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(00021) 20.01.2000 14:40

Vernunft des Glaubens außerhalb von Theologie und Kirche


Bochum, 20.01.2000
Nr. 22

Neue Sichtweise in der Fundamentaltheologie
DFG fördert herausragende RUB-Veröffentlichung
Vernunft des Glaubens außerhalb von Theologie und Kirche


Mit einer Beihilfe von knapp 10.000 DM fördert die DFG
(Deutsche Forschungsgemeinschaft) die Veröffentlichung der
Dissertation "Evangelische Fundamentaltheologie als
responsive Rationalität", die Dr. Peter Dabrock am Lehrstuhl
für Systematische Theologie/Ethik (Prof. Dr. Christofer
Frey, Evangelisch-Theologische Fakultät der RUB) geschrieben
hat. Er versucht darin, die Rationalität des Glaubens
außerhalb von Theologie und Kirche zu erweisen. Die
DFG-Förderung würdigt ungewöhnliche Leistungen, die als
Forschungsbeiträge den Erkenntnisstand entscheidend
erweitern. Die Studie wird Mitte nächsten Jahres erscheinen. 

Neue Herangehensweise eröffnet Perspektiven

"... seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann,
der nach dem Logos der Hoffnung, die in euch ist, fragt"
wird den Gläubigen in der Bibel ans Herz gelegt (1 Petr
3,15). Den eigenen Glauben vernünftig zu begründen fällt
jedoch schwer. Gegenwärtige fundamentaltheologische Entwürfe
sind sich dieses Problems zwar bewusst, greifen aber zu
kurz, weil sie die Konflikte der Glaubensverantwortung im
Fadenkreuz der beiden Grunddifferenzen "Gott-Mensch" und
"Kirche-Welt" nicht ausreichend bedenken. Um die
Sensibilität für diese Differenzen zu fördern, bedient sich
Peter Dabrock für seine Studie des Konzepts der antwortenden
Rationalität, das der Bochumer Sozialphänomenologe Bernhard
Waldenfels entwickelt hat. Dieser Ansatz stellt den "blinden
Fleck" einer jeden Ordnung heraus: Keine metaphysische
Grundordnung oder deren moderne Entsprechung, die
regelorien-tierte Grundordnung, keine Funktions- oder
undurchdachte Normalordnung kann die Regionalität ihrer
eigenen Ansprüche leugnen. Jede Ordnung und Verantwortung
ist als Antwort auf einen unhintergehbaren Anspruch zu
verstehen. Durch diese Grundannahme kann Waldenfels
Ordnungen auf das ihnen Außerordentliche ansprechen und so
ihre Grenzen herausstellen. Der Ansatz lehrt, das Eigene in
Beziehung auf das Fremde zu begreifen und andere, fremde
Systeme als Herausforderungen an das eigene System
aufzufassen. 

Von göttlichem Anspruch und menschlichen Mühen

Für die Fundamentaltheologen heißt das, dass sie immer die
Differenz zwischen dem geglaubten Anspruch des Worts Gottes
und allen menschlichen Versuchen, ihm zu entsprechen, im
Auge behalten müssen. In der Würdigung der Differenz von
göttlichem Anspruch und menschlicher Antwort findet die
Theologie einen hinreichenden Grund rationaler
Glaubensverantwortung. Ablesen kann man diese Differenz an
der großen Fülle biblischer Geschichten. Peter Dabrock
blickt über die Grenzen der eigenen Konfession hinweg und
ermöglicht eine interkonfessionelle Diskussion mit der
katholischen Theologie. Auch Gespräche mit anderen
Disziplinen, z. B. der Philosophie bieten sich auf der Basis
seiner Untersuchungen an. Zugleich gelingt ihm in seiner
Arbeit als erstem eine systematische Darstellung des
umfangreichen Werks Bernhard Waldenfels'. 

Weitere Informationen

Dr. Peter Dabrock, Evangelisch-Theologische Fakultät der
Ruhr-Universität, 44780 Bochum,. Tel. 0234/32-24799 oder
-28506, Fax: 0234/32-14-722, email:
peter.dabrock@ruhr-uni-bochum.de

Titelaufnahme

Peter Dabrock: Antwortender Glaube und Vernunft. Zum Ansatz
evangelischer Fundamentaltheologie (=Forum Systematik.
Beiträge zur Dogmatik, Ethik und ökumenischer Theologie, Bd.
5) Kohlhammer Verlag Stuttgart 2000, ISBN 3-17-016320-5



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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