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(00103) 05.05.1999 14:56

RUB-Theologen Ehren Verfassungsrichter Böckenförde


Bochum, 05.05.1999
Nr. 98

Ehrendokorwürde für Prof. Dr. Dr. Ernst-Wolfgang Böckenförde
Katholische-Theologen der RUB ehren ehemaligen
Verfassungsrichter 
Vordenker in der Auseinandersetzung zwischen Kirche und
Staat


"Dann gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, aber gebt
Gott, was Gott gehört" - das Verhältnis von Staat und Kirche
beschäftigte von Anfang an den ehemaligen Verfassungsrichter
Prof. Dr. Dr. Ernst-Wolfgang Böckenförde. Für sein
wegweisendes Werk zeichnet die Katholisch-Theologische
Fakultät der RUB  diesen engagierten Katholiken mit der
Ehrendoktorwürde aus. Sie wird ihm in Beisein von viel
Prominenz in einer Feierstunde am 12. Mai 1999 (10 Uhr,
H-GA10) überreicht. Die Medien sind herzlich willkommen;
Programm siehe unten.

Programmfolge

Nach Begrüßungen durch den Dekan der Fakultät, Prof. Dr.
theol. Wendelin Knoch, RUB-Rektor Prof. Dr. Dietmar Petzina
und Bischof Dr. Hubert Luthe  (Bistum Essen) hält Prof. Dr.
theol. Hermann Josef Pottmeyer die Laudatio. Der
Überreichung der Urkunde folgt der Festvortrag von Prof.
Böckenförde: "Überlegungen zu einer Theologie des modernen
säkularen Rechts". Anschließend sprechen Grußworte: Prof.
Dr. Rolf Grawert (Öffentliches Recht, Juristische Fakultät
der RUB), Prof. Dr. Karl Lehmann  (Vorsitzenden der
deutschen Bischofskonferenz), Prof. Dr. Ernst Gottfried
Mahrenholz (ehem. Verfassungsrichter) und Dr. h.c. Johannes
Rau (Ministerpräsident a.D.).

Vordenker

Der Rechtsgelehrte, Philosoph und Geschichtswissenschaftler
Prof. Böckenförde gehört zu den Vordenkern in der
öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche in
der jüngeren und in der aktuellen deutschen Geschichte. Mit
seinem wegweisenden Aufsatz über den "Katholizismus im Jahre
1933" setzte er die Diskussion über die schuldhafte
Verstrickung von Kirche und NS-Staat in Gang. Als Bekenner
zur Demokratie hat er sich stets darum bemüht, das von der
(katholischen) Kirche nur schwach geleistete Ja zum
demokratischen Staat zu verstärken. 

Lebenswerk

Als Verfassungsjurist interessierte sich Böckenförde
vornehmlich für Unterscheidungen von Gesetz und
gesetzgebender Gewalt, der Organisationsgewalt und dem
Verhältnis von Staat und Individium. Einen erheblichen Teil
seiner wissenschaftlichen Arbeit ist dem Verhältnis von
Staat und Kirche sowie Kirche und Politik gewidmet. In
seinem dreibändigem Werk "Schriften zu Staat, Gesellschaft,
Kirche (1988)" hat er sich zunächst mit dem Verhältnis von
(katholischer) Kirche und NS-Staat beschäftigt: Wo und wie
hat die Kirche sich schuldig gemacht? Wo steht der einzelne
Christ innerhalb seiner Kirche? Und vor allem - "Wie läßt
sich ein erneuter Sündenfall wie der von 1933 dank eines
verstärkten Engagements der Intellektuellen verhindern?
Sodann stand das Verhältnis von Kirche und demokratischen
Staat im Mittelpunkt. Dabei gilt ihm das Bekenntnis zur
modernen Demokratie als Grundbedingung politischen und
kirchlichen Handelns. 

Biographisches

Ernst-Wolfgang Böckenförde wurde am 19.09.1930 in Kassel
geboren. Nach dem Studium von Rechtswissenschaft, Geschichte
und Philosophie wurde er 1956 in Münster zum Doktor des
Rechts und 1961 zum Doktor der Philosophie in München
promoviert. Von 1959 bis 1964 arbeitete er als
wissenschaftlicher Assistent am Institut für Öffentliches
Recht und Politik an der Uni Münster. 1964 habilitierte er
sich für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht,
Verfassungs- und Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie.
Einen Lehrstuhl für öffentliches Recht, Ver-fas-sungs- und
Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie hatte er von 1964 bis
1969 an der Universität Heidelberg inne, ebenso von 1969 bis
1977 in Bielefeld und von 1977 bis zu seiner Emeritierung
1995 in Freiburg i.Br. Seit 1970 ist er Mitglied der
Rheinisch-westfälischen Akademie der Wissenschaften,
Düsseldorf; von 1970 bis 1976 war er in  der
Enquete-Kommision Verfassungsreform des Deutschen
Bundestages. Der Reuchlin-Preis der Stadt Pforzheim wurde
ihm 1978 überreicht. Von 1983 bis 1996 war er Richter des
Bundesverfassungsgerichts als Mitglied des Zweiten Senats.
1987 verlieh ihm die Universität Basel/Schweiz die
Ehrendoktorwürde.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Wendelin Knoch, Dekan der Katholisch-Theologischen
Fakultät, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.
0234/700-2620

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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

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http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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