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(00045) 16.02.2000 14:33

Fernsehjournalismus "verbiegt" die Realität


Bochum, 16.02.2000
Nr. 45

Vom schmalen Grad zwischen Fakten und Fiktion
Fernsehjournalismus "verbiegt" die Realität
Ethische Prinzipien bleiben oft auf der Strecke


Fälle wie der des Fernsehproduzenten Michael Born, der
Anfang der neunziger Jahre manipulierte Berichte an
verschiedene TV-Sender verkaufte, machen es überdeutlich:
Der Wunsch nach wahrer Berichterstattung muss heute oft dem
Zwang zu sensationellen Bildern weichen. Warum das so ist
untersuchte Julia Morgenthaler M.A. in ihrer Magisterarbeit
"Facts oder Fiction? Eine Kommunika-torstudie zu den
Determinanten für Fakes in Fernseh-Boulevardmagazinen", die
in der Sektion für Publizistik und Kommunikation der RUB
(Prof. Franz R. Stu-ke) entstand. Schuld sind an der
Entwicklung unter anderem finanzielle Zwänge. Für ihre
Arbeit wurde Julia Morgenthaler mit einem der "Preise an
Studierende '99" der Ruhr-Universität für die beste
wissenschaftliche Arbeit dieses Faches ausgezeichnet.

"Infotainment" ist für Fälschungen anfällig

Der Qualitätsverlust der Fernsehprogramme seit Einführung
des dualen Rund-funksystems Mitte der 80er Jahre ist nicht
zu übersehen: Ausgerichtet an ökonomischen Kriterien leiden
publizistische Inhalte - Rundfunkanbieter und Journalisten
vernachlässigen professionelle, ethische und rechtliche
Standards des Journalismus. Diese Entwicklung gipfelt in
Programmformen, die "Infotainment" bieten, insbesondere
Fernsehboulevardmagazinen, die Anfang der 90er Jahre
entstanden sind und sich durch Oberflächlichkeit in der
Informationsvermittlung und Sensa-tionsdarstellung der
Nachrichten auszeichnen. Stets auf der Suche nach
spektakulären Beiträgen, sind diese Sendungen für
Fälschungen besonders anfällig.

Sensationelle Bilder um jeden Preis

Was ist aber ein "Fake", und wer ist schuld an medialen
Fälschungen? Wo sind die Gründe dafür zu suchen? Julia
Morgenthaler begab sich auf die Suche nach dem schmalen Grad
zwischen Realität, Fiktion und Täuschung. Anhand des
Fallbeispiels Michael Born konnte sie zeigen, dass
hauptsächlich zwei Gruppen von Journalisten, freie
Produzenten und die verantwortlichen Redakteure der Sender,
für Fälschungen verantwortlich sind. Um ihre Ergebnisse zu
belegen, befragte sie diejenigen, die es wissen müssen -
sechs Journalisten verschiedener Handlungsebenen von
Boulevardmagazinen aus dem Vorabendprogramm. Und sie
bestätigten die Vermutung: Hauptsache bei der
fernsehjournalistischen Arbeit ist, dass die Quote stimmt.
Materielle Werte verdrängen die ethischen, für sensationelle
Bilder schrecken Journalisten selbst bei schlimmsten
Schicksalsschlägen nicht davor zurück, die Privatsphäre der
Betroffenen zu verletzen. 

Die Existenzangst der Produzenten

Außerdem gibt die Untersuchung Aufschluss über die Bedeutung
der Abhängigkeit freier Produzenten von den Redaktionen der
Magazine: Deren Vorgaben sind so zwingend, dass den
Produzenten nichts anderes übrigbleibt, als sich zu fügen,
denn was nicht ins Konzept passt, wird auch nicht gesendet.
Unter diesem Druck des drohenden Existenzverlusts nehmen sie
es mit ethischen Prinzipien nicht so genau: In der Befragung
berichteten sie sogar von eigenen Beiträgen, in denen sie
manipuliert oder - schöner gesagt - "die Wahrheit gebogen"
hatten.

Weitere Informationen

Julia Morgenthaler, M.A., Tel. 06192/291974, email:
Julia.Morgenthaler@gmx.de, 
Prof. Dr. Franz R. Stuke, Sektion für Publizistik und
Kommunikation der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum,
Tel. 0234/32-22131, Fax: 0234/32-14-431


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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