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(00252) 19.09.2000 13:17

Fakt oder Fake - Boulevardjournalismus im TV


Bochum, 19.09.2000
Nr. 250

Fakt oder Fake?
Vom schmalen Grat zwischen Realität und Fälschung
Fernsehjournalismus kritisch betrachtet - jetzt als Buch


Facts oder Fiction - nicht immer leicht zu trennen,
insbesondere dann nicht, wenn es um Boulevardmagazine im
Fernsehen geht. Der Wunsch nach wahrer Berichterstattung
muss heute oft dem Zwang zu sensationellen Bildern weichen.
Warum das so ist, untersuchte Julia Morgenthaler, M. A. in
"Facts oder Fiction? Eine Kommunikatorstudie zu den
Determinanten für Fakes in Fernseh-Boulevardmagazinen", die
nun unter diesem Titel im Bochumer Universitätsverlag
erschienen ist. Die Untersuchung bildet den Auftakt der
neuen Publikationsreihe "Kommunkationsforschung Aktuell",
die Prof. Dr. Franz R. Stuke (Sektion für Publizistik und
Kommunikation der RUB) im Universitätsverlag herausgibt.

Anfälliges "Infotainment"

Schuld an der steigenden Zahl von Fälschungen im TV sind
unter anderem finanzielle Zwänge. Ausgerichtet an
ökonomischen Kriterien leiden publizistische Inhalte -
Rundfunkanbieter und Journalisten vernachlässigen
professionelle, ethische und rechtliche Standards des
Journalismus. Diese Entwicklung gipfelt in Programmformen
des "Infotainment", die Anfang der 90er Jahre entstanden
sind und sich durch Oberflächlichkeit in der
Informationsvermittlung und Sensationsdarstellung der
Nachrichten auszeichnen. Stets auf der Suche nach
spektakulären Beiträgen, sind diese Sendungen für
Fälschungen besonders anfällig.

Sensationelle Bilder um jeden Preis

Was ein "Fake" ist und wie eng die Gratwanderung zwischen
Realität, Fiktion und Täuschung sein kann, beleuchtet
Morgenthaler in ihrer Untersuchung. Anhand des Fallbeispiels
Michael Born zeigt sie, dass Fälschungen hauptsächlich auf
zwei Gruppen von Journalisten zurückzuführen sind: freie
Produzenten und die verantwortlichen Redakteure der Sender.
Um ihre Ergebnisse zu belegen, befragte sie diejenigen, die
es wissen müssen - sechs Journalisten verschiedener
Handlungsebenen von Boulevardmagazinen aus dem
Vorabendprogramm. Und sie bestätigen die Vermutung:
Hauptsache, die Quote stimmt. Für sensationelle Bilder
schrecken Journalisten selbst bei schlimmsten
Schicksalsschlägen nicht davor zurück, die Privatsphäre der
Betroffenen zu verletzen. 

Die Existenzangst der Produzenten

Und auch die Abhängigkeit der Produktionsfirmen von den
Boulevardredaktionen ist eminent. Deren Vorgaben sind so
zwingend, dass den Produzenten nichts anderes übrigbleibt,
als sich zu fügen. Was nicht ins Konzept passt, wird auch
nicht gesendet. Unter diesem Druck nehmen sie es mit
ethischen Prinzipien nicht so genau. In der Befragung
berichten sie sogar von eigenen Beiträgen, in denen sie von
der Wahrheit abgewichen sind und die Realität "aufgebauscht"
haben.

Titelaufnahme

Morgenthaler, Julia: Facts oder Fiction? Eine
Kommunikatorstudie zu den Determinanten für Fakes in
Fernseh-Boulevardmagazinen. Kommunikationsforschung Aktuell,
Bd. 1. Bochumer Universitätsverlag, 2000. 243 S., DM 29,00.
ISBN: 3-934453-05-8

Weitere Informationen

Julia Morgenthaler, M.A., eMail: julia.morgenthaler@gmx.de;
Prof. Dr. Franz R. Stuke, Sektion für Publizistik und
Kommunikation der RUB, GA 1/138, Tel. 0234/32-22131, Fax:
0234/32-14431, eMail: franz.r.stuke@ruhr-uni-bochum.de;
Bochumer Universitätsverlag GmbH, Universitätsstr. 140,
44799 Bochum, Tel.: 0234/97191, Fax: 0234/707780, eMail:
info@BoU.de; Internet: http://BoU.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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