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(00034) 02.02.2000 14:18

Kinder im Straßenverkehr besonders gefährdet


Bochum, 02.02.2000
Nr. 34

Kinder im Straßenverkehr besonders gefährdet
Unfälle mit kindergerechten Kreuzungen verhindern
Umweltpsychologische Untersuchung an der RUB


Ob auf dem Weg zur Schule oder zum Spielplatz, der
Straßenverkehr ist für Kinder alltäglich eine Gefahrenquelle
. Die Stadt Krefeld belegt im landesweiten Vergleich der
Kinderunfälle im Straßenverkehr seit 1993 jährlich stets
einen der letzten drei Ränge in NRW. Möglichkeiten zur
"Reduzierung von Verkehrsunfällen mit Kinderbetei-ligung in
der Stadt Krefeld" haben im Auftrag der  Stiftung für
Kriminalprävention (Münster-Hiltrup)   die ZEUS GmbH,
Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und
Sozialforschung (Technologiezentrum der RUB) und der
Lehrstuhl für Verkehrswesen der RUB untersucht. Die dabei
entstandene Diplomarbeit von Sebastian Poscha-del  "Der
Homerange von Kindern. Ein umweltpsychologischer Beitrag zur
Un-fallprävention im Straßenverkehr" (betreut von Prof. Dr.
Rainer Guski, Kogni-tions- und Umweltpsychologie, Fakultät
für Psychologie der RUB) wurde jetzt mit dem  "Preis an
Studierende 1999" ausgezeichnet.

Forschungsansatz

Als Ausgangspunkt des Forschungsprojektes dienten die
Ursachen von Verkehrsunfällen, an denen Kinder häufig
beteiligt sind. Die Bochumer Psychologen untersuchten unter
verschiedenen methodischen Aspekten zunächst sowohl die
infrastrukturellen Gegebenheiten in Krefeld, als auch das
Verkehrsverhalten der Kinder selbst. Gegenstand der
Diplomarbeit war die Untersuchung der Mobilitätsgewohnheiten
der Kinder. Da einige mehr als andere selbstständig
unterwegs sind, stand die Analyse des sogenannten Homerange
(Aktionsradius) der Kinder im Mittelpunkt der Arbeit.

Lange Schulwege

Für die Untersuchung zeichneten 102 Krefelder Kinder
unterschiedlicher Altersgruppen die von ihnen regelmäßig
benutzten Wege zur Schule und in der Freizeit mit farbigen
Strichen und Punkten in Stadtpläne ein. Außerdem füllte
jedes Kind einen Fragebogen zu seinen Erfahrungen im
Straßenverkehr aus. Anhand dieser Daten wurde dann die
Situation analysiert. Heraus kam, dass bereits 51 Prozent
der Grundschulkinder einen Schulweg von durchschnittlich 713
m zurücklegen und dabei häufig gefahrenträchtige
Hauptverkehrsstraßen queren müssen. Beim Wechsel auf eine
weiterführende Schule sind es sogar 90 Prozent der Kinder,
die sich stadtteilübergreifend bewegen müssen. Die Länge des
Schulwegs wächst auf durchschnittlich 2,5 Km an. Auch die
regelmäßig mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken
verlängern sich mit dem Schulwechsel um das 2,5-fache. Als
problematisch erwies sich dabei, dass Querungshilfen an
Hauptstraßen fehlen und die Verkehrserziehung an
weiterführenden Schulen praktisch nicht mehr stattfindet,
obwohl sie gerade hier notwendig wäre.

Verkehrsunterricht auch auf weiterführenden Schulen
notwendig

Aus den Untersuchungen folgerten die Bochumer
Wissenschaftler sowohl bauliche als auch pädagogische
Maßnahmenvorschläge. Die Verkehrsplanung muss Kinder in
Zukunft mehr berücksichtigen: Mehr Querungsmöglichkeiten an
Hauptverkehrsstraßen, Straßenkreuzungen und Ampelanlagen
müssen Kinderfreundlicher werden, Schulrad-wegpläne, die
einen sicheren Weg zur Schule bieten und keine langen Reihen
parkender Autos, die den Kindern die Sicht nehmen und
verhindern, dass Autofahrer die Kinder rechtzeitig sehen.
Aus pädagogischer Sicht darf der Verkehrsunterricht nach der
Grundschule nicht aufhören, sondern muss an den
weiterführenden Schulen weiter ausgebaut werden. Aufgrund
der Untersu-chungsergebnisse schlug der Bochumer
Wissenschaftler insbesondere Fahrradtrainings vor. Der Rat
der Stadt Krefeld berät zur Zeit die vorgeschlagenen
Maßnahmen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Rainer Guski, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät
für Psychologie, Kognitions- und Umweltpsychologie, 44780
Bochum, Tel.:0234/ 32-22670, Fax: 0234/32-14308, E-Mail:
Rainer.Guski@ruhr-uni-bochum.de
Sebastian Poschadel, Tel. 0231/8631332



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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