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(00042) 18.02.1999 14:40

RUB-Bilanz: Ein Jahr nach dem Streik


Bochum, 18.02.1999
Nr. 42

Ein Jahr nach dem Streik
Zwischen aufgestautem Ärger und Tatendrang
RUB-Studenten veröffentlichen eine Bilanz


"Politik muß gestalten, wenn sie nicht abdanken will! ... Allen, die
an der Universität studieren wollen, muß die Gelegenheit dazu gegeben
werden!" fordert Daniel Herms rigoros von der Bildungspolitik. Der
Bochumer Geschichtsstudent ist einer von sechs jungen Leuten, die ein
Jahr nach dem großen Studentenstreik im Dezember 1997 nun eine Bilanz
gezogen haben: "Vision Impossible. Studierende nach dem Großen Streik"
ist ein im Januar erschienenes Buch, in dem sie ihrem Ärger und ihren
Zweifeln und Hoffnungen Luft machen.

Einschneidende Erfahrung

Geboren wurde die Idee zu  einem Buch über das soziale und politische
Verhalten von Studierenden in einem Einführungsseminar von Dr. Karsten
Rudolph (Institut für die Erforschung der europäischen
Arbeiterbewegung der RUB). "Eigentlich wollten wir ein ganz anderes
Buch machen", erinnert er sich; aber das Seminar wurde vom Ausbruch
des Streiks unterbrochen. Eine einschneidende Erfahrung für alle
Beteiligten, zumal die RUB eine der ersten Hochschulen war, die
bestreikt wurde.  So entstand aus der geplanten Studie ein Buch, das
individuelle Eindrücke des Streiks und Überlegungen zur
Bildungssituation sammelt.

Überstrapazierter Vergleich zwischen 68ern und 97ern

Die Autoren äußern sich sehr persönlich: Tanja Kerwin z.B. reflektiert
ihre Kindheit in einer Sozialarbeiter WG: "Durch die Form meiner
Erziehung war ich früher immer nah am politischen Geschehen, im Bann
der 68er sozusagen. Aber Studentenbewegung damals und heute - für mich
ein großer Unterschied." Der überstrapazierte Vergleich zwischen 68ern
und 97ern beschäftigt auch Daniel Molloisch. Vor 30 Jahren gab es ganz
andere Ziele, es wurde noch von einer "anderen Gesellschaft"
gesprochen, von einer "neuen Freiheit". "Die Ansprüche der Studenten
sind erheblich bescheidener geworden": ein Verbot von Studiengebühren,
mehr Geld für die Universitäten und eine Hochschulreform, das sind die
zentralen Forderungen. Warum diese Zurückhaltung? Warum haben die
Studenten so früh aufgegeben? fragt sich Daniel Molloisch. Er sieht
die Ursache für die oft beschimpfte Politikverdrossenheit junger
Menschen in ihrer Angst vor der Zukunft. Arbeitslosigkeit,
Klimakatastrophe und Ausbildungsplatzmangel treibt sie in einen
Zweckoptimismus oder in die Resignation, so daß sie sich lieber mit
den Umständen abfinden als weiter auf die Barrikaden zu gehen.

Öffentlichkeit nicht informiert

Wie wenig die Öffentlichkeit über die Hintergründe des Streiks
informiert worden ist, beweist ein Interview mit Nicht-Studenten, die
die Studentin Bianca Patzelt geführt hat: "Ich habe über die Streiks
Fernsehberichte gesehen, weiß aber nicht, warum gestreikt wurde",
erklärt Björn, ein 22-jähriger Postangestellter. Hier will das Buch
den Blick freigeben auf individuelle Bedürfnisse, Wünsche und
Meinungen von Studierenden jenseits des Klischees "Generation X".

Plädoyer für politisches Engagement

Auch wenn Daniel Molloisch ein Jahr nach der Protestwelle feststellen
muß: "die Versprechungen der Politiker lösen sich in Luftschlösser
auf" - das Buch will eine Anregung sein, weiterzudenken, zu
diskutieren und auch zu handeln. Heiko Klauke bringt die Sache auf den
Punkt: "Viele Menschen verlieren das Vertrauen in die Politik, weil
sie täglich vorgeführt bekommen, wie handlungsunfähig Politik zu sein
scheint. Dennoch bin ich der Überzeugung, daß sich politisches
Engagement lohnt."

Titelaufnahme

"Vision Impossible? Studierende nach dem Großen Streik", Klartext
Verlag Essen 1999, 14,80 DM (ISBN 3-88474-740-1)



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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