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(00053) 03.03.1999 14:57

Zum Bindungsverhaltung von Kindern


Bochum, 03.03.1999
Nr. 51

Was Bildergeschichten verraten ...
Zur Bindungsqualität bei 8- bis 14jährigen
Entwicklung und Anwendung eines Verfahrens


Bindungsverhalten und -qualität bei Kleinkindern im Alter von 12 bis
18 Monaten sind hinlänglich erforscht. Doch wie sieht es bei älteren
Kindern aus, die ein weit ausdifferenzierteres Vorstellungsmodell von
der Welt und sich selbst haben? Um dieser Frage nachzugehen, hat die
angehende Dipl.-Psych. Ute Höner ein Verfahren entwickelt, das
verschiedene Bin-dungsmuster klassifiziert und eindeutige
Zusammenhänge mit dem Ag-gressionspotential von Kindern aufzeigt. Für
ihre Diplomarbeit "Bin-dungs--qua-lität bei Kindern im Alter von 8 bis
14 Jahren: Entwicklung und Validierung eines Verfahrens" (Betreuung:
Dr. Clemens Trudewind, Fakultät für Psychologie, Lehrstuhl für
Motivations- und Emotionspsychologie) erhielt sie einen der "Preise
für Studierende 1998" der Ruhr-Universität Bochum.

"Arbeitsmodell" von Kindern

Die Entwicklung von Bindungsbeziehungen beginnt bereits in den ersten
Lebenswochen und differenziert sich in den folgenden Jahren weiter
aus. Die Erfahrungen aus den bisherigen Interaktionen mit
Bindungspersonen, vor allem den Eltern, bildet das Kind in inneren
Repräsentationen ab; dazu gehört auch das Vertrauen in die
Verfügbarkeit der Bindungspersonen. Diese inneren Repräsentationen
sind das "Arbeitsmodell" des Kindes. Es ermöglicht dem Kind eine
Vorstellung von der Welt und sich selbst, mit der Funktion, neue
Situationen zu interpretieren und sein Verhalten aufgrund dieser
Interpretation zu lenken.

Sicher, unsicher-vermeidend und unsicher-ambivalent

Abhängig von der Qualität der gemachten Erfahrungen mit
Bindungspersonen (z. B. Zurückweisung oder liebevolle Unterstützung)
zeigen Kinder verschiedene Bindungsmuster: sicher, unsicher-vermeidend
oder unsicher-ambivalent. Trotz zahlreicher Forschung auf diesem
Gebiet stellte sich lange Zeit die Frage, wie Bindungsqualität bei
Kindern gemessen werden kann, die älter als 18 Monate sind. Aufgrund
der weiteren Erfahrungen, die das Kind macht, ist sein Arbeitsmodell
differenzierter und komplexer.

Semiprojektives Verfahren

Grundlage des von Ute Höner entwickelten Verfahrens sind inhaltlich
und formal zentrale Kriterien und Konzepte von Studien, die die
Bindungsqualität zusammen mit auftretenden
Persönlichkeitseigenschaften und Verhaltensmerkmalen erfaßt haben.
Diese wurden operationalisiert und in ein semi-projektives Verfahren
umgesetzt: Ein Bildersatz zeigt verschiedene fiktive Situationen aus
dem Alltag eines Kindes mit bindungsthematischem Inhalt, etwa
Konfliktsituationen mit der Mutter oder mit Gleichaltrigen,
Spielsitu-ationen mit Freunden oder alltägliche Situationen in der
häuslichen Umgebung. Mit diesen Bildern sollten insgesamt 80 Kinder
(40 Grund- und 40 Gesamtschüler) eine noch nicht fertig geschriebene
Geschichte vervollständigen, indem sie von den zur Auswahl stehenden
Items des Bildersatzes dasjenige ankreuzten, das nach ihrer Meinung am
besten zu ihrer Geschichte paßt.

Empathie und Aggression

Die konstruierten Items beschreiben die einzelnen Bindungsmuster
'sicher', 'unsicher-vermeidend' und 'unsicher-ambivalent'. Um das
Verfahren abzusichern, hat Höner mittels zweier bewährter Verfahren
die externen Kriterien "Empathie" (Einfühlungsvermögen) und
"Aggression" bei den Kindern erhoben. Basierend auf bereits
gesicherten empirischen Befunden zeigte sich auch hier, daß die Gruppe
der Kinder, die als 'sicher' gebunden klassifiziert wurden,
durchschnittlich geringere Aggressionskennwerte aufwiesen.

Anwendung in größerem Umfang

Insgesamt konnte die Arbeit Befunde sichern, die sowohl mit der
bisherigen Bindungsforschung als auch mit dem motivationstheoretischen
Entwicklungsmodell der Aggression nach Kornadt übereinstimmen.
Gleichzeitig ist mit dem experimentellen Nachweis ein erster Ansatz
gelungen, ein Verfahren zur Erfassung der Bindungsqualität bei älteren
Kindern zu validieren. Zur Zeit wird das Verfahren in einem
Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Motivations- und
Emotionspsychologie eingesetzt, mit einer Stichprobe von weit mehr als
600 Kindern. Die bislang gewonnen Ergebnisse erweise sich hierbei
ebenfalls als sehr erfolgversprechend.

Weitere Informationen

Ute Höner, Hügelstr. 32, 42929 Wermelskirchen, Tel.: 02196/732850,
Fax: 0212/814181

Dr. Clemens Trudewind, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für
Psychologie, 44780 Bochum, Tel. 0234/700-2450



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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