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(00292) 24.11.1999 12:46

Verhaltenskodizes in der Bekleidungsindustrie


Bochum, 24.11.1999
Nr. 283


"Gezähmte Modemultis"
Verhaltenskodizes in der Bekleidungsindustrie
Eine kritische Bilanz, als Buch erschienen


Modern: Es gibt inzwischen kaum ein transnationales
Bekleidungsunternehmen, das sich keinen Kodex mit selbst
formulierten Ansprüchen an Arbeitsbedingungen gegeben hat.
Normenkataloge, in denen Firmen wie NIKE, Levi Strauss, Toys
R Us oder IKEA Verpflichtungen über Arbeits- und soziale
Bedingungen ihrer Produktion abgeben, sind weltweit in Mode
gekommen. Diese Kodizes, aber auch außerbetriebliche
Initiativen und Kampagnen, beleuchtet Dr. Bettina Musiolek
in dem unlängst erschienenen Buch "Gezähmte Modemultis.
Verhal-tens-kodizes: ein Modell zur Durchsetzung von
Arbeitsrechten? Eine kritische Bilanz" (Brandes & Apsel
Verlag, 208 S.). Die Herausgeberin legt damit ein Ergebnis
des an der RUB angesiedelten Forschungsprojekts
"Globalisierung und Strukturwandel der Frauenarbeit in der
Bekleidungsindustrie" vor (Fakultät für Sozialwissenschaft,
Sektion für Soziologie, Lehrstuhl für Frauen- und
Sozialstrukturforschung: Prof. Dr. Ilse Lenz). 

"Sauberes Image"

In der Bekleidungsbranche entdecken Firmen oder
Wirtschaftsverbände Verhal-tens-kodizes als Mittel der
Öffentlich-keitsarbeit und der Unternehmenskommu-nikation,
es kommt ihnen zunehmend auf das "saubere" Image an. Die
Verbraucher sind kritischer geworden, Initiativen wie die
europäische "Kampagne für saubere Kleidung" und die
nordamerikanische Anti-Sweatshop-Bewegung konnten bereits
Erfolge verbuchen. Neben jenen Corporate Codes der
Unternehmen gibt es Modellkodizes, die durch Gewerkschaften
und Nichtregierungs-organi-sationen entwickelt wurden, z. B.
die Clean Clothes Campaign (CCC). Diese unterschiedlichen
Formen von Verhaltens- und Verpflichtungserklärungen einer
ganzen Branche sind Gegenstand der kritischen Betrachtung
von Dr. Musiolek sowie zahlreichen Autorinnen und Autoren.

Verschiedene Perspektiven

Die Beiträge des Buches beschreiben, wie aus einem PR-Gag
von Modemultis eine neue Form gesellschaftlicher Aushandlung
sozialer Regeln entstehen kann und bereits entsteht. Aus
verschiedenen Blickwinkeln der Stakeholders - Beschäftigte,
Konfektionäre, Handelskonzerne, Gewerkschaften,
Nichtregierungsorganisationen - erörtern die Autorinnen und
Autoren, wie Verhaltenskodizes entwickelt, durchgesetzt und
kontrolliert werden. Und in welcher Beziehung die "Codes of
Conduct" als privates Regulierungsinstrument zum staatlichen
Regelwerk stehen.

Regionalstudien

Den Stand der Implementierung und die Wirkungen von
Verhaltenskodizes untersuchen die Beiträge anhand
verschiedener Regionalstudien: Nord- und Zentralamerika,
Asien sowie Osteuropa stehen dabei im Mittelpunkt der
Betrachtung. Das Buch enthält zudem einen Dokumentationsteil
mit Stellungnahmen von Unternehmensvertretern (Klaus
Steilmann, Jochen Jütte-Overmeyer/C&A), vom DGB (Burkhard
von Seggern) sowie Auszüge aus einem Modellkodex für die
Bekleidungsindustrie. 

Branchenübergreifend?

"Gezähmte Modemultis" versteht sich als Beitrag zum
aktuellen Diskurs über nationale und internationale
Möglichkeiten zur Regulierung des globalen Marktes - nicht
nur in der Bekleidungsundustrie. Auch in anderen Branchen
fordern Gewerkschaften und außerbetriebliche Initiativen
solche Verhaltenskodizes für Unternehmen, z. B. in der
Spielwaren- und der Öl-/Gasindustrie gegen unmenschliche
Produktionsbedingungen, in der Fischwirtschaft gegen die
Überfischung der Meere oder für den Holzhandel gegen den
Kahlschlag von Tropenholz.


Titelaufnahme

Bettina Musiolek (Hrsg.): "Gezähmte Modemultis.
Verhaltenskodizes: ein Modell zur Durchsetzung von
Arbeitsrechten? Eine kritische Bilanz", Brandes & Apsel
Verlag GmbH, Frankfurt a. M., 208 S., DM 29,80, ISBN
3-86099-185X 

Weitere Informationen
Dr. Bettina Musiolek, Tel./Fax: 02103/63375


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
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