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(00092) 10.04.2000 13:27

Gesamtkriminalität steigt langsamer


Bochum, 10.04.2000
Nr. 91

Bochumer Gesamtkriminalität steigt langsamer
Brennpunkte bleiben die alten
RUB-Kriminologen forschen seit fast 25 Jahren


Fast ein Vierteljahrhundert nach der ersten Untersuchung der
Kriminalität in Bochum 1975 ziehen Kriminologen der
Ruhr-Universität um Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind
(Juristische Fakultät) jetzt eine Bilanz: Sie verfolgten
anhand der von der Polizei registrierten Straftaten
(Hellfeld) sowohl die Entwicklung der Kriminalität als auch
ihre Verteilung über die verschiedenen Bochumer
Stadtbezirke. Außerdem befragten sie 1.661 Personen zu nicht
angezeigten Verbrechen (Dunkelfeld). Ergebnis: Die
Gesamtkriminalität in Bochum hat seit 1975 massiv zugenommen
(um 67,6%), die Steigerungsrate hat sich jedoch im Lauf der
Zeit deutlich verringert: Zwischen der ersten Studie 1975
und der zweiten 1986 lag sie noch bei 45,9 Prozent, zwischen
der zweiten und der neuesten Untersuchung nur noch bei 14,9
Prozent.

Unterschiedliche Entwicklungen im Hell- und Dunkelfeld

Die Zahl der registrierten Diebstahlsdelikte in Bochum hat
seit 1986 um 16,7 Prozent abgenommen. Ähnliche Entwicklungen
der Diebstahlsdelikte zeigten sich auch in der
Dunkelfelduntersuchung. Ein anderes Bild ergab sich jedoch
hinsichtlich der Körperverletzungsdelikte: Deren Anzahl hat
in der polizeilichen Kriminal-statistik zwischen 1986 und
1998 um mehr als 100 % zugenommen (von 990 auf 1.976 Fälle).
Die Ergebnisse der Bochumer Dunkelfelduntersuchungen legen
jedoch nahe, dass diese Unterschiede hauptsächlich auf ein
verändertes Anzeigeverhalten der Opfer von
Körperverletzungen zurückgeführt werden können. Während 1975
nur jede achte Körperverletzung angezeigt wurde, war es 1998
jede vierte. Die Anzahl aller Körperverletzungen (angezeigte
plus nicht angezeigte Straftaten) hat jedoch zwischen 1975
und 1998 lediglich um ca. 15 % zugenommen.

Brennpunkte der Kriminalität kaum verändert

Die Brennpunkte der Stadt haben sich dabei nicht verlagert,
sondern verstärkt: Die Bezirke City/Hauptbahnhof,
Querenburg/Universität und Wattenscheid-Mitte waren und sind
Spitzenreiter. Neu hinzu kamen in der neuesten Untersuchung
Riem-ke-Nord, Ruhrstadion und Linden-Mitte. Zwischen dem
Wohnsitz der Täter und den Tatorten besteht ein eindeutiger
Zusammenhang - fast 80 Prozent aller Tatverdächtigen wohnten
im Bereich der Polizeibehörde Bochum, und die
Tat-ver-dächtigenwohnsitze befinden sich dort, wo auch viele
Straftaten verübt werden. Diese Studienergebnisse lassen es
wünschenswert erscheinen, die Gebietseinteilungen der Stadt
und der Polizei zu vereinheitlichen, damit sowohl eine
bessere Vergleichbarkeit als auch eine bessere städtische
Kooperation entstehen kann. 


Anzeige von Diebstählen nur für die Versicherung

Dabei spielen Versicherungen eine immer größere Rolle für
die Entscheidung des Opfers zu einer Anzeige: Während 1998
von den versicherten Diebstahlsdelikten ca. 90 Prozent
angezeigt wurden, waren es von den nichtversicherten weniger
als 20 Prozent. Erlittene Diebstahlsdelikte werden heute
fast nur noch angezeigt, wenn die Versicherungsbedingungen
es erfordern. Daraus folgt, dass nicht-deutsche und jüngere
Opfer Diebstähle seltener als ältere, bzw. deutsche
anzeigen, weil sie seltener versichert sind. Der Grund für
die Anzeige eines Diebstahls ist meistens eine
Schadensersatzforderung. Opfer von Körperverletzungen und
Raubtaten erstatten hingegen Anzeige, "damit so etwas nicht
noch einmal passiert".

Typische Opfer = typische Täter

Die typischen Opfer krimineller Handlungen ähneln den
typischen Tätern: Bei beiden Gruppen sind männliche
Jugendliche bzw. Heranwachsende deutlich überrepräsentiert.
Im Zuge der Bochumer Untersuchung fragten die Kriminologen
die Opfer außerdem, ob der Täter Deutscher oder
Nicht-Deutscher gewesen sei. Dabei ergab sich kein Hinweis
darauf, dass nicht-deutsche häufiger angezeigt werden als
deutsche Täter. Daher scheint es unmöglich, die höhere
Belastung von Nicht-Deutschen in der polizeilichen Statistik
auf die unterschiedliche Anzeigebereitschaft gegenüber
Deutschen bzw. Nicht-Deutschen zurückzuführen. 


Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind, Juristische Fakultät der
Ruhr-Universität-Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28245,
Fax: 0234/32-14-328, email:
LS.Schwind@jura.ruhr-uni-bochum.de 


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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