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(00276) 10.11.1999 15:21

Fremdsprachenforscher empfehlen breitere Basis


Bochum, 10.11.1999
Nr. 267

Englisch allein reicht nicht
Frühe Begegnung mit Fremdsprachen fördern
Fremdsprachenforscher empfehlen breitere Basis


Auf ihrer letzten Tagung hat kürzlich die Deutsche
Gesellschaft für Fremdsprachenforschung (DGFF) über Konzepte
zur Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität  diskutiert. Die
intensiv geführten Fachdiskussionen konzentrierten sich auch
auf die Frage: "Wie kann Mehrsprachigkeit bereits auf der
Primarstufe vorbereitet werden?" Vor diesem Hintergrund
haben die Fremdsprachenforscher eine Resolution
verabschiedet und Prof. Dr. K.-Richard Bausch
(Sprachlehrforschung, Fakultät für Philologie der RUB)
beauftragt, sie zu verbreiten. 

Text der Resolution:

"Durch seinen Erlass zur ,Begegnung mit Sprachen' hat
Nordrhein-Westfalen im Jahr 1992 den Weg eröffnet,
Grundschüler für Mehrsprachigkeit zu sensibilisieren, das
Interesse an Fremdsprachen zu wecken und somit auf ein
lebenslanges Fremdsprachenlernen vorzubereiten. Die frühe
,Begegnung mit Sprachen' ist eine wichtige Maßnahme, um
Mehrsprachigkeit in Europa zu erhalten bzw. zu fördern und
damit in der Erziehung eine Grundlage zum gegenseitigen
Verstehen, zur guten europäischen Nachbarschaft sowie zu
gegenseitiger Toleranz zu schaffen.

Da es Pläne gibt, als frühbeginnende Fremdsprache nur noch
Englisch anstelle der ,Begegnung mit Sprachen' zuzulassen,
möchten wir als Fremdsprachenforscher nachdrücklich davor
warnen, ein solches Konzept einzuführen, weil dadurch
Mehrsprachigkeit und nachbarsprachliche Begegnung behindert
werden.
Der wichtigste Grund hierfür ist.

· Die ausschließliche Vorbereitung auf grenzüberschreitende
Kontakte auf der Grundlage der internationalen
Verkehrssprache Englisch hat einen doppelten Effekt: Die
deutschen Schülerinnen und Schüler lernen nicht mehr die
Nachbarsprachen, und die Nachbarschülerinnen und -schüler
lernen nicht mehr Deutsch. Die konkrete Begegnung mit
unseren europäischen Nachbarn sollte deshalb über die
Einführung der Nachbarsprachen und nicht über das Englische
gesichert werden.

Wir empfehlen vor diesem Hintergrund im Sinne einer
europäischen Sprachenpolitik, die sich den Erhalt und
insbesondere die schulische Förderung von Mehrsprachigkeit
zum Ziel setzt:

· Eine Nachbarsprache, welche den Zugang zur Kultur der
europäischen Nachbarn ermöglicht, sollte bereits auf der
Primarstufe angeboten werden. Für Nordrhein-Westfalen sind
das sie Nachbarsprachen Französisch und Niederländisch.

· Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung eines
solchen Konzepts ist die Bereitstellung einer systematischen
Ausbildung der Sprach- und Sprachlehrkompetenz von
Primarstufenlehrerinnen und -lehrern.

Fazit:	Wenn das Ziel der Erziehung zu Mehrsprachigkeit (und
nicht nur zur bloßen Zweisprachigkeit) ernsthaft verfolgt
werden soll, dann darf Englisch nicht als alleinige
Fremdsprache auf der Primarstufe eingeführt werden."

Weitere Informationen

Prof. Dr. K.-Richard Bausch, Ruhr-Universität Bochum,
Fakultät für Philologie, Seminar für Sprachlehrforschung,
44780 Bochum, Tel.: 0234/32-25182, Fax: 32-14138, E-Mail:
Karl-Richard.Bausch@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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