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(00303) 01.12.1999 15:38

Neue DFG-Forschergruppe Imagination und Kultur


Bochum, 01.12.1999
Nr. 294

Was wäre, wenn ...
Neue DFG-Forschergruppe Imagination und Kultur
Fächerübergreifende Forschung rund um die Phantasie


Das Verhältnis zwischen Imagination und Kultur ist Thema
einer  neuen DFG-Forschergruppe, die der Ruhr-Universität
Bochum unlängst genehmigt worden ist: Elf Wissenschaftler
aus der Philosophie, Theologie, Germanistik, Romanistik,
Kunst-wissenschaft, Anglistik und Geschichte der Medizin
(Sprecher: Prof. Dr. Rudolf Behrens) haben sich
zusammengeschlossen, um das historisch unterschiedliche
Funktionieren der Imagination seit der Antike zu erforschen
und besonders die Diskurse zu berücksichtigen, die bisher
außerhalb der Forschung geblieben sind. Die DFG fördert die
Forschergruppe mit jährlich  knapp 900.000 DM  in den
nächsten drei Jahren.

Imagination: Zwischen Genie und Wahnsinn

Imagination - das meint Vorstellungskraft, Einbildung und
Phantasie, aber auch Erinnerung. Sie ermöglicht uns
einerseits, uns Vergangenes als Bild zu vergegenwärtigen und
andererseits, uns ganz Neues vorzustellen und auszudenken.
Sie ist zwar die Kraft par excellence des Künstlers, wird
aber zugleich gemieden, weil sie im Verdacht steht, Irrtum
oder gar Wahnvorstellungen hervorzubringen. Im Laufe der
Jahrhunderte ist sie dementsprechend unterschiedlich
verstanden und bewertet worden: Die ideen- und
begriffsgeschichtliche Forschung, die sich vor allem auf
theoretische Texte stützt, hat zumeist die Entwicklung einer
langsamen Befreiungsbewegung festgestellt: Von der Nähe zum
Irrtum in der Antike zieht sich die Linie zu einer
euphorischen Aufwertung im 18. und 19. Jahrhundert.

Imagination prägt Wirklichkeit, Wirklichkeit prägt
Imagination

Imagination kann man aber auch als eine die Realität
herstellende Fähigkeit des Menschen verstehen: Sie gilt dann
als ein Vermögen, das die soziale und kulturelle
Wirklichkeit strukturiert und prägt. Sie ist beteiligt an
Symbolen, Zeichen und Visionen und beeinflusst umgekehrt die
Wahrnehmung der gegebenen Welt. Zwischen Wirklichkeit und
Imagination besteht also eine wechselseitige Beziehung. Die
Wissenschaftler widmen sich diesem Verhältnis: Anhand von
Texten, die bisher eher am Rande der Forschung standen, z.
B. moralistischen und fiktionalen Texten, medizinischen
Traktaten, Theater und Kunst, wollen sie die Funktion der
Einbildungskraft im Wandel der Zeit herausfinden. 

Drei Arbeitsbereiche von der Antike bis zur frühen Neuzeit

Die Forschung gliedert sich in drei Bereiche: Der erste
reicht von der Antike bis zur frühen Neuzeit. Die
Wissenschaftler beschäftigen sich hier vor allem mit der
Entstehung traditioneller Ima-gi-na-tionstheorien in der
Antike und ihrer Wiederaufnahme in der Renaissance. Sie
untersuchen das Thema aus sprachgeschichtli-cher,
wissenschaftstheoretischer und theoriegeschichtlicher
Perspektive. Der zweite Bereich betrifft das 18. und 19.
Jahrhundert: Die Frage gilt hier der Genese eines
anthropologischen Feldes, in der alle Varianten der
Imagination, inklusive Utopie, Wahn und Vision, ihren Platz
finden. Der dritte Bereich des 20. Jahrhunderts widmet sich
schließlich der Frage nach dem Verhältnis von Bild und
Sprache, der Darstellung des Möglichen und (noch) nicht
Wirklichen. Da geht es z. B. um das Thema: "Phantasie an die
Macht - Literatur und Popkultur nach 1968", und um die
"Rolle der Imagination in Psychoanalyse und
Phä-nomenologie". 

Ergebnisse zusammenfügen

Die Ergebnisse aus den elf Einzelprojekten sollen als Reihe
veröffentlicht werden. Außerdem ist geplant, aus den
Projekten eine Ringvorlesung zu erarbeiten, die
voraussichtlich im Sommer 2000 stattfinden wird. 

Weitere Informationen

 Prof. Dr. Rudolf Behrens, Romanische Philologie der RUB,
Tel. 0234/32-22631, Fax: 0234/32-14-239, Internet:
www.ruhr-uni-bochum.de/imagination


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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