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(00233) 29.08.2000 14:32

Wie und wann die Hoden ihren Platz finden


Bochum, 29.08.2000 
Nr. 230

Wie und wann die Hoden ihren Platz finden
RUB-Forscher räumen anatomische Irrtümer aus
Endlich Klarheit über Embryonalentwicklung


Mit einem reich bebilderten Band schaffen Klaus J.
Barteczko, wissenschaftlicher Zeichner, und Dr. med. Monika
J. Jacob (Medizinische Fakultät der RUB, Institut für
Anatomie und Embryologie, Leiter: Prof. Dr. Hans Georg
Mannherz) endlich Klarheit in einer lange unbeantworteten
Frage: wie und wann die menschlichen Hoden ihren Weg aus dem
Unterleib in ihre endgültige Position im Hodensack finden.
Über 100 Jahre anatomische Forschung hatten darüber keine
klaren Ergebnisse liefern können. Mittels Licht- und
Rasterelektronenmikroskopie, immunhistochemischen
Untersuchungen sowie dreidimensionaler Rekonstruktionen von
Material aus der Embryonensammlung des 1997 verstorbenen
Bochumer Wissenschaftlers Prof. Dr. Klaus V. Hinrichsen,
konnten sie die Entwicklung erstmals genau verfolgen.

Bilder zu dieser Presseinfo - siehe unten!

Säugetier ist nicht gleich Säugetier
Bisherige Studienergebnisse waren häufig fehlerbehaftet, da
sie auf Untersuchungen von Tieren, etwa Ratten, basierten.
Wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Säugetieren
sind, zeigt sich jedoch schon darin, dass manche gar keine
Hodensäcke haben, sondern die Hoden im Unterleib tragen, wo
sie trotz der höheren Kerntemperatur funktionierende
Spermien produzieren, so etwa Elefanten und Wale. Erst die
Betrachtungen der Entwicklungsstadien bei menschlichen
Embryonen schaffte Klarheit über die Fragen, ob die Hoden
schon vor dem Austritt im Inneren des Körpers herabsteigen,
wie und wann das Leitband des Hodens (Gubernaculum Hunteri)
entsteht, was sein Schicksal ist und wie die Nebenhoden und
Samenleiter (Hodenadnexe) in ihre definitive Position
gelangen. Ebenso klärten die Forscher die Entstehung zweier
gonadaler Bänder bei der Frau, die zum Halteapparat der
Ovarien gehören.

Phasen und Funktionen des Gubernaculum Hunteri

Anhand der Untersuchungen konnten sie den bisher
umstrittenen inneren Abstieg der Sexualorgane vor dem
Austritt der Hoden in den Hodensack beim Menschen beweisen:
Die Anlage für die Eierstöcke und die Hoden steigen
gleichermaßen herab, beim weiblichen Embryo erreichen die
Ovarien ihre Position schon recht früh. Das Schicksal des
Gubernaculum Hunteri teilten die Forscher in fünf Phasen
ein, von seiner Entstehung in der ersten, über sein starkes
Wachstum in der zweiten Phase, erste sexuell
unterschiedliche Entwicklungen in der dritten Phase bis hin
zu seinem Weg in den Hodensack, wohin es die Hoden
begleitet. In keiner der Phasen verbindet das Leitband die
Hoden mit dem Boden des Hodensacks; daraus folgt, dass die
Hoden nicht - wie früher angenommen - durch eine Verkürzung
des gummibandähnlichen Gubernaculum in den Hodensack
hineingezogen werden können. Das Gubernaculum hat demnach
verschiedene Funktionen, z. B. weitet es durch seine
Verdickung besonders im 7. Lebensmonat des Fötus den
Leistenkanal, durch den die Hoden schließlich den Unterleib
verlassen.

Mehr Wissen für Kinderärzte

Die neuen Erkenntnisse und die exakte Dokumentation der
Vorgänge während der Entwicklung des Embryos werden vor
allem für Kinderärzte bei der Behandlung von Kindern, deren
Hoden nicht herabgestiegen sind (Kryptorchismus), von
Bedeutung sein, da sie Entstehung, Entwicklung und Folgen
dieses Phänomens nun besser kennen. 

Titelaufnahme

K.J. Barteczko, M.I. Jacob: The Testicular Descent in Human.
Origin, Development and Fate of the Gubernaculum Hunteri,
Processus Vaginalis Peritonei, and Gonadal Ligaments. (=
Advances in Anatomy, Embryology and Cell Biology 156)
Berlin, Heidelberg, New York, Springer 2000, ISBN
3-540-67315-6

Weitere Informationen

Klaus J. Barteczko, Medizinische Fakultät der
Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25214, Fax:
0234/32-14-474, Email: klaus.barteczko@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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