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(00068) 18.03.1999 13:40

Unfallhäufigkeit halbiert: Wissenschaftler und Ministerium empfe


Bochum, 18.03.1999
Nr. 64

Unfallhäufigkeit halbiert
Forschungsergebnisse übertreffen alle Erwartungen
Wissenschaftler und Ministerium empfehlen Minikreisverkehre


Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen an 18 neuen
Minikreisverkehrsplätzen im Auftrag des Verkehrsministeriums NRW haben
Bochumer Verkehrswissen-schaf-tler unter der Leitung von Prof. Dr.
Werner Brilon (Verkehrswesen, Fakultät für Bauingenieurwesen der RUB)
heute auf einer RUB-Tagung vorgestellt. Die Beobachtungen der Forscher
übertreffen alle Erwartungen: Die neue Lösung halbiert die
Unfallhäufigkeit, fördert eine rücksichtsvolle Fahrweise und ist
weitaus kostengünstiger als Ampelanlagen und normalgroße
Kreisverkehre. Das Ministerium empfiehlt den Einsatz von Minikreiseln
in einer Broschüre.


Bedingungen für gute Minikreisverkehre

Am Anfang der Studie stand die Auswahl der richtigen Orte für
Minikreisverkehre. Aus etwa fünfzig vorgeschlagenen Einmündungen und
Kreuzungen suchten die Verkehrspezialisten 18 Plätze innerhalb
geschlossener Ortschaften aus, die bestimmte Kriterien erfüllen
mußten. So müssen sie von Ferne gut erkennbar sein, also z. B. nicht
hinter Kuppen oder langen Kurven liegen, sie dürfen kein zu starkes
Gefälle haben, das Verkehrsaufkommen darf nicht zu hoch sein und es
muß einen ausgewogenen Querverkehr geben.


Gestaltungselemente

Zu Vergleichszwecken machten die Forscher noch vor dem Bau der
Kreisverkehre Videoaufnahmen und Geschwindigkeitsmessungen an den
alten Verkehrsknotenpunkten. Dann berieten sie die Baulastträger bei
Planung und Ausführung der Minikreisel. Da sie die jeweilige
Verkehrssituation in ihre Berechnungen einbezogen, sehen die einzelnen
Lösungen unterschiedlich aus. Ein Kölner Minikreisel ersetzt z. B.
eine Ampel in der Nähe einer Behindertenwerkstatt und mußte mit
Mittelinseln in den Zufahrten und mit Zebrastreifen ausgestattet
werden. Als wesentlich für die Erkennbarkeit der Minikreisel stellten
sich weiße Pfeile in Fahrtrichtung heraus, die sich gegenüber der
Zufahrten auf der Fahrbahn befinden. Ein eigens für Minikreisel
entworfenes Schild kündigt in Verbindung mit dem "Vorfahrt
gewähren"-Zeichen die neue Verkehrslage an. Ein besonders wichtiges
Merkmal für das Funktionieren des Kreisels ist ein drei bis vier
Zentimeter hohes Bord am Rand der Mittelinsel. Die Gestaltung der
Insel selbst ist weitgehend dem Baulastträger überlassen; fehlt aber
das Bord, wird sie von fast der Hälfte aller Autofahrer überfahren.


Unfallkostenrate 90 Prozent niedriger

Etwa drei Monate nach der Fertigstellung der Kreisverkehre brachen die
Bochumer Wissenschaftler zu neuen Untersuchungen auf. An denselben
Orten wie zuvor machten sie Videoaufnahmen und
Geschwindigkeitsmessungen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen:
Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Autos, Busse und LKW ist um sechs
bis elf Stundenkilometer niedriger als vorher. Die mittlere
Unfallhäufigkeit hat sich halbiert. Um die Schwere der Unfälle mit
einbeziehen zu können, haben die Wissenschaftler sie monetarisiert,
d.h. je schwerer der Unfall desto höher die von ihm verursachten
Kosten. So können sie auch Personenschäden einrechnen. Die so
berechnete Unfallkostenrate ist nach dem Umbau um 90 Prozent geringer
als vorher. An allen achtzehn Kreiseln hat es nach dem Umbau insgesamt
nur noch drei Personenschäden gegeben und keinen einzigen
Schwerverletzten.


Fast alle Radler benahmen sich vorbildlich

Besonders skeptisch waren die Verkehrswissenschaftler gegenüber dem
Verhalten der Radfahrer. Sie befürchteten, daß sie der Verlockung
nicht widerstehen könnten, einfach ohne die Vorfahrt zu achten durch
den Kreisel zu fahren. Um so überraschender die Beobachtung: Fast alle
Radler benahmen sich vorbildlich. Bus- und LKW -Fahrer kommen mit der
neuen Situation gut klar. Nach anfänglichem Zögern tun sie automatisch
das richtige: Sie überfahren die Mittelinsel wie geplant.


Auch Anwohner sehr zufrieden ...

Nicht nur die Forscher sind hochzufrieden; auch die Anwohner der
Minikreisverkehre empfinden die neue Lösung als Verbesserung. Zwischen
80 und 95 Prozent der befragten Haushalte äußerten sich positiv.


... und die Bauherren sparen ordentlich Geld

Für die ausdrückliche Empfehlung der Minikreisverkehre durch das
Ministerium gibt es aber noch einen anderen guten Grund: Sie sind
äußerst kostengünstig. Zwischen 15.000 und 140.000 DM haben die
achtzehn Modellkreisel gekostet, der Durchschnittswert liegt bei etwa
20.000 DM. Diese Summe ist vergleichbar mit den laufenden Kosten, die
ein Ampelübergang pro Jahr verursacht. Ein normalgroßer Kreisverkehr
kostet zwischen 300.000 und 700.000 DM. Dieser große Unterschied kommt
dadurch zustande, daß die Miniversion einfach auf bestehende Straßen
aufgesetzt werden kann, während man für große Kreise in den
Straßenrand eingreifen muß. Das wiederum bringt tiefbauliche Maßnahmen
und unter Umständen das Verlegen von Leitungen mit sich.


Demnächst in jeder Gemeinde

Über die Haltbarkeit der Minikreisel können die Forscher natürlich
noch keine Angaben machen. Die jeweilige Gestaltung des Kreises wird
darauf aber großen Einfluß haben. Der RUB-Verkehrswissenschaftler
Dr.-Ing. Lothar Bondzio ist sich sicher, daß schon in wenigen Jahren
dreistellige Zahlen von Minikreisverkehren in Deutschland zu finden
sein werden. Daß man sie bald auch außerhalb Nordrhein-Westfalens
einsetzen wird, scheint bei den vielen Tanungsbesuchern aus anderen
Bundesländern gewiß.


Weitere Informationen

Dr.-Ing. Lothar Bondzio, Fakultät für Bauingenieurwesen, Lehrstuhl für
Verkehrswesen, RUB, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum, Tel.
0234/700-7384, Fax: 0234/7094-151, Internet:
http://www.verkehr.bi.ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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   ---- File information -----------
     File:  minkre~1.tif
     Date:  17 Mar 1999, 16:24
     Size:  1775012 bytes.
     Type:  Unknown

minkre~1.tif


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