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(00192) 31.08.1999 13:47

Kinder im Straßenverkehr besser schützen


Bochum, 31.08.1999
Nr. 186

Runter mit der Geschwindigkeit
Kinder im Straßenverkehr besser schützen
RUB-Verkehrswissenschaftler mit Präventionsvorschlägen


Überhöhte Geschwindigkeit von Autofahrern und
sichtbehinderndes Parken sind die maßgeblichen Gründe dafür,
dass sich die Stadt Krefeld trotz aller Bemühungen in den
Statistiken der Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung in NRW
seit Jahren auf den traurigen unteren Rängen wiederfindet.
Nach Abschluss des Projekts "Reduzierung von Unfällen mit
Kinderbeteiligung in der Stadt Krefeld", das der Lehrstuhl
für Verkehrswesen der RUB (Prof. Dr.-Ing. Werner Brilon) in
Zusammenarbeit mit dem Zentrum für umweltpsychologische
Studien, Beratung und Forschung GmbH Bochum (ZEUS)
durchführte, erstellten jetzt die Forscher einen
Maßnahmenkatalog für mehr Verkehrssicherheit. 

90 Prozent der Kinder verhalten sich richtig

Den typischen Kinderunfall gibt es in Krefeld nicht. Dennoch
lässt sich eine Reihe typischer Risiken ausmachen: Allein in
120 Fällen war die zu hohe Geschwindigkeit der Autos mit
Schuld am Unfall. Fast jeder zweite Unfall, der bei der
Überquerung einer Straße passierte, ging auf das Konto
Sichtbehinderung durch parkende Fahrzeuge. Zu 80 Prozent
trifft es hier die Kinder unter acht Jahren, die zumeist
noch kleiner sind als die Autos. Die Kinder selbst haben nur
selten Schuld: Über 90 Prozent von ihnen verhalten sich bei
der Straßenüberquerung genau richtig. Eine große
Erleichterung wären für sie Querungsanlagen wie z.B.
Mittelinseln, von denen es gerade an größeren Straßen zu
wenige gibt, die außerdem zu weit auseinander liegen und
schlecht sichtbar sind. Rad fahrende Kinder würden davon
profitieren, denn zwei Drittel der Radlerunfälle geschehen
an Kreuzungen. Hier sind vor allem Kinder ab 10 Jahren
betroffen, deren Verkehrsverhalten noch nicht einwandfrei
ist. 

Elektronische Unfallsteckkarte erleichtert die Übersicht

Die Grundlage der Studie bildeten die 799 Unfallprotokolle
der Jahre 1994 bis 1998, die die Krefelder Polizei zur
Verfügung gestellt hat. Anhand dieser Angaben und eines
Programms für geografische Informationssysteme (GIS)
erstellten die Experten eine elektronische Unfallsteckkarte:
Im Gegensatz zur klassischen Unfallsteckkarte, die nur über
Unfallort, -typ und -schwere Auskunft geben kann, erhielten
sie so eine Übersicht über weit mehr Daten, z. B. über das
Alter des beteiligten Kindes, die Art seiner Beteiligung und
den Verletzungsgrad. Zusätzlich zu diesen Untersuchungen
beobachteten die Wissenschaftler in Straßenbereichen, in
denen auffällig viele Unfälle geschehen, anhand von
Videoaufnahmen das Verhalten von Verkehrsteilnehmern über
einen ganzen Tag hinweg. Sie wollten so herausfinden, ob wie
und welche Verkehrsteilnehmer sich falsch verhalten, warum
sie das tun und wie man diese Fehler unterbinden kann.
Außerdem führten die Wissenschaftler
Geschwindigkeitsmessungen durch und untersuchten die
Schaltungen von Ampelanlagen.

Schilder allein reichen nicht aus

Als konkrete Unfallbekämpfungsmaßnahmen fordern die
Verkehrsexperten vor allem, dass die Fahrgeschwindigkeit der
Autos im gesamten Stadtgebiet gesenkt wird. Schilder allein
reichen dafür allerdings nicht. Erfolg versprechen z. B.
bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und häufige,
örtlich und zeitlich flexible Geschwindigkeitskontrollen.
Außerdem muß die Gefahr durch parkende Fahrzeuge entschärft
werden. Gegenmaßnahmen können hier eine konsequente
Überwachung des ruhenden Verkehrs, der Umbau von Kreuzungs-
und Einmündungsbereichen, die Aufstellung von Pollern und
die Leitung der Fahrzeuge in die - leider oft leerstehenden
- Parkhäuser der Stadt sein.  Außerdem fordern die
Wissenschaftler bessere Schulradwegenetze und eine
umfassende Verkehrserziehung auch an weiterführenden
Schulen, die auch die Eltern mit einbeziehen soll.

Weitere Informationen

Dr. Rainer Wiebusch-Wothge, Lehrstuhl für Verkehrswesen,
Fakultät für Bauingenieurwesen der RUB, Universitätsstr.
150, 44801 Bochum, Tel. 0234/700-7497, Fax:
0234/700-7094-151, email:
Rainer.Wiebusch-Wothge@ruhr-uni-bochum.de, Internet:
http://www.verkehr.bi.ruhr-uni-bochum.de/deutsch/krefeld.htm



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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