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(00251) 18.09.2000 14:45

Dilthey-Jahrbuch: Letzter Band erscheint


Bochum, 18.09.2000
Nr. 248

Aufhören, wenn es am schönsten ist
Letzter Band des Dilthey-Jahrbuchs erscheint
Aufarbeitung der deutschen Philosophie-Geschichte


Einer alten Lebensweisheit zufolge sollte man aufhören, wenn
es am schönsten ist: In diesen Tagen wird der zwölfte und
letzte Band einer Publikationsreihe ausgeliefert, mit der
die Dilthey-Forschungsstelle der RUB (Leitung: Prof. em. Dr.
Frithjof Rodi, Fakultät für Philosophie, Padagogik und
Publizistik) die deutsche Philosophiegeschichte aufarbeitet.
Das "Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der
Geisteswissenschaften" (Verlag Vandenhoeck & Ruprecht)
erscheint seit 1983, es leistete bis heute einen erheblichen
Beitrag, die deutsche Philosophie bis 1933 zu beleuchten.

Georg Misch und Goethe

Im Mittelpunkt des letzten Bandes steht der Dilthey-Schüler
Georg Misch, zu dessen Philosophie bereits in Band 11
(1997/98) Aufsätze veröffentlicht wurden. Daneben geht es um
die Rezeption von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften
bei deutschen Philosophen, u. a. auch bei Misch. Die
"Bibliographie Georg Misch" und die "Bibliographie der
Dilthey-Literatur 1989-1998" ergänzen den Band. Zudem
schließt das Verzeichnis aller Autoren und Beiträge aus 13
Jahren Dilthey-Jahrbuch die gesamte Reihe ab.

Beiträge auch zur Heidegger-Forschung

Das Dilthey-Jahrbuch ist bewusst nicht als
hochspezialisiertes Fachorgan konzipiert, sondern richtet
sich an eine allgemeine Leserschaft, die an deutscher
Philosophie und Geschichte interessiert ist. Seit dem ersten
Band versucht die Reihe vor allem, die bislang wenig
bekannten Bezüge zwischen Dilthey-Schule, Phänomenologie und
dem Denken des frühen Heidegger zu beleuchten. So hat das
Jahrbuch auch wichtige Beiträge zur Heidegger-Forschung
geliefert, teils mit Aufsätzen, teils mit Dokumentationen.

Hohe Publizität

Prof. Rodi editierte Heideggers Kasseler Vorträge über
Dilthey vom Frühjahr 1925, PD Dr. Hans-Ulrich Lessing
(Wissenschaftlicher Mitarbeiter der
Dilthey-Forschungsstelle) gab die lange als verschollen
geltende Einleitung Heideggers zu einem geplanten
Aristoteles-Buch heraus, das jedoch nie zustande kam -
sensationelle Funde, die dem Dilthey-Jahrbuch besondere
Publizität verschafften.

Prominenter Autor

Auch dem bedeutenden Philosophen Hans-Georg Gadamer widmete
die Reihe einen eigenen thematischen Schwerpunkt. So wurde
etwa der Anfang der ursprünglichen Fassung von "Wahrheit und
Methode" im Dilthey-Jahrbuch editiert. Gadamer selbst hat
mehrfach als Autor dazu beigetragen, Zusammenhänge der
deutschen Philosophie vor 1933 aufzuklären.

Private Spenden machten es möglich

Das Dilthey-Jahrbuch trug sich weitgehend aus privat
eingeworbenen Spenden. Dass es nun sein Erscheinen
einstellt, hat weder mit nachlassender Gunst bisheriger
Förderer zu tun noch damit, dass es nichts mehr zur
Dilteyschen Philosophie zu sagen gebe. Es hört einfach auf
seinem Höhepunkt auf und bleibt so als relativ
abgeschlossenes Werk stehen.

Titelaufnahme

Rodi, Frithjof (Hrsg.): Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und
Geschichte der Geisteswissenschaften, Band 12, Vandenhoeck &
Ruprecht, 2000.

Weitere Informationen

Dilthey-Forschungsstelle - Fakultät für Philosophie,
Pädagogik und Publizistik der RUB, Institut für Philosophie,
Prof. em. Dr. Frihtjof Rodi, Tel.: 0234/32-24729; 
PD Dr. Hans-Ulrich Lessing, Dilthey-Forschungsstelle, GA
3/157, Tel.: 0234/32-24729, eMail:
hans-ulrich.lessing@ruhr-uni-bochum.de; Internet: 
http://www.uv.ruhr-uni-bochum.de/Forschungsbericht/e03/e030105/p03.htm

Hintergrundinformationen

Dílthey, Wilhelm, *)Biebrich (heute zu Wiesbaden)
19.11.1833, †)Seis bei Bozen 1.0.1911, dt. Philosoph. Suchte
die method. und erkenntnistheoret. Selbständigkeit der
Geisteswiss. gegenüber der Naturwiss. zu sichern; einer der
Hauptvetreter der Hermeneutik. Werke: Einleitung in die
Geistes-Wiss. (1883), Der Aufbau der geschichtl. Welt in den
Geistes-Wiss. (1910).
Gadamer, Hans-Georg, *)Marburg 11.2.1900, dt. Philosoph.
1949-68 Prof. in Heidelberg; bekannt v.a. durch seine
›philos. Hermeneutik‹, die wesentl. Impulse von W. Dilthey,
E. Husserl und M. Heidegger verarbeitet hat; programmat.
Hauptwerk: Wahrheit und Methode (1960). 
Heidegger, Martin, *)Meßkirch 26.9.1889, †)Freiburg im
Breisgau 26.5. 1976, dt. Philosoph. Ab 1928 Prof. in
Freiburg im Breisgau; 1945-51 Lehrverbot wegen seines
Engagements für die nat.-soz. Bewegung; 1952 emeritiert;
führender Vertreter der dt. Existenzphilosophie. Die Frage
nach dem ›Sein als Solchem‹ und nach den menschliches Dasein
bestimmenden ›Existenzialien‹ ist zentraler Gegenstand
seiner Philosophie. 
Phänomenologie [griech.], die Lehre von den Erscheinungen,
heute v.a. die von E. Husserl begründete philosoph. Lehre
vom Auftreten der Erscheinungen im Bewusstsein, in deren
Mittelpunkt die Sach- und Bedeutungszusammenhänge des in der
Intentionalität Erfassten stehen. Die P. wirkte stark auf
die Psychologie, Psychopathologie, Kunst- und Literaturwiss.
sowie Theologie. 

Quelle: LexiROM 2.0

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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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