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(00088) 04.04.2000 12:38

RUB-Studie zum Patienten-Verhalten


Bochum, 04.04.2000
Nr. 87

Wenn Kranke ärztlichen Rat nicht befolgen
RUB-Studie zum Patienten-Verhalten
Gute Arzt-Patientenbeziehung verbessert die Heilung


Das Verhältnis zwischen ärztlichem Rat und dem Verhalten des
Patienten (Com-pliance) weckt in der letzten Zeit immer mehr
Interesse bei den behandelnden Therapeuten: Gibt es
Faktoren, die die Compliance beeinflussen? Können die
Therapeuten selbst das Patientenverhalten verändern und so
die Genesungs-chancen steigern? So lauten nur einige der
zahlreichen Fragen, die die Wissenschaftler seit mehreren
Jahren beschäftigen. In ihrer Bochumer Dissertation
"Angstsymp-tomatik bei Schizophrenien - ein Prädikator für
Compliance" widmet sich Dr. Bozena Scheuble einer besonderen
Patientengruppe: Da die Krankheit mit großem Misstrauen
gegenüber der Umwelt und starker Angst verbunden ist, stellt
die Compliance eine große Herausforderung für Patienten und
Ärzte dar. Ihr Ergebnis: Je ausgeprägter die ursprüngliche
Angst und je erfolgreicher ihre therapiebedingte Abnahme,
desto kooperativer ist der Patient.

Angst und Misstrauen behindern Heilung

Die Compliance des Patienten zu messen, ist an sich schon
ein Problem: Blut- und Urinproben zeigen auch dann die
gewünschten Werte, wenn der Patient sein Medikament nur am
Tag vor der Untersuchung einnimmt, die Einschätzung des
Arztes ist oft nicht richtig, und eine Befragung des
Patienten muss nicht immer ehrlich beantwortet werden. Die
Behandlung von Schizophrenien ist besonders schwierig, weil
sie zum einen mit Angst und Misstrauen verbunden sind, und
außerdem mit Psychopharmaka behandelt werden, die zum Teil
als Nebenwirkung Angstzustände hervorrufen. Es gibt bereits
zahlreiche Studien über Faktoren, die die
Behand-lungsbereitschaft des schizophren erkrankten Menschen
beeinflussen: Alter, Geschlecht, Bildung,
Krankheitsvorgeschichte, Arzt-Patientenbeziehung, Art der
Unterbringung in der Klinik (offen oder geschlossen) und
Krankheitseinsicht sind nur einige von ihnen. Ob das Ausmaß
der Angst in der akuten Phase der Erkrankung und die unter
der Behandlung erlebte Angstabnahme jedoch Auswirkungen auf
die Kooperationsbereitschaft des Patienten haben, dazu
fehlten bisher umfassende Studienergebnisse - diesem
Zusammenhang ging Dr. Scheuble nach.

Drei Fragebögen geben Antworten

Für ihre Studie untersuchte sie 54 Frauen und Männer, die
mit einer akuten Psychose in der Fachklinik für Psychiatrie
und Psychotherapie in Hemer aufgenommen wurden. Sie benutzte
zwei Angstfragebögen, einen Fremdbeurteilungs- und einen
Selbstbeurteilungsbogen, die sowohl körperliche als auch
psychische Angstsymptome einschlossen. Dazu kam ein eigens
entwickelter Compliance-Fragebogen, den der Therapeut
gemeinsam mit dem Patienten ausfüllte. Die Befragung nahm
sie dreimal vor: Zu Beginn der Behandlung, vier Wochen
später und unmittelbar vor der Entlassung des Patienten. Bei
der Befragung achtete sie darauf, dass die Atmosphäre
zwischen Arzt und Befragtem entspannt war, damit die
Patienten offen ihre Kritik zu äußern wagten. Besonders
wichtig dafür war auch, dass der Arzt, der die Befragung
durchführte, nicht selbst an der Behandlung des Patienten
beteiligt war.

Wesentlich für schnelle Genesung: Ein guter
Arzt-Patienten-Dailog

Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich, dass
Patienten, die beim Ausbruch der Krankheit unter einer
besonders stark ausgeprägten Angst litten, eine positivere
Einstellung zur medikamentösen Behandlung haben und
beabsichtigen, die Psy-cho--pharmakaeinnahme auch ambulant
fortzusetzen. Eine besonders hohe Koope-rationsbereitschaft
bewiesen diejenigen, die eine deutliche Angstreduktion im
Behandlungsverlauf verspürten. Die Vermutung, dass z. B. das
Alter und die Bildung eines Patienten seine Compliance
beeinflussen, entkräftet die Studie: Diese Merkmale ändern
nichts am Behandlungsverlauf. Viel einflussreicher ist eine
vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient. Sie
kann die Angst verringern und so zu einer besseren Befolgung
der Therapievorschläge beitragen. Die teilweise in dieser
Studie unterschiedliche Angsteinschätzung durch die
Patienten selbst und die Therapeuten zeigt aber, dass diese
Beziehung nicht unproblematisch ist. Ein verbesserter Dialog
zwischen Arzt und Patient könnte dazu führen, dass die Angst
bei der gegenwärtigen Erkrankung erfolgreich abgeschafft
werden kann und bei einem eventuellen Rückfall deutlich
weniger zum Vorschein kommt. 

Weitere Informationen

Dr. Bozena Scheuble, Hans-Prinzhorn-Klinik, Westfälische
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Postfach 1765,
58675 Hemer, Tel. 02372/861-0


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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