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(00269) 06.10.2000 13:13

"Global Dialogue" auf der EXPO mit RUB-Geographen


Bochum, 06.10.2000
Nr. 267

Vorstellungen vom zukünftigen Umgang mit der Natur
Für und Wider der nachhaltigen Naturnutzung
RUB-Geographen beim Global Dialogue der EXPO


Mit ihrem Projekt "Man as a Part of Nature or as Standing
Apart from it" sind Volker Hecht und Christian Weis
(Fakultät für Geowissenschaften der RUB) zum zehnten und
letzten "Global Dialogue" der EXPO 2000 eingeladen. Vom 17.
bis zum 19. Oktober 2000 werden sie ihre Arbeit
internationalen Wissenschaftlern und Politikern vorstellen.
Der letzte Dialogue widmet sich der Frage "Beyond 2000:
Shaping a future of Global Partnership" ("Die Zukunft
braucht globale Partnerschaft"). Die vom "Club of Rome"
organisierte Veranstaltung soll die neun vorangegangen
aufgreifen und für die Gesellschaft nutzbar machen. Die
beiden Bochumer Wissenschaftler erforschen die
unterschiedlichen Einstellungen von
Naturschutzorganisationen gegenüber einer nachhaltigen
Naturnutzung - erste Ergebnisse zeigen: Der
"Kuscheltierfaktor" einer Tierart bestimmt die Meinung über
ihre Nutzung maßgeblich mit.

Streit um Wohl und Wehe der Elefanten

Thema des Projekts, das als einer von zehn internationalen
Beiträgen aus dem EXPO-Programm für Nachwuchswissenschaftler
"shaping-the-future" am Dialogue teilnehmen wird, ist die
"nachhaltige Naturnutzung": Die beiden Forscher tragen die
Einstellungen von Naturschutzorganisationen gegenüber
Projekten der nachhaltigen Naturnutzung zusammen und suchen
Begründungen dafür, warum solche Projekte, die nicht zuletzt
auf den Grundsätzen der UNCED-Konferenz 1992 in Rio beruhen,
insbesondere unter Natur- und Tierschützern heftig
umstritten sind. Ein Beispiel für diese Kontroversen ist
etwa ein Programm in Zimbabwe, dessen Ziel es war, Wildtiere
- Elefanten - zum Wohl der Landbevölkerung nutzbar zu
machen. Nach heftigen Protesten durch die
Tierrechtsorganisation "Humane Society of United States"
gegen den Abschuss von Elefanten sah sich der
Hauptfinanzierer des Projekts nicht mehr in der Lage, es
weiter wie bisher zu fördern. Auch das Washingtoner
Artenschutzabkommen war ein externer Einflussfaktor auf das
Projekt.

Forscher prüfen, wie Meinungen entstehen

Die Bochumer Forscher fragen, wie sich ein internationales
Umfeld organisieren lässt, das sowohl Tier- als auch
Naturschutzinteressen gerecht wird und trotzdem die
wirtschaftliche Nutzung von Entwicklungspotentialen erlaubt,
die sich aus dem Vorkommen natürlicher Ressourcen, in
Zimbabwe also u. a. wertvolle Wildtiere, ergeben. Zunächst
stellten die Geographen anhand von Interviews mit
internationalen Umweltorganisationen die grundsätzlichen
Positionen fest: Wer gehört zu den Befürwortern der
nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, wer ist dagegen, welche
Organisation entscheidet von Fall zu Fall? Welche
gemeinsamen Argumente gibt es? Eine zweite Frage ist, worauf
die jeweiligen Argumente der Organisationen beruhen, welche
Motivationen, Erfahrungen und Weltanschauungen,
möglicherweise auch Eigeninteressen ihnen zugrunde liegen.
Schließlich stellen die Forscher einen Vergleich an zwischen
der heutigen Debatte um die Nutzung natürlicher Ressourcen
und dem wissenschaftstheoretischen Diskurs über den
Naturbegriff. Nicht erst seit 1992 ist der Umgang des
Menschen mit anderen Lebewesen aktuell; schon Goethe
beschäftigte sich damit.

Der "Kuscheltierfaktor" macht Stimmung

Erste Ergebnisse des Projekts lassen vermuten, dass
psychologische und Marketing-Aspekte bei der Einstellung zu
einer nachhaltigen Naturnutzung sehr einflussreich sind: Je
stärker der "Kuscheltierfaktor" einer Tierart ist, desto
schwerer lässt sich eine Tötung der Tiere gegenüber
Mitgliedern von Natur- und Tierschutzorganisationen
rechtfertigen. Beispiele dafür sind etwa Afrikanische
Elefanten und Biber. 

Weitere Informationen

Volker Hecht, Christian Weis, Geographisches Institut der
Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23213, Fax:
0234/32-14-, Email: volker.h.hecht@ruhr-uni-bochum.de,
christian.weis@ruhr-uni-bochum.de 


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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