten Welt - Ernst
Welteke (Präsident der Deutschen Bundesbank, Frankfurt)
4. Dezember 2000: Orientierung im unsicheren Feld der
Begriffe - Prof. Dr. Tilman Borsche (Institut für
Philosophie, Universität Hildesheim)
11. Dezember 2000: Der gefährliche Mensch. Zur Problematik
der Schwerkriminalität - Prof. Dr. Norbert Leygraf (Institut
für forensische Psychiatrie, Uni/GH Essen)
8. Januar 2001: Sicherungen und Sicherheiten. Zu Grenzen von
Solidarität und Sekurität in der Risikogesellschaft - Prof.
Dr. Eckhard Pankoke (Fachbereich Sozialwissenschaften Uni/GH
Essen)
15. Januar 2001: Ver- und Entsorgung. Zum Problem der
Sicherung unserer Überlebens- und Wirtschaftsbasis - Dr.
habil. Stefan Bringezu (Wuppertal Institut für Klima,
Umwelt, Energie)
22. Januar 2001: Zukunft als Risiko oder Gefahr? - Zur
Bedeutung des Nichtwissens und der Sicherheit in der
modernen Gesellschaft - Gotthard Bechmann (Institut für
Technikfolgenabschätzung am Forschungszentrum Karlsruhe)
5. Februar 2001: Heilsgewissheit - Sicherheit durch Glauben?
Gesellschaftliche Implikationen eines theologischen
Schlüsselbegriffs - Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Hermann Pesch
(Institut für Systematische Theologie, Universität Hamburg)
8. Februar 2001: Wie sicher ist die soziale Sicherheit im
Europa von morgen? - Prof. Dr. Eberhard Eichenhofer
(Rechtswissenschaftliche Fakultät, Universität Jena)

-- 
RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

zurück zur Übersicht nach Zeit | alphabetisch