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(00160) 01.07.1999 16:43

RUB gründet erstes Institut für Hypertonieforschung in Deutschland


Bochum, 01.07.1999
Nr. 154

Weil der Blutdruck steigt ...
... und niemand weiß warum
RUB: erstes Institut für Hypertonieforschung in
Deutschland


Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit - und noch
immer sind in 90 Prozent der Fälle die Ursachen
unbekannt. Ändern könnte sich das mit der Gründung
des Instituts für Klinische und Molekulare
Hypertonieforschung an der Medizinischen Fakultät
der Ruhr-Universität, der kürzlich der Senat der
RUB zugestimmt hat. Kliniker und Theoretiker sind
dem Bluthochdruck, einem der wichtigsten
Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt,
gemeinsam auf der Spur. Fachübergreifende
Zusammenarbeit und ein neuartiges Methodenspektrum
bieten jetzt die Chance, die Krankheitsursachen
auf molekularer Ebene zu klären und neue
Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Daneben
wird auch die medizinische Ausbildung Anliegen des
Instituts unter Leitung von Prof. Dr. rer. nat.
Ludwig Heilmeyer (Institut für Physiologische
Chemie), Prof. Dr. rer. nat. Lutz Pott (Lehrstuhl
Zelluläre Physiologie), Prof. Dr. med. Walter
Zidek (Marienhospital Herne) und Prof. Dr. med.
Andreas Mügge (St. Josefs Hospital, Bochum) sein:
Ein viersemestriges Graduierten-Studium
"Molekulare Medizin" ist vorgesehen.
Institut für Hypertonieforschung in Deutschland
einmalig 

"Diese Institutsgründung erweitert das
Fächerspektrum unserer Fakultät und schafft somit
neue Möglichkeiten für Forschung und Lehre",
erklärt der Dekan Prof. Dr. med. Ulf Eysel die
Initiative der Medizinischen Fakultät der RUB. Der
Bluthochdruck wurde in Deutschland bisher zu wenig
erforscht, besonders wenn man die sozialen und
ökonomischen Folgen der Erkrankung bedenkt. Der
Schwerpunkt Hypertonieforschung ist an deutschen
Universitäten einmalig, ebenso ein Institut für
Molekulare Hypertonieforschung in Deutschland. Das
Institut wird aus fünf Abteilungen bestehen:
Molekulare und Klinische Hypertonieforschung,
Epidemiologie und Genetik der Hypertonie,
Nanomedizin, Zelluläre Physiologie und
Pathophysiologie, Protein- und DNA-Analytik.

Arterielle Hypertonie - erblich 

"Weh dir, daß du ein Enkel bist!" - das gilt
zumindest für Menschen mit arterieller Hypertonie.
Auslöser der arteriellen Hypertonie können
Organerkrankungen, z.B. eine gestörte
Nierenfunktion, Überfunktionen von Hirnanhangdrüse
oder Nebenniere, neurologische Störungen sein. Der
weitaus größere Teil der Patienten leidet unter
der sog. essentiellen Hypertonie, deren Ursachen
ungeklärt sind. Die Anlage zur Hypertonie wird
vererbt; die RUB-Forscher vermuten über sog.
Kandidaten-Gene. Werden diese und die ihnen
entsprechenden Proteine gefunden, lassen sich die
Krankheitsprozesse besser verstehen und neue
Medikamente entwickeln. Vermutete "Kandidaten"
sind spezielle, auf die Blutgefäße wirkende
Hormone und die dazugehörigen Rezeptoren. Es soll
auch geklärt werden, ob es bisher unbekannte
blutdruckregulierende Systeme gibt. Die Suche und
Identifizierung von Hemmstoffen im
Elektrolytstoffwechsel (Na+/H+ und Ca2+) ist ein
weiteres Forschungsziel. Denn ein Anstieg der
Ca2+-Ionen führt zu einer gesteigerten
Gefäßspannung (Tonus) - der Blutdruck steigt, und
der Na+/H+-Austausch ist bei Zellen von
Hypertonikern verändert.

Optische Pinzette "greift" im
Milliardtel-Meter-Bereich

Einen Forschertraum erfüllt die Nanomedizin: Mit
Hilfe einer Laserpinzette können Vorgänge auf
atomarer Ebene verfolgt werden. Zielobjekte sind
die Proteine Myosin und Aktin. Sie sind
"Motor-Moleküle" für Kontraktionen im
Herz-Kreislauf-System, die bei der Regulation des
Blutdruckes von entscheidender Bedeutung sind. Ein
einziges Myosin-Molekül führt, angeheftet an
Aktin, zu Bewegungen im Bereich von einigen
Milliardstel Metern und erzeugt dabei ungeheuer
kleine Kräfte in der Größenordnung von 10-12
Newton. Durch die Untersuchung dieser
"Motor-Moleküle" auf atomarer Ebene sollen
pathologische Abweichungen verstehbar werden, wie
sie sich beim Hochdruck zeigen.

Essentielle Hypertonie: Muskelarbeit fehlgesteuert

Wenngleich die Ursachen der essentiellen
Hypertonie noch unbekannt sind, so ist doch
sicher: es kommt zu einer Fehlsteuerung des
Kontraktionszustandes und zu einem gesteigerten
Wachstum der Zellen in der glatten Muskulatur der
Widerstandsgefäße. An der Steuerung von
Kontraktion und Wachstum sind eine Vielzahl
bekannter und unbekannter Mediatorsubstanzen
beteiligt. Diesen Substanzen und ihren Rezeptoren,
den entsprechenden Genen und intrazellulären
Signalwegen gilt das Interesse der Forscher. Ein
wichtiges Hilfsmittel sind Zellkulturen und
Zellinien. Unter anderem werden Gefäßmuskelzellen
von Ratten mit (spontanem) Bluthochdruck und von
erkrankten und gesunden Menschen verglichen.
Mittelfristig sollen auch transgene Mäuse ins
Programm.

Graduiertenstudium "Molekulare Medizin" geplant

Zukünftig soll auch ein Graduierten-Studium
"Molekulare Medizin" die Lehre an der RUB
bereichern. In einem viersemestrigen Aufbaustudium
können sich dann Mediziner, Pharmakologen,
Biologen, Chemiker und Physiker am neuen Institut
spezialisieren.

Weitere Informationen

Prof. Dr. rer. nat. Ludwig Heilmeyer,
Physiologische Chemie, RUB, Tel. 0234/700-2428,
Fax. 0234/7094-193, e-mail:
ludwig.heilmeyer@ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr. rer. nat. Lutz Pott, Zelluläre
Physiologie, Tel. 0234/700-4857, Fax.
0234/7094-449, e-mail:
lutz.pott@rz.ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr. med. Walter Zidek, (Innere Medizin),
Direktor der Medizinischen Klinik I des
Marienhospitals Herne, Universitätsklinik, Tel.
02323/499-1670 Fax. 02323/499-302, e-mail:
walter.zidek@ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr. med. Andreas Mügge, Direktor der
Medizinischen Klinik II des St. Josefs Hospitals,
Tel 0234/509-2300/2301, Fax 0234/509-2303, e-mail:
andreas.muegge@ruhr-uni-bochum.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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