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(00180) 11.08.1999 14:45

Innovationen rund um die Kanalisationstechnik


Bochum, 11.08.1999
Nr. 174

Von rechteckigen Stahlbetonrohren und "Dickhäutern"
IKT: Innovationen rund um die Kanalisationstechnik
Neuartige Entwicklungen auf dem Prüfstand 


Es tut sich was in der Modernisierung von Kanalsystemen:
Während zurzeit beim Bau der vierten Elbtunnelröhre in
Hamburg ein vom Institut für Kana-lisationstechnik an der
Ruhr-Universität Bochum (IKT, Gelsenkirchen) erprobtes
Verfahren für den unterirdischen Vortrieb, die
vortriebsbegleitende Baugrunderkundung,  verwandt wird,
prüfen und entwickeln die IKT -Wissenschaftler längst auf
anderen Gebieten. So hat das IKT etwa ein neuartiges
Stahl-betonrohr mit Rechteckquerschnitt ent-wickelt, mit dem
Schäden beim unterirdischen Rohrvortrieb, wie sie bisher mit
rechteckigen Rohren aufgetreten sind, weitgehend vermeidbar
sind. Im Labor und auf einer LKW-Fahrstraße wurde außerdem
der Prototyp des neuen Rohr-"Dickhäuters" des Schalker
Vereins auf Herz und Nieren geprüft - und nach härtesten
Belastungstests für gut befunden.

Standhafte "PE-dick"-Umhüllung

Der neue "Dickhäuter" des Schalker Vereins (seit 01.07.99
Schalker Verein Rohrsysteme GmbH & Co. KG) ist ein duktiles
Gussrohr mit einer so genannten "PE-dick"-Umhüllung (PE =
Polyethylen). Es soll insbesondere in grobkörnigen Böden
eingesetzt werden, weil die Belastungen dabei besonders
stark sind. Bisher war es nötig, entweder den ungeeigneten
Boden gegen feinkörniges Material auszutauschen oder eine
Felsschutzmatte einzulegen, die das Rohr vor Punktlasten aus
dem grobkörnigen Untergrund schützen soll. Der Schalker
Verein kam auf die Idee, das Rohr selbst so auszustatten,
dass es sich ohne weitere Maßnahmen direkt im grobkörnigen
Verfüllmaterial einbetten lässt.

Extreme Tests im IKT

Das IKT hat den "Dickhäuter" mit der verstärkten, 6,5 mm
dicken PE-Beschichtung extremen Belastungstests unterzogen.
Im Labor wirkte zunächst durch einen hydraulischen Zylinder
die dynamische Last eines 60-Tonners auf das Rohr. Das
Ergebnis: Obwohl die Schlauchummantelung nach zwei Millionen
Lastwechseln bis zu zwei mm tiefe Eindrücke aufwies, war an
keiner Stelle eine verminderte Korrosionsschutzwirkung
feststellbar. Diese Laboruntersuchungen wurden ergänzt um
einen Versuch in einer LKW-Fahrstraße mit ca. 100.000
Lastwechseln, an denen ein hoher Anteil an 30- bis
40-Tonnern beteiligt war. Wiederum zeigten sich zwar
Eindruckspuren an der Umhüllung, die Korrosionsschutzschicht
war aber nirgendwo verletzt. Diese Rohrleitung, die ihr
eigenes Schutzsystem mitbringt, erübrigt bei grobkörnigen
Böden automatisch den Bodenaustausch, sie spart somit Arbeit
und Kosten.

Rechteckig ist wirtschaftlicher

Durch Schadenvermeidung wirtschaftlicher und
umweltfreundlicher Kanäle bauen - mit dem neuartigen
Stahlbetonrohr mit Rechteckquerschnitt ist das jetzt
möglich. Vom Umweltministerium NRW gefördert hat das IKT
einen Prototyp entwickelt. Die rechteckige Form des Rohres
bietet zahlreiche Vorteile gegenüber dem Kreisquerschnitt.
So kommt sie z. B. mit einer geringeren Überdeckungshöhe aus
bei Unterquerungen von Straßen, Flüssen oder Bahndämmen, und
kostspielige Doppel- oder Dreifachrohre lassen sich
vermeiden.

Entwicklung zur Praxisreife

Der Prototyp des Rohrs wurde im IKT im Maßstab 1:1 geprüft,
um seine Tragfähigkeit zu untersuchen und ein neu
entwickeltes Dichtungssystem zu testen. Dabei zeigte sich,
dass das IKT mit der Neukonstruktion einen erfolgreichen Weg
beschritten hat. Nun kommt es darauf an, den Prototyp
praxisreif zu machen. Unter Federfüh-rung des IKT soll daher
ein Konsortium von Baufimen, Fachverbänden, Rohrherstellern
und Kanalnetzbetreibern das Projekt fortführen.

Weitere Informationen

Institut für Kanalisationstechnik an der Ruhr-Universität
Bochum, IKT,  Postfach 100943, 45809 Gelsenkirchen, Tel.:
0209/17806-0, Fax: 0209/17806-88, eMail: info@ikt.de,
Internet: http://www.ikt.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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