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(00028) 27.01.2000 14:32

Kontroverses im Kampf um den Schwarzen Hautkrebs


Bochum, 27.01.2000
Nr. 28

Im Kampf gegen den Schwarzen Hautkrebs
Interferone: Zwischen Wirkung und Wirtschaft
RUB-Tagung zu einem äußerst umstrittenen Thema


Kontroverse Studien und wirtschaftliche Interessen - woran
sollen sich Patienten halten? Kann das Gesundheitssystem auf
Dauer die Kosten tragen, wenn man bedenkt, dass sich die
Hautkrebsrate alle 10 Jahre verdoppelt? Eine Antwort suchen
Experten in einer hochrangig besetzten Tagung in Bochum:
"Adjuvante Therapie des malignen Melanoms - Quo Vadis?" (29.
Januar 2000, 9-13 Uhr, Kongresszentrum Gastronomie im
Stadtpark, Klinikstr. 41-45, 44791 Bochum). Auf Einladung
von Prof. Dr. Peter Altmeyer, Dr. Klaus Hoffmann und Prof.
Dr. Norbert Brockmeyer (Dermatologische Klinik im St.
Josef-Hospital Bochum  - Klinikum der Ruhr-Universität
Bochum) stellen Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich
und den USA ihre aktuellen Studien vor und debattieren auf
einer Podiumsdiskussion über die "Kontroverse Studienlage -
Umsetzungsvorschläge für die Praxis". Die Medien sind
herzlich willkommen.

Mit Früherkennung viel Geld sparen

Hautkrebse sind die häufigsten und bösartigsten
Krebserkrankungen des Menschen. Natürlich bietet
Früherkennung des Schwarzen Hautkrebses (maligne Melanom)
die besten Heilungschancen: Ist dieser früh erkannt und
herausgeschnitten worden, kann der Patient beruhigt nach
Hause entlassen werden. Deswegen fordern die Bochumer
Dermatologen, die sich seit Jahren mit großen Erfolgen für
ein Hautkrebsscreening einsetzen, dass in das
Sozialgesetzbuch Hautkrebsvorsorguntersuchungen aufgenommen
und von den Krankenkassen auch bezahlt werden. In diesem
Zusammenhang bemängeln die Bochumer Ärzte, dass für die
Gesamtheit aller Präventionsmaßnahmen für alle Krankheiten
in Deutschland nur jährlich 5,- DM pro Patient zur Verfügung
stehen; gerade beim Hautkrebs könnte man mit der Prävention
sehr viel Geld sparen.

Wenn der Krebs spät erkannt wird 

Wenn aber der Tumor bereits eine Dicke von nur 1 Millimeter
erreicht hat, bei der er Metastasen entwickelt, stehen die
Ärzte vor einer äußerst schwierigen Situation: Nach der
Operation müssen sie mit Interferon therapieren - einer
körpereigenen Substanz, deren künstliche Herstellung extrem
teuer ist. Nach Ansicht der meisten Experten wirkt
Interferon nur hochdosiert; dann aber kostet die Therapie
bis zehn Mal (ca. 100.000 DM/Jahr) mehr als niedrig dosiert,
ein Vorgehen, das andere Experten nicht nur wegen der
Kosten, sondern auch wegen der erheblichen Nebenwirkungen in
Frage stellen. 

Ärzte und Patienten in der Zwickmühle

Interferone stimulieren das Immunsystem des Menschen, so
dass die Immunzellen die Tumorzellen bekämpfen und abtöten
können. Interferon wirkt aber auch direkt gegen Tumorzellen
und zerstört sie. Leider ist die künstliche Herstellung
dieser Substanz sehr teuer. Daher gibt es aus finanziellen
Erwägungen das Interesse, die Therapie mit so einem
Medikament zu beschneiden, wenn nicht dessen Wirksamkeit
100%ig belegt ist. 

Nur hochdosiert wirkungsvoll?

Es gibt viele Untersuchungen zur Therapie des malignen
Melanoms in fortgeschrittenem Stadium mit Interferon. In
diesen Studien wurde das Interferon teils sehr niedrig
dosiert (3 Mill. Einheiten/qm Körperoberfläche) oder aber
hochdosiert mit 20 Mill. Einheiten/qm Oberfläche
verabreicht. Bei der Hochdosistherapie leidet der Patient
nicht nur vermehrt unter teilweise sehr starken
Nebenwirkungen (Fieber, Leberwertveränderungen), außerdem
ist diese Therapie erheblich teuerer als eine niedrig
dosierte Therapie. Damit prallen Interessen aufeinander,
welche Therapie durchgeführt werden soll. Bisher hat
allerdings nur die hochdosierte Interferontherapie bei
Patienten mit Hochrisikomelanomen zu einer
Lebensverlängerung der Patienten geführt. Alle anderen
Therapieoptionen haben nur die Zeitspanne verlängert, in der
keine neuen Tumore (Metastasen) aufgetreten sind. Die
Gesamtüberlebenszeit wurde jedoch nicht beeinflußt. Der
Vorteil der Hochdosistherapie wird jedoch von den
Befürwortern einer niedrig dosierten Interferontherapie in
Frage gestellt. 

Patienten brauchen Sicherheit

Das nordrhein-westfälische Hautkrebszentrum an der RUB hat
sich deshalb zum Ziel gesetzt, in dieser für alle Patienten
und Therapeuten unbefriedigenden Situation durch das
Symposium "Adjuvante Therapie des malignen Melanoms - Quo
vadis?" mit den ausgewiesenen internationalen Experten für
die Behandlung des malignen Melanoms einen klaren Blick für
die therapeutischen Möglichkeiten und Indikationen in den
zur Zeit bestehenden Nebel der Spekulationen zu schaffen.
Dazu dient insbesondere die Podiumsdiskussion über:
"Kontroverse Stu-dienlage, Umsetzungsvorschläge für die
Praxis" (Moderation: Prof. Brockmeyer). Die Bochumer
Wissenschaftler erwarten von dieser Tagung eine Klärung der
Frage, mit welchen Interferondosen Patienten mit weit
fortgeschrittenen Melanomen behandelt werden sollen. Für die
Patienten wollen sie die Frage klären, welche Hoffnungen
dürfen sie an eine solche Therapie knüpfen und welche
Erfolge stehen den sicherlich bei einer Hochdosistherapie zu
erwartenden Nebenwirkungen gegenüber, auf alle Fälle aber
eine klare Aussage, dass sich der Kampf der Patienten gegen
diesen Tumor immer lohnt, wenn er auch im Einzelfall recht
schwierig ist, und dass für diesen Bereich unbedingt die für
eine solch teure Therapie notwendigen Mittel zur Verfügung
gestellt werden, damit Krankenhäuser wie die Dermatologische
Klinik der Ruhr-Universität Bochum weiterhin solche
Therapien durchführen können. 

Andere Therapien

Die Interferontherapie ist nicht die einzige teure Therapie
bei Melanompatienten. So setzen die Bochumer Dermatologen
auch andere Medikamente ein wie Inter-leukine oder aber auch
Impfungen gegen Melanomzellen, um das Immunsystem zu
stärken, so dass Tumorzellen abgetötet werden, und
neuerdings aus eine Ganzkörper-Hyperthermiebehandlung. Dies
sind neue innovative Therapieansätze, die sehr viel Geld
kosten. Dieses muss von den Trägern des Gesund-heitssystems
zur Verfügung gestellt werden. 

Weitere Informationen

Prof. Dr. Peter Altmeyer, Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Dr.
Klaus Hoffmann, Dermatologische Klinik im St. Josef Hospital
Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Gudrunstr. 56,
44791 Bochum, Tel. 0234/509-1, Fax: 0234/509-3445, E-Mail:
K.Hoffmann@derma.de oder N.Brockmeyer@derma.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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