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(00312) 03.12.1999 14:04

RUBIN: Geburtsjahr Jesu ist nicht zu ermitteln


Bochum, 03.12.1999
Nr. 303

Sylvester 2000 - eine Ente
Theologen: Geburtsjahr Jesu ist nicht zu ermitteln
Ungenaue Überlieferung verfälschte die Berechnungen


Am Kalender scheiden sich seit Jahrhunderten die Geister:
Gelehrte verschiedener Religionen versuchten, Quellen und
Interessen zu verbinden, Mond- und Sonnenkalender bei der
Berechnung der Feste in Einklang zu bringen und wurden bei
ihren Bemühungen von ungenauen Überlieferungen aufs Glatteis
geführt. RUB-Theologen um Prof. Dr. Wilhelm Geerlings haben
sich auf die Spur der heutigen Zeitrechnung begeben und
detektivisch ihre Entstehung aufgedeckt.

Evangelien widersprechen sich

Vor 2000 Jahren wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria
unter dem Stern von Bethlehem in einem Stall geboren, und
Weihnachten ist sein Geburtstag. Soweit die
Kindergartenversion. Leider ist die Zeitrechnung nicht
wirklich so einfach zu erklären. Zuerst richteten die
Christen Ostern nach ihrem eigenen Sonnenkalender und dem
Mondkalender der Juden aus, da die Feiertage mit dem
Passahfest in Verbindung standen. Seit dem Jahr 526 dann
richtete man sich lieber nach dem Geburtsjahr des Heilands,
das in den Schriften der Evangelisten Matthäus und Lukas
erwähnt wird, aber es gibt Probleme: Die Evangelien liefern
keine genauen Daten und widersprechen sich außerdem, z. B.
soll Jesus einmal nach der Festnahme Johannes des Täufers,
einmal gleichzeitig mit ihm gewirkt haben. Beide Texte
bezeugen, dass Jesus unter der Herrschaft des Herodes
geboren ist, der allerdings schon 4 v. Chr. starb. 

Stern über Bethlehem - Komet, Mythos oder
Saturn-Konstellation

Die Forschung verlegt sich also auf andere Methoden: Die
Sternkunde z. B. bietet vielversprechende Möglichkeiten der
Zeitbestimmung: Der Stern von Bethlehem könn-te ein
astronomisches Phänomen gewesen sein, das sich nachträglich
berechnen lässt. Aber: Möglicherweise war der Stern bis zu
zwei Jahre lang sichtbar. Vielleicht ist er auch nur einer
von vielen Wundersternen, deren Existenz historisch nicht
belegbar ist. Oder es war gar kein Stern, sondern ein Komet,
den chinesische Astronomen um diese Zeit gesehen haben. Ein
weiterer Anhaltspunkt der Theologen ist die in der Bibel
erwähnte Volkszählung bei Jesus' Geburt. Außerchristliche
Quellen wissen allerdings nichts davon. Sollte es trotzdem
wahr sein, dass der Statthalter Quirinius die Zählung
angeordnet hat, ergibt sich wieder ein Problem: Seine
Regentschaft begann erst zehn Jahre nach dem Tod des
Herodes, zu dessen Lebzeiten Jesus geboren sein soll. Mit
großer Wahrscheinlichkeit ist Christi Geburtstag schon vier
Jahre vor unserer Zeitrechnung - wir müssen uns also damit
abfinden, dass wir wahrscheinlich das große Fest verpasst
haben.

Außerdem in RUBIN 2/99

Den vollständigen Beitrag lesen Sie bitte in RUBIN 2/99, wo
Sie außerdem folgende Themen finden: Gegen Tumore impfen?;
Vom sanften Aufprall: Elektronik ersetzt Nockenwelle; Pech
gehabt! - Reststoffe aus der Straße in die Straße;
Garzweiler: Braunkohle und Feucht-gebiete; Reibungslos in
den Erdmantel, sowie zwei Beiträge aus der Chemie:
Hauchdünne Hüllen - leuchtende Schwämme; Selbstorganisiert
und doch durchschaut. Rubin ist erhältlich in der
Universitätsbuch-hand-lung Brockmeyer, sowie in der
Pressestelle zum Preis von 5 DM. Internet:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm


Weitere Informationen

Prof. Dr. Wilhelm Geerlings, Kath.-Theol. Fakultät der RUB,
44780 Bochum, Tel. 0234/32-24703, Fax: 0234/32-14-428


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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