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(00064) 16.03.1999 15:01

Briefe des Paulinus von Nola erstmals auf Deutsch


Bochum, 16.03.1999
Nr. 60

Auf den Flügeln der Sehnsucht ...
Römischer Aristokrat entsagt der Welt
RUB-Theologe übersetzt die Briefe Paulinus' von Nola


"Geh nach Kampanien, lerne von Paulinus ..." empfahl schon der große
Kirchenvater Augustinus einem seiner Schüler. Paulinus von Nola,
geboren als der römische Aristokrat Meropius Pontius Paulinus, hatte
seinen Besitz verkauft, um in der Nachfolge Christi zu leben. Seine
Briefe und anderen Werke vermitteln dem Leser ein detailliertes Bild
der Geschichte und Theologie des Mönchtums im dritten und vierten
Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Erstmals liegen die 51 Briefe des
Paulinus in deutscher Übersetzung vor, eine Arbeit von Dr. theol.
Matthias Skeb OSB (Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte, Patrologie
und Christliche Archäologie, Fakultät für Katholische Theologie der
RUB, Inhaber: Prof. Dr. Wilhelm Geerlings).

Nach mehr als 1600 Jahren erstmals in deutscher Übersetzung

Schon zu seinen Lebzeiten genoß Paulinus ein so hohes Ansehen, daß
Briefpartner versuchten, seine Korrespondenz in einer Liste
zusammenzustellen. Keine dieser Sammlungen ist erhalten. Seit der
Renaissance sind zwischen 1516 und 1736 sieben Handschriften
entstanden, die jeweils unterschiedliche Briefe enthalten. Eine
vollständige und kritische Edition wurde 1894 von Wilhelm von Hartel
herausgegeben und ist bis heute aktuell. Ergänzend dazu hat Dr. Skeb
jetzt die erste Gesamt-übersetzung der Prosabriefe des Paulinus für
den deutschen Sprachraum erstellt.

Aristokrat erlebt Wundert und wird Asket

Meropius Pontius Paulinus - später Paulinus von Nola - wurde um 355 in
"Die Königreiche des Paulinus" hineingeboren, wie die kampanischen und
aquitanischen Güter der Familie genannt wurden. Wie jedes Mitglied der
römischen Se-natsaristokratie schlug Paulinus zunächst eine politische
Laufbahn ein, die ihn auch 381 als Magistrat nach Kampanien (Italien)
führte. Dort wurde er in Nola Zeuge von Wundern am Grab des Hl. Felix,
dem er nach dem örtlichen Brauch seinen Bart für künftiges Wohlergehen
opferte. Obwohl Paulinus nicht christlich erzogen worden war, wandte
er sich nach diesen Erlebnissen dem Christentum zu und erhielt
zwischen 385 und 389 die Taufe. Den Ausschlag für seine weitere
spirituelle Entwicklung gab die Ermordung seines Bruders 390. In den
folgenden Jahren verkaufte Paulinus seinen Besitz und den seiner Frau
Therasia, um fortan in Armut zu leben. Nach seiner Priesterweihe 394
in Barcelona gründete er in Nola eine asketische Lebensgemeinschaft
und verwendete sein Geld für den Bau von Hospizen und die Renovierung
der Kirche. Als er im Juni 431 starb, war er mehr als 20 Jahre Bischof
von Nola gewesen.

Ein Reicher geht durchs Himmeltor

Die Konversion Paulinus zum Mönchtum brachte ihm sehr viel Kritik ein.
Seine "weltlichen" Freunde bedauerten den Verlust eines großen
Dichters, obwohl er für die Poesie noch Zeit fand; die Geistlichen
kritisierten, daß seine Askese noch zu weltlich sei. Paulinus hatte
sich nicht vollständig aus der Welt zurückgezogen, er war kein
Dogmatiker, vielmehr interessierte er sich für theologische Themen wie
Sakramente, Sünde, die Trinität und den Menschen in konkreten
Lebensumständen. Im Mittelpunkt all seiner Schriften steht Jesus
Christus, dessen Leben er sich zum Vorbild nahm: "Wenn du vollkommen
sein willst, geh, verkaufe deine ganze Habe und gib sie den Armen ...
und komm, folge mir." Armut war für Paulinus die Voraussetzung für die
Wandlung, die sich im Innern abspielt. Indem sich der Mensch in Demut
von allem Irdischen befreite, würde er zu ungesäuertem Brot, der
Speise des Herrn, und damit erhoben.

Titelaufnahme

Paulinus, Pomtius Meropius, Epistulae / Briefe. Übersetzt und
eingeleitet von Matthias Skeb, Herder-Verlag, Freiburg, Basel, Wien
1998 (Reihe Fontes Christiani, Band 25, Teilbände 1-3).

Weitere Informationen

Prof. Dr. Wilhelm Geerlings, Rosalie Hellmann, Dr. Horst Schneider,
Christian Schulze, Ruhr-Universität Bochum, Katholisch-Theologische
Fakultät, Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und
Christliche Archäologie, 44780 Bochum, Tel. 0234/700 7924/4706, Fax
0234/7094 428.




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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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