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(00171) 21.06.2000 14:24

RUB-Tagung: "Feindschaft aus Verfeindung"


Bochum, 21.06.2000
Nr. 168

RUB-Tagung: "Feindschaft aus Verfeindung"
Interdisziplinäre Tagung zu Mustern der Feindbildung 
Moderne Gewalt- und Vorurteilsforschung


Es kann heute nicht mehr darum gehen, zu fragen, was
Einzelne, Gruppen oder Staaten zu Feinden macht. Die
öffentliche, staatlich systematisierte Gewalt, die im 20.
Jahrhundert zu radikalen Verfolgungen, Massenmord und
Genozid führte, ist nicht mehr mit den alten Mustern von
Freund und Feind zu erklären. Und doch spielt das Bild des
Feindes auch in der modernen Gewaltpolitik eine wichtige
Rolle. Dieser Rolle wollen sich die Experten auf der Tagung
"Feindschaft aus Verfeindung" stellen. Die Tagung wird
veranstaltet vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung
an der RUB und dem Kulturwissenschaftlichen Institut NRW und
findet vom 30. Juni bis 2. Juli 2000 in der Tagungsstätte
des Evangelischen Studienwerks e.V. Villigst (Iserlohner
Str. 25, 58239 Schwerte) statt. 

Was Feindschaft ist ...

Feindschaft ist nichts Gegebenes - diese These soll im
Mittelpunkt der Diskussionen und Vorträge herausfordern.
Nicht zuletzt angesichts der komplexen Struktur moderner
Gesellschaften können wir von Feindschaft nicht mehr nur vor
dem Hintergrund eines anthropologischen Phänomens sprechen,
den Feind nicht mehr nur als Ergebnis der Eskalation einer
Konfrontation von Interessen deuten. Feindschaft entsteht in
Prozessen der Verfeindung; nicht im Gegenüberstehen von
Konfliktpartnern, von Eigen und Fremd, denn die moderne
Feindschaft ist nicht mehr an den wirklichen Eigenschaften
des Anderen ausgerichtet. Sie entsteht nicht durch die
manipulative Wirkung sich verselbständigender Feindbilder,
denn in überlieferten Geschichtsbildern, kulturellen Mustern
und ausschließenden Projektionen wird sie allein erkennbar.

... wie moderne Verfeindung entsteht

Um die moderne Verfeindung zu verstehen, untersucht die
Wissenschaft generationenüberdauernde, sozialhistorische
Entstehungs- und Überlieferungsprozesse. Ein besonderes
Augenmerk liegt auf der Analyse der Situation, in der das
Muster der Feindschaft bewusst eingesetzt wird, um Gewalt
gegen eine Gruppe zu legitimieren. In modernen Feindbildern
geht es um die Verwirklichung des Eigenen, um Identität, um
politische und historische Visionen. 

... und inwiefern Feindschaft Thema moderner Gesellschaften
sein muss

Der Ansatzpunkt, den die Tagung wählt, ist nicht mehr die
Beschäftigung mit der philosophischen und anthropologischen
Debatte um die Natur der Feindschaft sondern die neuere
Gewalt- und Vorurteilsforschung. Ziel der Veranstaltung ist
es, Muster, Verfahren und Strukturen von Verfeindung aus
historischer, philosophischer, soziologischer, literatur-
und medienwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten.
Inwiefern werden sich auch die globalisierenden, weltweit
vernetzten Staatensysteme mit der Möglichkeit der
Aktualisierung von Verfeindung konfrontieren lassen müssen,
ohne auf eine Zivilisierung der gewaltvollen Affekte gegen
Gruppen hoffen zu können? 

Weitere Informationen

Dr. Mihran Dabag, Institut für Diaspora- und
Genozidforschung an der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel.
0234/32-29702, Fax: 0234/32-14-770
PD Dr. Burkhard Liebsch, Kulturwissenschaftliches Institut
NRW, Goethestr. 31, D-45128 Essen, Tel.: 0201/ 7204 0, Fax:
0201/ 7204 111

Programm

Freitag, 30.6.


15.30 Uhr: Begrüßung - Prof. Dr. Manfred Faßler,
Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst, Dr. Mihran Dabag,
Institut für Diaspora- und Genozidforschung

15.45 Uhr: Horizonte der Feindschaft: Normalität,
Exzessivität - PD Dr. Burkhard Liebsch,
Kulturwissenschaftliches Institut NRW, Essen

17.00 Uhr: Feindschaft als Gegenstand der Theorie:
Definitions- und Erklärungsversuche - Prof. Dr. Bernhard
Taureck, Braunschweig

19.30 Uhr: Altmesopotamische Feindschaft - Prof. Dr. Claus
Wilcke, Leipzig

Samstag, 1.7.

9.15 Uhr: Politische Existenz und "bloßes Leben". Zur
Selektivität des Politischen - PD Dr. Friedrich Balke,
Siegen

11.00 Uhr: Die jüdischen Feinde des Politischen bei Carl
Schmitt - Dr. Raphael Gross, RUB 

14.00 Uhr: Das Risiko der Kommunikation. Die Gefahr der
Dämonisierung - Dr. Achim Brosziewski, St. Gallen

15.45 Uhr: Zum Aspekt der Vision in der Aktualisierung
kollektiver Exklusionsmuster - Dipl. Soz. Wiss. Kristin
Platt, Institut für Diaspora- und Genozidforschung 

17.15 Uhr: Künstliche Feindschaft - Prof. Dr. Raimar Zons,
Paderborn

18.45 Uhr: Der Anteil der Medien an der Schaffung von
Applikationsvorgaben für zukünftige Kriege - am Beispiel der
Printmedienberichterstattung zum Krieg der Nato gegen
Jugoslawien - Prof. Dr. Siegfried Jäger, Duisburg

Sonntag, 2.7.

9.00 Uhr: Zur Tragfähigkeit anthropologischer Theorien der
Feindschaft - Dr. Peter Imbusch, Marburg

10.30 Uhr: Der innere und der äußere Feind. Semantische
Strukturen der Feindschaft seit dem 18. Jahrhundert - Prof.
Dr. Lucian Hölscher, RUB 

11.45 Uhr: Resümee - PD Dr. Burkhard Liebsch, Dr. Mihran
Dabag



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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