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(00132) 08.06.1999 15:01

RUBIN erschienen - aktuell zu Dioxine


Bochum, 08.06.1999
Nr. 126


Dioxine: Entwarnung unter Vorbehalt
Künstliche Evolution - optimale Strukturen suchen
RUBIN 1/99 erschienen: Wissenschaft "gut verdaulich"


Von "Seveso" bis "Futtermittel" - Dioxine machen immer
wieder Schlagzeilen. Doch was ist mit der alltäglichen
Belastung durch die Nahrungsaufnahme? Erst seit Ende der
80er Jahre macht eine hochsensible Labortechnik Dioxine im
Blut überhaupt nachweisbar. Die erste Langzeitstudie
präsentieren jetzt Umweltwis-
senschaftler der RUB (Dr. rer. nat. Jürgen Wittsiepe, Dr.
rer. nat. Petra Schrey, Prof. Dr. rer. nat. Ulrich Ewers,
Prof. Dr. med. em. Fidelis Selenka, Prof. Dr. med. Michael
Wilhelm, Abteilung für Hygiene, Sozial- und Umweltmedizin).
Sie geben Entwarnung, aber unter Vorbehalt - nachzulesen in
RUBIN 1/99 - Wissen-
schaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum, das soeben
erschienen ist. Ein Exemplar erhalten Sie mit separater Post
- oder Sie fragen in den nächsten Tagen nach!
Forschung "zu Markte tragen"

Editorial: "Von jedem Forscher, gleich welchen Status', muß
man erwarten können, daß er über seine Arbeit mit der
Öffentlichkeit kommunizieren kann - in einer allgemein
verständlichen Weise", so Prof. Dr. Hans Joachim Trampisch,
Prorektor für Forschung an der RUB. In diesem Sinne versteht
er den diesjährigen "Treffpunkt Forschung" am 13. Juni in
der Bochumer City auch als ein "Forschung zu Markte tragen":
Der Forscher muß die Diskussion auf dem Marktplatz der
Gesellschaft aushalten und sich dem Urteil der Gesellschaft
stellen; Forschung muß Widerspruch aushalten und, z.B. mit
Blick auf Gentechnologie oder Xenotransplantation,
Provokation ganz selbstverständlich akzeptieren.

Im Kern sind Menschen und Pflanze gleich

NEWS - Aktuelles kurz berichtet: Treten in nur einem Gen der
Mitochondrien - den Kraftwerken kerntragender Zellen -
Mutationen auf, kann das für Pflanze und Mensch
gleichermaßen Folgen haben. Werden an zwei bestimmten
Stellen eines Proteins (ATP-Protein) "falsche" Bausteine
eingesetzt, ist die Wirkung zumindest bei "Energiefressern"
wie Nerven und Muskeln sowie den Staubgefäßen höherer
Pflanzen verheerend: Beim Menschen ist eine
Stoffwechselerkrankung (Leigh'sche Erbkrankheit) die Folge,
die bereits in der Embryonalphase oder im ersten Lebensjahr
zum Tode führt. Zur Sterilität der männlichen Staubgefäße
kommt es bei höheren Pflanzen. Dr. Frank Kempken (Allgemeine
und Molekulare Botanik) untersucht anhand der Hirse den
Effekt, den sich die Pflanzenzüchtung zunutze macht: Durch
gezielte Fremdbefruchtung (bzw. Ausschaltung der
Selbstbefruchtung) lassen sich die gewünschten Eigenschaften
der Eltern-Pflanzen miteinander verbinden. Weitere
"News-Punkte" : CD-ROM "Virtuelle Wirbeltiere" (Biologie),
Net-Pro: Tool-Set zur Planung und Auslegung von
Computernetzen (Integrierte Informationssysteme) sowie
"Musterstadt Auschwitz"  und "IG Auschwitz" - ein
mehrjähriges Forschungs- und Editionsprojekt an der Fakultät
für Geschichtswissenschaft (Neuere Geschichte II) mit einer
neuen Sichtweise zum Thema Auschwitz.

Unser Sonnensystem: Nicht einzigartig

Naturwissenschaften: Sterne sind nicht immer Feuerkugeln.
Wenn sie entstehen, geht es eisig zu. Selbst nach 100 000
Jahren ist von Leuchten keine Spur. Infrarot- und
Radioastronomie bringen erst jetzt Licht ins Dunkel der
Sternentstehung  -  und Erstaunliches zutage: Eine Scheibe
aus Gas und Staub umgibt fast jeden jungen Stern. Astronomen
haben sie als Orte der Planetenbildung ausgemacht. Die
Ergebnisse am Lehrstuhl von Prof. Dr. Rolf Chini
(Astrophysik, Astronomisches Institut, Fakultät für Physik
und Astronomie) stellen sie in Frage - die Einzigartigkeit
unseres Sonnensystems. 

Künstliche Evolution: Optimale Strukturen suchen

Die Natur beherrscht es meisterhaft, aus der Fülle aller
Möglichkeiten Neues zu entwerfen und dabei den Kompromiß zu
finden zwischen Komplexität und Einschränkung. Die
biologische Evolution ist das Rezept, nach dem Dr. Bernhard
Sendhoff  Strukturen über eine Fitneßlandschaft wabern läßt.
Eine Bergkuppe erreichen heißt hier, mit evolutionären
Algorithmen die optimale Lösung finden. Das Prinzip hat
große Perspektiven. Allein am Lehrstuhl von Prof. Dr. Werner
von Seelen (Theoretische Biologie, Institut für
Neuroinformatik) geht es u.a. um Fuzzy-Systeme für
Fahrerassistenzsysteme, Physikalische Strukturen zur
Strömungsoptimierung, Granulare Transportsysteme für
Verkehrsleitsysteme, Mischdichtemodelle zur medizinischen
Prognose oder neuronale Systeme zur Überwachung von
Fahrzeugkomponenten.

Versorgt mit Theater, wie mit Wasser oder Gas?

Geisteswissenschaften: Unter den Institutionen des
kulturellen Lebens in Deutschland ist das "Stadttheater"
eine der merkwürdigsten. Warum nehmen Kommunen das
Theaterwesen in die eigene, kostspielige Regie und versorgen
ihre Bevölkerung mit dieser Art von Kultur, als handele es
sich um Wasser, Gas oder Sicherheit vor Feuersbrunst? Ihre
seit Jahrzehnten anhaltende Krise macht diese Einrichtung
zum Objekt einer sozialgeschichtlich ausgerichteten
Literaturwissenschaft. Am Beispiel des Bochumer
Schauspielhauses untersucht Prof. Dr. Uwe-K. Ketelsen
(Neugermanistik/Sozial- und Kulturgeschichte der Literatur,
Fakultät für Philologie) "Das Stadttheater: Aufstieg und
Niedergang des Bildungstheaters".

"Eins oder keins" - wirkt so Familienpolitik

Das getrennt lebende, nicht (mehr) verheiratete Paar, das
sich ein gewissermaßen zweihäusig aufwachsendes mobiles Kind
teilt - sieht der Züricher Soziologe Hoffmann-Nowotny als
die Familienform, die den vielfältigen Optionen der modernen
"individualisierten" Gesellschaften des Westens optimal
angepaßt sein wird. Eine Bestandsaufnahme unternimmt Prof.
Dr. Klaus Peter Strohmeier (Soziologie, insbes. Stadt- und
Reginalsoziologie, Fakultät für Sozialwissenschaft) im
Rahmen der international vergleichenden Studie "Family
Policies and Family Life in Europe". Das Ergebnis: Ein
deutscher Sonderweg, sowohl im Familienleben als auch in der
Familienpolitik. 

"Smart Structures": Weniger Schwingungen - weniger Lärm

Ingenieurwissenschaften: Keine schlechten Straßen und kein
Fahrtwind sollen den Fahrkomfort mehr schmälern. Auch im
Automobilbau setzt man auf neuartige Materialien, die,
ausgestattet mit Sensoren und Aktoren, flexibel auf die
Umwelt reagieren. "Smarte" oder "intelligente" Werkstoffe
erkennen lärm- und verschleißfördernde Schwingungen und
reagieren sehr schnell mit gezielten Gegenschwingungen. Wie
Werkstoffe das zustande bringen, beschreiben Dipl.-Ing.
Michael Märtens, Prof. Dr.-Ing. Heinz Waller (Arbeitsgruppe
Numerische Methoden in der Mechanik und Simulationstechnik,
Fakultät für Bauingenieurwesen). 

Bis zur Weißglußt erhitzt und immer noch fest

Die Ziele sind hoch gesteckt: Mit der gleichen
Brennstoffmenge im Kraftwerk mehr Strom erzeugen oder mit
dem Düsenflugzeug weiter fliegen. Zu erreichen sind sie nur
durch höhere Wirkungsgrade der Turbinen. Wenn die
Möglichkeiten der Konstruktion ausgereizt sind, bleibt nur,
die Temperatur im heißesten Teil der Turbine zu erhöhen.
Werkstoffe sind gefragt, die selbst bis zur Weißglut
erhitzt, mechanischen Belastungen standhalten. Prof.
Dr.-Ing. Gunther Eggeler, Lehrstuhl Werkstoffwissenschaft,
Institut für Werkstoffe, Fakultät für Maschinenbau macht
deutlich, was in Hochtemperaturwerkstoffen steckt. 

Wenn die Seele auf die Bandscheibe drückt 

Medizin: Der gefürchtete Bandscheibenvorfall führt viel zu
oft zu chronischen Beschwerden. Aktuelle Studien machen
jetzt neben somatischen Faktoren insbesondere die Psyche
dafür verantwortlich. Mit Risikodiagnostik und
verhaltenstherapeutischen Angeboten zeichnen sich
erstaunliche Erfolge ab. Damit diese einem breiten
Patientenspektrum zugute kommen können, wird in der
Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Monika Hasenbring (Abteilung für
Medizinische Psychologie) derzeit eine PC-gesteuerten
Screening-Diagnostik mit dem Telemetrischen
Patienten-Diagnose-System (TPDS) entwickelt. Das TPDS
basiert auf spezifischen Expertensystemen. Der behandelnde
Arzt erhält in kürzester Zeit ein Risikoprofil seines
Patienten mit entsprechenden Empfehlungen für weitere
diagnostische und therapeutische Maßnahmen. 

"Gesammelte Werke"

Als Beilage auch diesmal wieder dabei die "gesammelten"
Promotionen und Habilitationen (Abschlußzeitraum: erstes
Halbjahr 1999). Sie bieten einen Überblick über vor kurzem
abgeschlossene Forschungsprojekte von Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern der RUB.

Bezug

RUBIN ist erhältlich in den Universitätsbuchhandlungen
Brockmeyer und Schaten sowie in der Pressestelle der RUB zum
Preis von DM 5,-. Auch im Internet darf wieder geblättert
werden: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm 




 



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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