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(00151) 22.06.1999 14:45

RUB-Studie zu "Wohnraumbeschaffung durch Kooperation"


Bochum, 22.06.1999
Nr. 144

Alleinerziehende und Ausländer bleiben auf der Strecke
Wissenschaftler für mehr Kooperation auf dem Wohnungsmarkt
RUB-Studie zu "Wohnraumbeschaffung durch Kooperation" 


Trotz der Entspannung am Wohnungsmarkt haben nach wie vor
wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Haushalte,
kinderreiche Familien vor allem ausländischer Nationalität,
Alleinerziehende, überschuldete Haushalte es schwer, eine
Wohnung zu finden. Gleichzeitig sinkt deutlich der Bestand
belegungsgebundener Wohnungen wegen der auslaufenden
Sozialbindung. Mit dem sozialen Wohnungsneubau allein lassen
sich die Versorgungsprobleme nicht bewältigen. Es können
aber zusätzliche Belegungsmöglichkeiten im vorhandenen
Wohnungsbestand gewonnen werden, wenn Gemeinden,
Wohnungswirtschaft und Träger der freien Wohlfahrtspflege
bei der Unterbringung bedürftiger Haushalte eng miteinander
kooperieren. Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt
"Wohnraumbeschaffung durch Kooperation - Zusammenarbeit von
Gemeinden, Wohnungswirtschaft und Wohlfahrtspflege als
Instrument zur Versorgung von Haushalten mit dringendem
Wohnungsbedarf" stellte kürzlich das Institut für
Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt und
Regionalentwicklung GmbH an der RUB (InWIS) im Auftrag des
Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in
Bonn vor. 

Gute Chancen durch Kooperation

Demnach weisen Kooperationen bereits einen überraschend
hohen Verbreitungsgrad auf: Repräsentative Umfrageergebnisse
zeigen, daß sie in mehr als jeder zweiten bundesdeutschen
Kommune mit mehr als 50.000 Einwohnern praktiziert werden.
Über Kooperation konnten beispielsweise im Jahr 1996 pro
Kommune durchschnittlich 200 zusätzliche
Belegungsmöglichkeiten aus dem Wohnungsbestand gewonnen
werden, in Großstädten erhöhte sich der Wert sogar auf 450
Wohnungen. In vielen Kommunen kann dieses Ergebnis mit den
Fertigstellungszahlen im sozialen Wohnungsneubau
konkurrieren. 

Potentiale noch längst nicht ausgeschöpft

Kooperationen ermöglichen auch unter engen finanzpolitischen
Spielräumen, die Ziele einer sozialen Wohnungspolitik zu
erreichen. Die soziale Wirksamkeit wird allerdings
eingeschränkt durch ein Mietniveau, das die
Zahlungsfähigkeit der nachfragenden Haushalte übersteigt.
Die Versorgungspotentiale, die Kooperationen zur
Wohnraummobilisierung im Bestand bieten, werden aufgrund
verschiedener Engpässe häufig nicht ausgeschöpft. Hierzu
gehören ein zu geringer Einsatz an sozialer Beratung und
Betreuung von Mietern, eine mangelnde Vernetzung von
Zuständigkeiten vor allem in der öffentlichen Verwaltung,
hohe Kosten für die Vermieter durch Mietausfälle und
notwendige Wohnungsrenovierungen, eine geringe
Vermietermitwirkungsbereitschaft und eine unzureichende
Belegungssteuerung mit der Folge sozialer Entmischung in den
Wohnungsbeständen. In den meisten Städten mit Kooperationen
ist nur das kommunale Wohnungsunternehmen zur Kooperation
verpflichtet worden. Dieses wird dann überfordert, wenn es
sämtliche Wohnungssuchende zu versorgen hat, die von den
übrigen Vermietern abgelehnt werden. 

Ziel: Regionale Versorgungsverbünde aufzubauen

Nach den Ergebnissen von InWIS muß das Ziel dagegen sein,
regionale Wohnungsversorgungsverbünde aufzubauen, an denen
die Kommune, soziale Träger und möglichst viele Vermieter -
Wohnungsgesellschaften, Woh-nungs-genossenschaften, private
Vermieter - beteiligt sind. Die beteiligten Vermieter
verpflichten sich, eine bestimmte Anzahl an
Wohnungssuchenden zu versorgen, die vom Wohnungsamt oder den
sozialen Trägern benannt werden. Dieses Modell wird aber nur
funktionieren, wenn der Wohnungswirtschaft die höheren
wirtschaftlichen Risiken - vor allem Mietausfallrisiken und
Instand-setzungskosten - abgenommen werden. Dazu sollte die
Kommune eine Garantie zur Übernahme der Mietzahlungen und
etwaiger Instandsetzungskosten gewähren, wenn Wohnungen an
Wohnungssuchende in besonderen Problemlagen (z.B. mit
psychosozialen Problemen und Verhaltensauffällig-keiten)
vermietet werden. Dazu gehört aber auch die Sicherstellung
ausreichender sozialer Betreuungsleistungen für Mieter durch
die Kommune oder die verstärkt in die Kooperation
einzubeziehenden sozialen Träger. Eine größere
Verteilungsmasse an Wohnraum erhöht die Chancen für eine
sozial ausgewogene Belegungssteuerung in den Wohngebieten. 

Fehlbelegungsabgabe senken oder abschaffen

Gleichzeitig sollten aber von den Bundesländern auch die
Möglichkeiten zur Absenkung oder Aussetzung der
Fehlbelegungsabgabe genutzt und auf kommunaler Ebene eine
gemeinsame, differenzierte Belegungsstrategie aller an der
Kooperation beteiligten Institutionen entwickelt werden. Um
die Qualität der Zusammenarbeit auf lokaler Ebene zu
verbessern, bedarf es vor allem auf seiten der kommunalen
Ämter der Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen in den
Bereichen der Wohnraumsicherung und Wohnraumbeschaffung.
Dies kann z.B. durch eine ämterübergreifende
Arbeitsorganisation erreicht werden, bei der die relevanten
Zuständigkeitsbereiche des Wohnungsamtes, des Sozialamtes,
des Jugend- und des Ordnungsamtes in einer
Koordinationsstelle zusammengefaßt werden.

Besser ohne Zwang

Schließlich ist der Wohnungsbestand die wichtigste
wohnungspolitische Ressource, über die wir verfügen. Eine
optimierte Bestandsnutzung würde helfen, die
wohnungspolitischen Versorgungsprobleme zu lösen und die
knappen öffentlichen Mittel weitaus effizienter einzusetzen.
Der Abschluß von weitreichenden Kooperationsvereinbarungen
ist für alle Beteiligten auch besser als die Anwendung des §
5a Wohnungsbindungsgesetz, der der Kommune ein
Verfügungsrecht über alle Sozialwohnungen einräumt. 

Weitere Informationen

PD Dr. Volker Eichener, InWIS GmbH, Springorumallee 20,
44795 Bochum, Telefon: 0234/9447-700, Fax: 0234/9447-777,
e-mail:  InWIS@t-online.de






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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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