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(00193) 10.07.2000 15:21

RUBIN 1/2000: Überleben ohne Amputation


Bochum, 10.07.2000 
Nr. 190

RUBIN 1/2000: Überleben ohne Amputation
RUB-Mediziner retten Gliedmaßen bei Tumorbefall
Schnelle Diagnose und Behandlung bei Schlaganfall


Noch vor 20 Jahren brachte der Tumorbefall eines Arms oder
Beins zwangsläufig die Amputation des Körperteils mit sich -
dass das heute nicht mehr so ist, ist vor allem der
Mikrochirurgie zu verdanken. Für die Ärzte um Prof. Dr. Hans
Ulrich Steinau (Interdisziplinäres Zentrum für
Gliedmaßentumoren,  Bergmannsheil Bochum, Klinikum der RUB)
sind solche Eingriffe mittlerweile Routine: Sie retteten in
den letzten 10 Jahren durch die Verpflanzung von Knochen und
Gewebeteilen schon die Gliedmaßen von mehr als 700
Patienten. Große Fortschritte macht auch die Diagnostik des
Schlaganfalls: Die am Institut für Radiologie und
Nuklearmedizin des Knappschaftskrankenhauses Langendreer -
Klinikum der RUB (Dr. Matthias König) in Zusammenarbeit mit
Siemens entwickelte und erprobte
Perfusions-Computer-Tomografie erlaubt eine schnelle und
sichere Diagnose und Behandlung von Schlaganfällen. Über
beide Themen und viele mehr berichtet RUBIN 1/2000 -
Wissenschaftsmagazin der RUB, das soeben erschienen ist. 

"Überleben ohne Amputation": Fehlendes Gewebe ersetzen

Tumore in Armen oder Beinen kommen selten vor: Von 100.000
Einwohnern erkranken nur etwa zwei bis vier an einer solchen
Sonderform. Da die Tumore kleine Ausläufer in ihre Umgebung
wachsen lassen, müssen sie mit einigem Sicherheitsabstand
entfernt werden - früher bedeutete das die Amputation des
betroffenen Körperteils. Durch die Einführung der
Kombinationsbehandlung durch Operation,
Wiederherstellungstechniken, Strahlentherapie und
Chemotherapie mit Zellgiften hat sich das zwar geändert; ein
gewisser Sicherheitsabstand muss aber dennoch gewahrt
werden. Kommt es dadurch zu Knochen- oder Haut- und
Weichteildefekten, setzen die Ärzte moderne,
plastisch-rekonstruktive Verfahren ein: Fehlende Knochen
ersetzen sie z. B. durch Teile des Beckenkamms oder des
Wadenbeins oder bauen millimeterweise neuen Knochen auf.
Gewebelappen aus der Umgebung können über den
Weichteildefekt gezogen werden. Reicht das nicht aus, lassen
sich bis zu 55x30 cm große Muskellappen mit funktionierender
Durchblutung versorgen. 

"Überleben ohne Amputation": Nähen unterm Mikroskop

Das modernste Routineverfahren ist dabei die
mikrochirurgische Transplantation: Der Chirurg legt die
millimeterdicken Hauptgefäße des Gewebeblocks frei und näht
sie mit winzigen Fäden mit Hilfe eines Operationsmikroskops
an Blutgefäße an. Auch Nervenkabeltransplantationen
funktionieren ähnlich. Außerdem können Nerven- und
Muskelumleitungen nach entsprechendem Training die Funktion
von geschädigten Teilen übernehmen. Selbst wenn eine
Amputation unumgänglich ist, weil der gesamte
Gliedmaßenquerschnitt vom Tumor befallen ist, kann die
moderne Chirurgie den Schaden begrenzen: Nicht befallene
Anteile aus der Umgebung dienen dann zur Stumpferhaltung
oder -verlängerung. Neben der Mikrochirurgie befassen sich
die Mediziner der Klinik in verschiedenen wissenschaftlichen
Projekten z. B. mit der Bestimmung von Tumoren, ihrer
Entstehung und begünstigenden Faktoren. 

"Moderne Schlaganfalldiagnose": Schnell und sicher handeln,
wenn der Schlag trifft

Wenn der Schlag einen Patienten trifft, ist schnelles
Handeln lebensrettend: Wird der Infarkt durch ein Gerinnsel
im Hirn verursacht, kann eine Auflösung des Gerinnsels die
Durchblutung wieder verbessern und so die Schädigung des
Gewebes begrenzen. Schwierig ist aber, die Ursache des
Infarkts auszumachen: Die Symptome können nämlich auch auf
eine Gehirnblutung zurückgehen, und in diesem Fall würde die
Gabe von Medikamenten, die Blutgerinnsel auflösen, den
Zustand des Patienten nur verschlimmern. Ziel der Diagnose
ist also, möglichst früh und schnell Ursache und Ausdehnung
der Störung sichtbar zu machen. Die Computertomografie
leistet hier zwar schon lange gute Dienste, kann aber im
Frühstadium der Störung versagen: Hinter völlig normalen
Befunden kann sich nicht selten eine hochgradige Störung
verbergen. Auch die Randzone eines Infarkts, die durch
schnelles Eingreifen noch zu retten ist, ist auf dem
normalen CT-Bild nicht zu sehen. 

"Moderne Schlaganfalldiagnose": Sichere Ergebnisse im
Frühstadium der Durchblutungsstörung 

Hier schafft das Perfusions-CT, ein neues
computertomografisches Verfahren, Abhilfe: Ein
handelsübliches Jod-Kontrastmittel wird schubartig in die
Venen gespritzt, und dann die Durchströmung des
Hirngefäßsystems mit einer schnellen Bildfolge gemessen.
Etwa 30 Sekunden lang wird ein Bild pro Sekunde aufgenommen
und von einem normalen PC in Sekundenschnelle ausgewertet
und dargestellt. Der Blutfluss, das Blutvolumen und die
Gipfelzeit des Kontrastmitteldurchgangs sieht der Arzt dann
auf Parameterbildern. Nicht nur Ausdehnung und Schweregrad
kann er so ermessen, sondern auch auf mögliche Ursachen
rückschließen. Obwohl noch keine dreidimensionale
Darstellung möglich ist und auch keine sehr kleinen
Veränderungen sichtbar werden, erfasst die Methode zu mehr
als 90 Prozent diejenigen großen Durchblutungsstörungen, die
für eine Fibrinolyse (Auflösung des Gerinnsels durch
Medikamente) in Frage kommen. Großer Vorteil des
Perfusions-CT ist die ständige Verfügbarkeit von
Computertomografen und die Zeitersparnis: Da sich die
Untersuchung direkt an eine normale Computertomografie
anschließt, entfällt die Umlagerung und der Transport des
Patienten zu einem anderen Gerät. 

RUBIN 1/2000 erschienen

Die vollständigen Beiträge lesen Sie bitte in RUBIN 1/2000,
wo Sie außerdem folgende Artikel finden: Den Genozid
überleben: Trauma und Zeugnis, Vergangenheitspolitik -
Produktivität der Verdrängung?, Bilder im Recht und Bilder
vom Recht, Der "Doppelpass": verfassungswidrig?,
Mini-Kreisverkehr: "Eine runde Sache", Bis das Getriebe
kracht: Statistik ersetzt teure Tests. RUBIN ist für 5 DM
bei der Pressestelle der RUB erhältlich - und im Internet:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans Ulrich Steinau, Universitätsklinik für
Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte und
Handchirurgie-Zentrum, Berufsgenossenschaftliche Kliniken
Bergmannsheil, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel.
0234/302-6841/-6843

Dr. Matthias König, Klinikum der Ruhr-Universität im
Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, Institut für
Radiologie und Nuklearmedizin, In der Schornau 23-26, 44892
Bochum, Tel. 0234/299-3805/-3809



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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