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(00067) 18.03.1999 13:16

Damit Krankenkassen entlastet werden: RUB-Sozialwissenschaftler


Bochum, 18.03.1999
Nr. 63

Schluß mit versicherungsfremden Leistungen
Damit Krankenkassen entlastet werden können
RUB-Sozialwissenschaftler entwickelte Katalog


Die Krankenkassen geraten immer wieder in die Schlagzeilen, da sie
ihre Defizite auszugleichen versuchen, indem sie verstärkt Kosten auf
ihre Mitglieder umwälzen. Damit sich nicht nur die Reichen eine
umfassende Versorgung leisten können, sollten versicherungsfremde
Leistungen der Gesetzlichen Krankenkassen (GVK) auf andere Träger
umverteilt werden. Dieses heiße Eisen faßt erstmals in ausführlicher
Form Peter Kostorz an. In seiner von der RUB prämierten
Staatsexamensarbeit "Versicherungsfremde Leistungen in der
Gesetzlichen Krankenversicherung" hat er einen Katalog erarbeitet,
anhand dessen man die Leistungen der GVK gerecht verteilen kann. Die
Arbeit wurde von Prof. Dr. Lothar Neumann und Dr. Klaus Schaper
(Sozialpolitik und Sozialökonomik, Fakultät für Sozialwissenschaft der
RUB) betreut.


Profiländerungen in 100 Jahren

Das Profil der GVK hat sich in ihrer über hundertjährigen Geschichte
sehr gewandelt. Ursprünglich wurden sie ins Leben gerufen, damit sie
den Arbeitern im Kran-kheitsfall einen Teil des Lohnausfalls durch
Krankengeld ersetzten. Im Laufe der Zeit kamen viele Leistungen hinzu,
die teilweise keinerlei Bezug zu Krankheiten haben. Um die
Krankenkassen zu entlasten, sollen diese versicherungsfrem-den
Leistungen neu zugeordnet werden.


Vom Krankengeld zur Gesundheitssicherung

Die elementaren Leistungen derGVK sind heute Maßnahmen, die zur
Vorbeugung und Behandlung sowie zur Rehabilitation dienen. Damit hat
sich der Schwerpunkt vom Krankengeld auf die Gesundheitssicherung
verlagert. Gleichzeitig tragen die Krankenkassen Leistungen, die aus
rechtlicher und sozialpolitischer Sicht nicht zu ihren Aufgaben
gehören. Um den Beitragssatz zu senken, muß man, so Kostorz, diese
fremden Leistungen daraufhin überprüfen, ob sie weiterhin im Katalog
der Versicherungen verbleiben können oder ausgelagert werden sollen.
Dazu zählen z. B. Sterbegeld und Fahrkosten, Haushaltshilfen,
bestimmte Bereiche der Schwangerschaft und Mutterschaft sowie Hilfen
zur Familienplanung.


Notwendig oder wünschenswert

Grundtenor von Kostorz ist: Sind diese Leistungen medizinisch
notwendig, bleiben sie Kassenleistung, ansonsten sollte der Staat die
Finanzierung übernehmen. Bedürftige sollte der Staat
versicherungsfremde Leistungen nach dem Sozialhilferecht erstatten. Es
geht also nicht um einen Abbau sondern um richtige Zuordnung und damit
Entlastung der Kassen und Beitragszahler.


Beispiele aus der Praxis

Anhand von Beispielen erklärt Kostorz seinen Katalog. Die Betreuung
von werdenden Müttern ist an sich keine Krankheit; da aber bei
Schwangerschaft und Geburt keine klare Abgrenzung gemacht werden kann
zwischen normalen Beschwerden und akuten Erkrankungen; soll die
ärztliche und medikamentöse Behandlung weiter von den Kassen
übernommen werden. Zu diesem Teilbereich gehört auch das
Mutterschaftsgeld, das definitiv nicht zu den Leistungen einer
Krankenkasse zählt; vielmehr sollte es als Teil des
Mutterschutzgesetzes in die Verantwortung des Staates übergehen.
Anders sieht es bei Abtreibungen aus. Hier sollten die Kassen nur dann
zahlen, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. In allen anderen
Fällen übernehmen die Kassen die Gebühren zunächst, um den Frauen
demütigenden Antragsverfahren zu ersparen und lassen sich die Kosten
vom Staat ersetzen. Auch bei der Sterilisation wird nach medizinischer
Notwendigkeit entschieden. Die Fahrkosten sind bei der stetig
wachsenden Mobilität und Motorisierung heutzutage nicht mehr Sache der
Kassen. In Anlehnung an die Arzneimittelbefreiung sollen sie nur noch
Bedürftigen erstattet werden.


Zusammenarbeit mit Vater Staat

Wollen die Kassen ihren Mitgliedern in Zukunft nicht noch mehr Kosten
aufbürden, dann müssen sie in Zusammenarbeit mit Vater Staat ihren
Leistungskatalog gründlich überarbeiten.


Titelaufnahme

Peter Kostorz "Versicherungsfremde Leistungen in der Gesetzlichen
Krankenversicherung", Peter Lang - Europäischer Verlag der
Wissenschaften, Frankfurt/M., Berlin, Bern 1998 (Europäische
Hochschulschriften, Reihe 5: Volks- und Betriebswirtschaft, Bd. 2311),
DM 84,- ISBN 3-631-33508-3


Weitere Informationen

Peter Kostorz, Hansastr. 28, 47058 Duisburg, Tel. 0203/66 31 77

Prof. Dr. Lothar Neumann, Dr. Klaus Schaper, Ruhr-Universität Bochum,
Fakultät für Sozialwissenschaft, Sozialpolitik und Sozialökonomik,
44780 Bochum, Tel. 0234/700 2968/2963, Fax 0234/7094 445.



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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