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(00162) 14.06.2000 15:28

RUB-Untersuchung zum interkulturellen Management


Bochum, 14.06.2000
Nr. 159

Von lehrenden und lernenden Managern
Deutscher Blick auf ausländische Geschäftsstrategien
RUB-Untersuchung zum interkulturellen Management


Im Zeitalter der Globalisierung sind Fragen des
interkulturellen Managements für den Erfolg internationaler
Unternehmen wichtiger denn je - Grund genug für die
Geschichtswissenschaft, sich eingehend mit ihrer Entwicklung
zu beschäftigen: Im Habilitationsprojekt "Der produktive
Blick. Wahrnehmung amerikanischer und japanischer
Management- und Produktionsmethoden durch deutsche
Unternehmer 1950 bis 1985" (Lehrstühle für Sozial-,
Wirtschafts- und Technikgeschichte, Prof. Dr. Dietmar
Petzina, Prof. Dr. Wolfhard Weber), das von der
Volkswagen-Stiftung finanziert wurde, widmete sich PD Dr.
Christian Kleinschmidt der Wahrnehmung und praktischen
Umsetzung amerikanischer und japanischer Management- und
Produktionsmethoden an ausgesuchten Beispielen deutscher
Großunternehmen. Seine Erkenntnis: Die Deutschen lernten oft
zeitverzögert - und das vor allem aus Überheblichkeit oder
mangelnder Lernbereitschaft.

Freiwillig lernen von Amerikanern ...

Amerikanische Management- und Produktionsmethoden hatten für
deutsche Unternehmer nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die
70er Jahre hinein eine Leitbildfunktion. Die Wahrnehmung
amerikanischer Unternehmensstrategie erfolgte als ein
"Erfahrungslernen": Deutsche Firmen übernahmen amerikanische
Strategien des Marketing, der Werbung und Organisation. So
kam es zu einer "Westbindung" der deutschen Wirtschaft, ohne
eine "Amerikanisierung" im Sinne eines kulturellen
Imperialismus des Managements. Amerikanisierungstendenzen
der 50er Jahre mündeten in eine freiwillige Orientierung am
amerikanischen Vorbild, oder auch in eigene, auf deutscher
Tradition beruhender Methoden, z. B. in industriellen
Beziehungen oder der Aus- und Weiterbildung von Managern. 

... schockiert von den Japanern

Ganz anders verhielt es sich jedoch mit japanischen
Leitbildern: Während die USA bis in die 70er Jahre hinein
als "reference society" eine permanente Orientier-ungsgröße
darstellten und deutsche Unternehmer meist die Rolle des
Lernenden inne hatten, nahmen sie gegenüber den Japanern
zunächst die Rolle des Lehrers ein. Ihre Überheblichkeit und
ihre bis an die Grenzen des Rassismus reichende Einstellung
gegenüber den Japanern blockierte eigene Lernprozesse bis in
die 80er Jahre hinein. Erst die "japanische Herausforderung"
der 70er und der "Japanschock" der 80er Jahre brachten ein
Umdenken hervor, so dass deutsche Unternehmer lernbereiter
wurden. Bei einigen Firmen, so etwa bei Volkswagen oder
Continental, entwickelte sich daraus ein Wandel des
Erfahrungslernens in ein selbstreflexives "Metalernen".

Theorie und empirische Forschung 

Zum Beleg seiner These kombinierte Kleinschmidt kompatible
Theorieansätze, wie etwa den Mikropolitik- und den
Leitbildansatz, die ethnologische und philosophische
Fremdbildforschung und die interkulturelle und
verhaltenswissenschaftliche Managementforschung um anhand
empirischer Beispiele sein Feld zu erforschen. Er
untersuchte Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen im
Hinblick auf z. B. ihre Technologie, ihre Werbung, ihre
Unternehmensorganisation und ihre Aus- und Weiterbildung.
Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf die
unternehmerische Wahrnehmung, Deutungsmuster und
Entscheidungsprozesse. Die Frage der Fremdwahrnehmung und
der damit verbundenen individuellen und kollektiven
Lernprozesse standen für ihn im Mittelpunkt. 

Weitere Informationen

PD Dr. Christian Kleinschmidt, Fakultät für
Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität, 44780 Bochum,
Tel. 0234/32-26808, Fax:0234/32-14-240, Email:
Ch.Kleinschmidt@cityweb.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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