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(00253) 21.10.1999 14:10

Dem Geheimnis glücklicher Paare auf der Spur


Bochum, 21.10.1999
Nr. 244

Dem Geheimnis glücklicher Paare auf der Spur
RUB-Psychologin untersucht Beziehungsalltag  
Zwischen Kosten-Nutzen-Frage und Gerechtigkeit


Wo die Liebe hinfällt ... da ist noch lange nicht immer
eitel Sonnenschein. Die Suche nach dem Geheimnis glücklicher
Paare, hat schon viele Forscher beschäftigt, und jeder hat
seine eigene Theorie dazu entwickelt, wovon zufriedene
Partnerschaften abhängen. In ihrer Dissertation
"Gerechtigkeitserleben und Erwartungserfüllung in
Partnerschaften" (betreut von Prof. Dr. Hans-Werner
Bierhoff, Fakultät für Psychologie der RUB) verbindet Dr.
Elke Rohmann erstmals die wichtigsten Theorien miteinander.
Überraschende Ergebnisse lieferte vor allem eine
Ergänzungsstudie zur Verteilung von Hausarbeit zwischen
Männern und Frauen, bei der die Verletzung von Erwartungen
keinen negativen Einfluss auf die Qualität der Beziehung
hat.

Liebe als Rechenaufgabe

Um das Rätsel der glücklichen Partnerschaft zu lösen hat
sich die Wissenschaft romantische Vorstellungen erst einmal
aus dem Kopf geschlagen: Sozialpsy-cho-logen betrachten die
Liebe als eine Rechenaufgabe, eine Beziehung ist ein
Austausch von Investition und Gewinn. Die einen glauben, das
wichtigste Kriterium für Zufriedenheit sei ein gutes
Kosten-Nutzen-Verhältnis für den einzelnen Partner, die
anderen glauben, dass glücklich ist, wer kriegt was er meint
zu verdienen. Elke Rohmann verbindet diese beiden Ansätze
und bezieht außerdem Bindungsstile, die schon in früher
Kindheit und von Lebenserfahrung geprägt sind, mit in ihre
Untersuchung ein. 

Emotionale Investitionen zahlen sich aus 

Dafür führte die Psychologin drei Studien durch. 387
Personen jeden Alters beantworteten Fragen zu ihren
Partnerschaften: Dabei ging es um personenbezogene Beiträge
des Partners, z. B. sein Aussehen und sein sozialer Status,
um emotionale Beiträge wie die Wärme des Partners, und um
alltägliche Beiträge, z. B. gutes Auskommen miteinander.
Außerdem gaben die Befragten an, wie zufrieden sie sind und
ob sie glauben, dass ihre Partnerschaft noch lange andauern
wird. Durch spezielle Fragen wurde der Bindungsstil der
Befragten ermittelt. Nachdem die Forscherin alle Fragebögen
ausgewertet hatte, setzte sie die Einzelergebnisse
zueinander in Beziehung. Dabei stellte sie fest, dass noch
lange nicht alle Beiträge zur Partnerschaft denselben
Einfluss auf ihre Qualität haben. Am meisten wird eine
Beziehung durch die Aspekte bestimmt, die direkt umgesetzt
werden, und von denen der Partner profitiert, z. B. die
Wärme. Andere Qualitäten, die nur für die Person selbst
Vorteile bringen, etwa ihr Aussehen und ihr Sozialstatus,
haben nicht so großen Einfluss. Diese Unterscheidung trifft
auch auf die Bedeutung der Erwartungserfüllung zu.
Nachweislich steht sie in Zusammenhang mit der Zufriedenheit
und dem Gefühl der Sicherheit in einer Partnerschaft.
Bedeutungsvoll ist aber nur die Erfüllung der
Wärme-Erwartung. Die Erwartungserfüllung und das
Gerechtigkeitserleben beeinflussen die Qualität der
Beziehung unabhängig voneinander. 

Altertümliche Rollenverteilung

Eine Überraschung erlebte Elke Rohmann bei der Auswertung
eines Zusatzfrage-bogens, in dem die Erwartung und
Gerechtigkeit bei der Hausarbeit erfragt wurden: Hier zeigt
sich ein deutlicher Unterschied zu den anderen Angaben.
Frauen erwarten, dass sie in einer Beziehung mehr Hausarbeit
leisten müssen als der Mann. Männer haben nichts dagegen:
Sie erwarten dasselbe, nämlich dass die Frau mehr tut als
sie. Diese Erwartungen werden nicht nur erfüllt sondern in
zwölf von 21 erwähnten Tätigkeiten, z. B. bei Kochen,
Waschen, Betten machen, Aufräumen, sogar übertroffen. Auch
in Beziehungen, in denen die Frau vollzeitbeschäftigt ist,
ist das nicht anders. Man könnte annehmen, dass wenigstens
die Frauen das als einen Nachteil ihrer Beziehung werten,
aber weit gefehlt: Im Gegensatz zu anderen Erwartungen an
eine Partnerschaft hat die Erwartungsver-letzung bei der
Hausarbeit keinen negativen Einfluss auf die
Beziehungsqualität.

Weitere Informationen

Dr. Elke Rohmann, Fakultät für Psychologie der RUB,
Universitätsstr. 150, 44801 Bochum, Tel. 0234/32-23747, Fax:
0234/32-14-110, email: Elke.H.Rohmann@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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