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(00138) 10.06.1999 16:21

RUB-Ehrendoktorwürde für Berthold Beitz


Bochum, 10.06.1999
Nr. 131

Ehrendoktorwürde für Berthold Beitz
Künftiger Bundespräsident Johannes Rau spricht Grußwort 
Bochumer Historiker würdigen außergewöhnliche Persönlichkeit


Die Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität
Bochum verleiht den Grad eines "Doktors der Philosophie
ehrenhalber" an Prof. Dr. h.c. mult. Berthold Beitz, eine
der ehemals führenden Persönlichkeiten der Industrie und
Vorsitzenden des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen
und Halbach-Stiftung. Die Verleihung erfolgt auf einem
Festakt am Dienstag, 15. Juni 1999, 15 Uhr, im Musischen
Zentrum der RUB. 

Programm

Nach der Begrüßung durch den Dekan der Fakultät, Prof. Dr.
phil. Eberhard Isenmann, sowie durch den Rektor der
Ruhr-Universität, Prof. Dr. Dietmar Petzina, hält der
ehemalige Ministerpräsident des Landes NRW und künftige
Bundespräsident, D.Dr. h.c. Johannes Rau, eine
ausführlichere Ansprache. Anschließend wird der Dekan der
Fakultät die Laudatio vortragen und die Ehrung vornehmen.
Die Medien sind herzlich willkommen.

Beispielsetzendes Verhalten

Gut für die Region ist, was dem Wissenschaftsstandort
Ruhrgebiet nützt - so etwa könnte man das Wirken des
früheren Generalbevollmächtigten von Alfried Krupp von
Bohlen und Halbach, Berthold Beitz, in den vergangenen drei
Jahrzehnten zusammenfassen. Er hat seit Gründung der Alfried
Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung deren Kuratorium
geleitet und, wie schon zuvor als Unternehmer, den Aufbau
der Ruhr-Universität wohlwollend begleitet. Sein
untadeliges, beispielsetzendes Verhalten in der Zeit des
Nationalsozialismus hat die Fakultät für
Geschichtswissenschaft veranlaßt, diese beeindruckende
Persönlichkeit der Zeitgeschichte durch die Verleihung der
Würde eines Ehrendoktors auszuzeichnen.

Juden vor sicherem Tod gerettet

Der außergewöhnliche Rang der Persönlichkeit von Berthold
Beitz gründet zuerst in der Wertorientierung seines
Handelns. Professor Beitz wirkte seit 1941 als
kaufmännischer Leiter eines Energiekonzerns im vom
nationalsozialistischen Deutsch--land besetzten Polen. Er
hat in dieser Funktion, unter den Bedingungen und dem
Eindruck der terroristischen Besatzungsherrschaft,
Menschlichkeit bewiesen und gezeigt, daß sich ein einzelner
Verantwortlicher fürsorglich, schützend und lebenswahrend
verhalten konnte. Er handelte aus zutiefst humanitärem
Impuls und lehnte deshalb den Nationalsozialismus ab. Sein
Abscheu gegen die Gewaltherrschaft verstärkte sich durch das
erzwungene Miterleben von Massakern und Pogrome. Er rettete
jüdische Menschen, indem er sie, entgegen den Befehlen der
Besatzer, aus den zur Tötung bestimmten Transporten oder an
den Sammelstellen reklamierte und in seiner Firma schützend
beschäftigte. Erst die Einberufung zum Kriegsdienst setzte
seinem Wirken ein Ende.

Aufstieg nach dem Krieg

Berthold Beitz flüchtete aus der Kriegsgefangenschaft und
stand in den Nachkriegsmonaten buchstäblich vor dem Nichts.
Seine Willens- und Entscheidungskraft und auch manche
Zufälle, wie sie den Überlebenden jener Jahre häufig
widerfuhren, führten ihn in eine leitende Position der
Versicherungswirtschaft. Von dort gewann ihn Alfried Krupp
von Bohlen und Halbach im Jahre 1953 als seinen
Generalbevollmächtigten.

Neuaufbau des Krupp-Konzerns

In dieser Funktion strebte Beitz die Erhaltung des
ehemaligen Montankonzerns und vor allem die Wiedererstarkung
der vertikalen Konzerngliederung an, deren Entflechtung
durch die alliierte Besatzung er abwehren konnte. Es gelang,
den Konzern neu zu ordnen, neue Geschäftsfelder und
Geschäftsverbindungen zu etablieren und die Firma, ohne daß
die Produktion von Waffen wiederaufgenommen worden wäre,
wieder in die Gruppe der deutschen Großkonzerne einzufügen.
Darüber hinaus machte sich Beitz als führender westdeutscher
Industrieller die sozialpolitischen Traditionen des Hauses
Krupp zu eigen und setzte erforderliche Umstrukturierungen
der Werke unter Wahrung der Mitbestimmung von Arbeitnehmern
durch. Während der schwierigen Finanzkrisen der 1960er Jahre
gelang es ihm, der Firma eine dauerhafte Eigentümerstruktur
zu verleihen.

Wirken für Bildung und Wissenschaft im Ruhrgebiet

Es war das Anliegen von Berthold Beitz, das Firmenerbe in
dessen regionalen und gesamtdeutschen Bezügen zu wahren und
fortzuentwickeln. Frühzeitig erkannte er, daß dem Ruhrgebiet
als der wichtigsten Erwerbslandschaft Europas Einrichtungen
für Bildung und Wissenschaft fehlten und daß es eines
forcierten Aufbaus solcher Einrichtungen bedurfte. Die
Ruhr-Universität verdankt ihm und dem Firmeninhaber die
Übergabe des sehr bedeutenden Bücherbestandes der
Hügel-Bibliothek, die den Grundstock der Bochumer
Universitäts-bibliothek in einer ansonsten noch
"bücherarmen" Region bilden sollte. In seiner Funktion als
Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen
und Halbach-Stiftung hat Beitz zahlreiche Forschungsprojekte
gefördert und dabei insbesondere das historische Profil der
Region Ruhrgebiet zu stärken gewußt. Er sorgte dafür, daß
die Architektur und die Kunstschätze der Villa Hügel unter
Einschluß der umgebenden Parklandschaft für die
Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dort weltweit
bedeutende Kunst- und Kulturausstellungen durchgeführt
wurden. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
hat in mehr als drei Jahrzehnten den Ausbau der alten
montanindustriellen Erwerbsregion zu einer europaweit
führenden, modernen Wirtschafts-, Wissenschafts- und
Kulturregion betrieben; ohne die gestaltende Kraft von
Berthold Beitz wäre dieser Erfolg nicht vorstellbar, und die
Gründung der "Kulturstiftung Ruhr" im Jahre 1984 ist erst
durch sein persönliches Engagement möglich geworden.

Die Fakultät für Geschichtswissenschaft ehrt mit Berthold
Beitz eine herausragende Persönlichkeit der Zeitgeschichte.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Ruhr-Universität Bochum, 44780
Bochum, Tel. 0234/700-4687, Fax: 0234/7094-249



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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