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(00060) 08.03.2000 14:13

Passivrauchen macht Kinder krank


Bochum, 08.03.2000
Nr. 59

Passivrauchen macht Kinder krank
Vermehrte Symptome und Empfindlichkeit der Atemwege
RUB-Studie untersucht erstmals objektive Zusammenhänge


Wer als Nichtraucher nach einem Abend in einer verräucherten
Kneipe nach Hause geht, spürt es am eigenen Leib:
Passivrauchen ist ungesund - es kann bei langfristiger
Belastung ähnliche Auswirkungen haben wie aktives Rauchen.
Gerade Kinder, deren Atemwege während ihres Wachstums
Zigarettenrauch ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko
für eine gesteigerte bronchiale Empfindlichkeit und
vermehrte Atemwegssymptome, z. B. Husten. Diese
Zusammenhänge konnte Dr. Heike Fischer in ihrer Dissertation
"Passive Rauch-belastung und gesteigerte bronchiale
Empfindlichkeit bei Schulkindern" an der Klinik für Kinder-
und Jugendmedizin der RUB (Leiter Prof. Dr. Christian
Rieger) nachweisen: Gerade in der Schwangerschaft und
während der ersten Lebensmonate ist die passive
Rauchbelastung für Kinder besonders gefährlich.

Kleine und große Mitmenschen werden "geräuchert"

Die Gefahren des Rauchens sind schon seit dem
"Anti-Smoke-Report" aus dem Jahr 1964 bekannt, und dennoch
rauchen weltweit ca. eine Milliarde Menschen - und machen
ihre Mitmenschen zu Mitrauchern. Wissenschaftler kümmern
sich darum in letzter Zeit vermehrt um Folgen des
Passivrauchens, die auf lange Sicht denen des Aktivrauchens
ähneln: Das Lungenkrebsrisiko eines Passivrauchers ist
1,3fach bis doppelt so hoch wie das einer unbelasteten
Person, es kommt häufiger zu Herzkreislauferkrankungen und
Herzinfarkten. Passiv rauchende Kinder neigen unter anderem
zu Irritationen der Schleimhäute, Halsentzündungen,
Kopfschmerzen, Mittelohrentzündungen, und selbst ein
Zusammenhang zum plötzlichen Kindstod ist wahrscheinlich.
Bei Kindern mit Asthma bronchiale verschlechtert eine
passive Rauchbelastung nachweislich den Krankheitsverlauf. 

Fragebogen und Teste für Bochumer Schulkinder

Ob die passive Rauchbelastung bei lungengesunden Kindern
ebenfalls eine erhöhte bronchiale Empfindlichkeit auslösen
kann ist umstritten. Dr. Heike Fischer mach-te sich auf die
Suche nach dem Beweis. Zwischen 1993 und 1994 untersuchte
sie 178 Bochumer Schüler zwischen acht und elf Jahren.
Zuerst gab es eine Menge Fragen zu beantworten: Zusammen mit
einer Kollegin, die sich mit dem Zusammenhang zwischen
Allergien und einer passiven Rauchbelastung befasst, stellte
die Ärztin aus verschiedenen Standardfragebögen einen
Erhebungsbogen zusammen. Neben der aktuellen und früheren
Rauchbelastung erfasste er auch Faktoren wie eigene oder
familiäre Allergien, Lungengesundheit, chronische
Krank-heiten, aktuelle Erkältung und Medikation, die
Verkehrsbelastung im Wohngebiet und eine ehemalige
Frühgeburtlichkeit der Probanden. Besonders interessierte
sie die Belastung während der Schwangerschaft und in den
ersten Lebensmonaten der Kinder. Die aktuelle Rauchbelastung
der Schüler konnte sie anhand eines Urintests, der die
Konzentration von Kotinin, dem Hauptabbauprodukt des
Nikotins im menschlichen Körper bestimmt, objektiv
nachweisen. Um den Zustand der Atemwege zu überprüfen,
setzte sie die Kinder zwischen zwei Lungenfunk-tionstests
einer Kaltluftprovokation aus - ähnlich wie ein Dauerlauf im
Winter kann dieser Reiz bei Personen mit empfindlichem
Bron-chialsystem zu einer messbaren Verengung der Atemwege
führen. 

Passivrauchenden Kindern geht schnell die Puste aus

Eine pathologische Reaktion auf die Kaltluftprovokation kam
bei Kindern, die sowohl während als auch nach der
Schwangerschaft ständig durch beide Eltern, also maximal
rauchbelastet waren, signifikant häufiger vor als bei
anderen. Ein Zusammenhang besteht auch zwischen einer
Verengung der kleinen Atemwege nach der Provokation und
einer erhöhten Kotininkonzentration im Urin, d. h. der
objektiv nachgewiesenen aktuellen Rauchbelastung des Kindes.
Eine Belastung in den ersten Lebensmonaten, insbesondere
wenn die Mutter rauchte, zog einen erhöhten Widerstand der
zentralen und peripheren Atemwege nach dem Kaltluftreiz nach
sich. Schließlich stellte die Wissenschaftlerin fest, dass
Kinder mit einer aktuellen Rauchbelastung häufiger
Atemwegssymptome wie etwa Husten in kalter Luft haben als
andere. 

Frauen rauchen immer mehr

Die kritischen Zeitpunkte für eine passive Rauchbelastung
sind demnach vor allem die Schwangerschaft und die ersten
Lebensmonate des Kindes. Besorgniserregend ist in diesem
Zusammenhang der zunehmende Trend zum Rauchen bei Frauen.
Das Bemühen der Werbung gerade um Frauen und Jugendliche
scheint Früchte zu tragen: Der höchste pro Kopf Verbrauch
lag zum Untersuchungszeit-punkt in Deutschland bei Personen
zwischen 25 und 40 Jahren. Hier rauchen 48 Prozent der
Männer und 36 Prozent der Frauen. Der Anteil rauchender
Schwangerer hat ebenfalls zugenommen, in Großbritannien lag
er bei 50 Prozent.

Weitere Informationen

Dr. Heike Fischer, Jung-Stilling-Str. 11, 57076 Siegen,
Tel./Fax: 0271/4889068


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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