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(00251) 20.10.1999 14:36

Strafvollzug: Abschreckung statt Resozialisierung im Trend


Bochum, 20.10.1999
Nr. 242

Image von Gefängnissen stark ramponiert
Abschreckung statt Resozialisierung im Trend
Bochumer Langzeitstudie zur Einstellung der Bevölkerung


Resozialisierung ist für nur noch rund 41,3 % der
Bevölkerung in Bochum die primäre Aufgabe der
Strafvollzuges; 1975 sahen immerhin 61,2 % darin das erste
Ziel, 1987 stimmten noch 47,5 % dem zu. Nach einer
repräsentativen Langzeitstudie von Prof. Dr. Hans-Dieter
Schwind und seinen Mitarbeitern (Lehrstuhl für Kriminologie
und Strafvollzug, Juristische Fakultät der RUB) hat sich die
Einstellung der Bevölkerung zu den Zielen des Strafvollzuges
in den letzten 24 Jahren deutlich verändert. Je weniger
Menschen der Resozialisierung das Wort reden, desto mehr
sehen in der Sühne bzw. Vergeltung und Abschreckung den
Zweck der Gefängnisstrafe. Die Studie wurde von der
VW-Stiftung unterstützt und dem Bochumer Verein für
Rechtswissenschaft gefördert. 

Medienberichte beeinflussen Image

Nach einer Reihe von Gefängnisskandalen und Ausbrüchen aus
dem Vollzug, über die die Medien prominent und spektakulär
berichtet haben, ist das Image des Strafvollzuges zum
erheblichen Teil ramponiert worden. So ist insbesondere die
euphorische Einstellung zur Resozialisierung bei solchen
Randgruppen abgeebbt, die in den 70er Jahren einen
deutlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung ausübten.
Insoweit wertet Prof. Schwind es als eher erstaunlich, dass
der Resozialisierungsgedanke noch immer von immerhin vier
Zehnteln der Bevölkerung als richtige Leitlinie des Vollzugs
anerkannt wird. 

Frauen wollen resozialisieren, Rentner eher abschrecken

Dabei fällt auf, dass z.B. Frauen (43,4 %) die
Resozialisierung stärker als Männer (39,0 %) befürworten,
ebenso jüngere Menschen - unter 26jährige (48,3 %) - eher
als Rentner (32,3 %), Abiturienten (47,1 %) eher als
Hauptschüler (36,6 %), leitende Angestellte und Beamte (49,5
%) eher als Facharbeiter und Handwerker (35,3 %). Je mehr
die positive Einstellung der Bevölkerung zur
Resozialisierung abnahm, desto mehr stieg die entsprechende
Zahl der Befürworter der Vollzugsziele der Sühne (bzw.
Vergeltung): von 11,8 % (1975) über 18,1 % (1987) auf 22,8 %
(1999); die Zahl der Befürworter der Abschreckung im
Freiheitsentzug von 14,2 % (1975) über 26,8 % (1987) auf
33,8 % (1999).

Drogenabhängige erschweren Strafvollzug

Prof. Schwind weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin,
dass die Tätigkeit im Strafvollzug für die dort wirkenden
Mitarbeiter deutlich schwerer geworden sei, weil sich die
Klientel seit Inkrafttreten des Strafvollzugsgesetzes
erheblich geändert hat. 20 bis 30 % der einsitzenden
Straftäter sind heute von harten Drogen abhängig, und der
Ausländeranteil, der schon aus Sprachgründen oft die
Resozialisierung erschwert, ist auf rund 30 % gestiegen; im
Jugendstrafvollzug liegt er sogar bei 40 %.

Zwei Tabellen mit Detailergebnissen sind als Anlage
beigefügt.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind, Ruhr-Universität Bochum,
Juristische Fakultät, Tel. 0234/32-25245, E-Mail:
ls.schwind@jura.ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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Strafzwecke2.doc

Strafzwecke1.doc


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