[ vorherige ] [ nächste ] [ Übersicht nach Zeit ][ alphabetische Übersicht ]

(00114) 18.05.1999 14:38

Das Buch zur "Orgelgeschichte"


Bochum, 18.05.1999
Nr. 109

"Zwischen Pfeife und Pedal" 
Von Pippin dem Kurzen bis zur RUB-Orgel
RUB-Wissenschaftler schreibt 'Orgelgeschichte'


Ein Bonbon für Orgelfreunde ist das Buch "Zur Geschichte der
Konzertsaalorgel in Deutschland - die Klais-Orgel der
Ruhr-Universität Bochum"  von Prof. Dr. Christian Ahrens
(Institut für Musikwissenschaft, Fakultät für
Geschichtswissenschaft der RUB), das er soeben zusammen mit
Dipl.-Physiker Jonas Braasch (Institut für
Kommunikationsakustik, Fakultät für Elektro- und
Informationstechnik der RUB) herausgebracht hat. Darin 
schildern sie Zeitgeschichte aus der "Orgelperspektive",
erläutern an historischen Beispielen die Entwicklung des
Konzertorgelbaus und dokumentieren Disposition und
wissenschaftliche Begleitung beim Bau der RUB-Orgel. Den
Druck des Werks hat die Sparkasse Bochum großzügig
unterstützt.

Sensation des Abendlandes

Eine Orgel war 757 n. Ch. die Sensation des Abendlandes.
Damals schenkte Konstantin von Byzanz sie Frankenkönig
Pippin dem Kurzen. An der Einschätzung über die Orgel als
weltliches Instrument änderte das wenig. Die Kirchenväter
bestanden darauf, die Orgel vom Kultus auszuschließen. Erst
im 11. Jhr. trat ein Wandel ein, aus dem profanen Instrument
wurde ein kirchliches. Die genauen Ursachen dafür liegen im
Dunkeln. Geschah es auf Druck der Gläubigen oder wollten zu
viele Kleriker nicht mehr auf das damals "augenfälligste
musikalische Symbol für Herrschaft, Reichtum und Macht"
verzichten?  - Später wiederholt sich die Geschichte unter
anderen Vorzeichen. 1900 beklagt Max Reger in einem Brief an
Max Straube: "Ist denn ganz und gar vergessen worden, dass
die Orgel nicht nur ein Kircheninstrument ist, sondern auch
ein Konzertinstrument ersten Ranges!" 1986 erfaßt Wenzel
Hübner 12 204 Orgel-Neubauten, davon 26 in Konzertsälen.
1998 ist mindestens eine Konzertorgel dazugekommen, die
Klais-Orgel der RUB. 

Orgelbau

Konzert- und Kirchenorgel unterscheiden sich in ihrem Klang:
Konzertsäle haben deutlich kürzere Nachhallzeiten und eine
"eher durchsichtige Akustik"; das muß durch die Disposition
der Orgel ausgeglichen werden. Hierzu dienen verschiedene
Schwell- und Expressionsvorrichtungen, die Konzertorgel muß
entsprechend groß sein. Unter den Stichworten Gravität,
Register mit durchschlagenden Zungen, Schweberegister,
Jalousieschweller, Rollschweller, Tremulant und Spielhilfen
erläutert Ahrens die Entwicklungen im Konzertorgelbau bis
hin zur RUB- Orgel an historischen Beispielen.

RUB-Klais-Orgel

Die Klais-Orgel der RUB wurde speziell für das Auditorium
maximum mit seinen architektonischen Besonderheiten
entworfen. Sie ist eine der größten Orgeln in NRW und die
größte, die die Firma Klais bisher für deutsche Konzertsäle
gebaut hat: 82 klingende Register auf 4 Manualen, ca. 6400
Pfeifen, die größte Metallpfeife (E) im Prinzipal 32' wiegt
680 kg und ist 10,8 m lang. Aufgrund der beengten
Verhältnisse an der Zufahrt zum Audi max mußten die großen
Pfeifen in zwei Teilen geliefert und vor Ort zusammengesetzt
werden. Dabei durften sie nicht lange liegen, ihr
Eigengewicht hätte sie sonst zusammengedrückt. Eine
Besonderheit ist die Disposition (von Bernhard Buttmann) des
Registers Klarinette 8' im Positiv (Manual II). Es ist im
Gegensatz zu den anderen Zungenstimmen nicht mit auf-
sondern mit durchschlagenden Zungen ausgestattet. Diese in
der Romantik sehr beliebte Registerausführung erlaubt eine
Annäherung an den Orchesterklang und ist daher für eine
Konzert-saal-orgel von erheblicher Bedeutung. Vor Plazierung
der Orgel wurde der Schallstrahlenverlauf im Audi max
vermessen, um den akustisch besten Platz zu finden.

Titelaufnahme

Zur Geschichte der Konzertsaalorgel in Deutschland. Die
Klais-Orgel der Ruhr-Universität Bochum. Herausgegeben von
Christian Ahrens unter Mitarbeit von Jonas Braasch, Verlag
Erwin Bochinsky GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main 1999, DM
42,- (Fachbuchreihe Das Musikinstrument, Bd. 69, ISBN
3-923639-35-X) 

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christian Ahrens, RUB, Institut für
Musikwissenschaft, 44780 Bochum, Tel. 0234/700-2394, 
Dipl.-Phys. Jonas Braasch, RUB, Institut für
Kommunikationsakustik, 44780 Bochum, Tel. 0234/700-5387


-- 
RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

zurück zur Übersicht nach Zeit | alphabetisch