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(00032) 03.02.1999 15:11

Neue Therapie gegen Venenleiden - Naegeli-Preis für Bochumer Gef


Bochum, 03.02.1999
Nr. 32


Wenn nichts mehr hilft: Therapie im kleinen Kreislauf
Oft verschwiegen und versteckt - Volkskrankheit "Venenleiden"
Renommierter Theodor Naegeli-Preis für RUB-Gefäßchirurgen


Venenleiden - Thrombose - offene Beine: Diesen Teufelskreis
durchbricht ein neues Verfahren zur Behandlung tiefer
Beinvenenthrombosen. Hilfe bringt es vor allem jenen zahlreichen
Patienten, bei denen die operative Entfernung der Gerinnsel nicht
vollständig gelingt und ihre medikamentöse Auflösung aufgrund
drohender Blutungsgefahr nicht in Frage kommt. Mit der neuen Methode,
die lokale und damit nebenwirkungsarme Gaben hochwirksamer Medikamente
gestattet, hat PD Dr. med. Achim Mumme (Klinikum der RUB, Chirurgische
Klinik am St. Josef-Hospital Bochum, Direktor: Prof. Dr. med. Volker
Zumtobel) die chemische Therapie "gezähmt". Er erhält dafür am 5.
Februar 1999 in Basel den mit insgesamt 100 000 Schweizer Franken
dotierten internationalen Theodor Naegeli-Preis 1998 - zusammen mit
dem Schweizer Gefäßspezialisten Prof. Dr. med. Ulrich K. Franzek aus
Zürich

Die Methode

Die von Mumme entwickelte Methode (Regionale hypertherme
Fibrinolytika-Perfusion) beruht auf einer Behandlung der
Beinvenenthrombose im separaten Blutkreislauf. Zu diesem Zweck wird
das betroffene Bein für die Zeitdauer von etwa 90 Minuten an eine
Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Der isolierte Kreislauf ermöglicht
ein Durchströmen des Beins mit hochwirksamen Medikamenten, ohne daß
diese aus dem Bein in den Körperkreislauf gelangen. Unerwünschte
Nebenwirkungen werden so vermieden. Daher können die Medikamente in
extrem hoher Dosierung verabreicht werden. Im Vergleich zu den
herkömmlichen Verfahren werden ca. 60fach höhere Konzentrationen
angewendet. Daraus resultiert eine entsprechend hohe Wirksamkeit der
Medikamente, die durch das gleichzeitige Aufheizen der Extremität auf
40°C (Hyperthermie) weiter verstärkt wird. (Schematische Darstellung
siehe unten - Bild)

Erfolgsdaten

Gegenüber der herkömmlichen fibrinolytischen Therapie bietet das neue
Verfahren drei wesentliche Vorteile: eine höhere Effektivität, eine
breitere Anwendungsmöglichkeit und eine Verringerung der
Nebenwirkungen. Die neue Methode wird im St. Josef-Hospital Bochum und
im St. Johannes-Hospital Dortmund praktiziert; bislang wurden mehr als
100 Patienten mit dem neuen Verfahren behandelt.
Blu-tungskomplikationen, wie sie bei den herkömmlichen
Fibrinolysemethoden gehäuft auftreten, konnten bislang vermieden
werden.

Grenzen der herkömmlichen Behandlung

Die Entfernung der Gerinnsel aus den Beinvenen erfolgte bislang
entweder operativ mit speziellen Kathetern (Thrombektomie) oder
medikamentös mit  hochwirksamen Medikamenten zur Auflösung von
Blutgerinnseln (Fibrinolyse). Beide Methoden haben aber Nachteile. Die
operative Methode ist  nur bei bestimmten Throm-bosen
erfolgversprechend. Die medikamentöse Methode ist ebenfalls nur
eingeschränkt anwendbar, weil die Fibrinolyse schwere
Blutungskomplikationen auslösen kann, wobei besonders Hirnblutungen
gefürchtet sind. Daher konnten bislang nur  5 - 15 % aller Patienten
mit tiefer Beinvenenthrombose einer Fibrinolysebehandlung unterzogen
werden.

Embolie: der tödliche Ausgang

Bei der tiefen Beinvenenthrombose kommt es zur Verstopfung der
Abflußwege (Venen) des Beines durch eine Gerinnselbildung (Thrombose)
des Blutes. Die Gerinnsel können sich lösen, in die Lungenstrombahn
geraten und eine Embolie verursachen. Allein in Deutschland sterben
jährlich 30.000 - 40.000 Menschen an einer Lungenembolie, direkt an
den Folgen einer tiefen Beinvenenthrombose.

"Offene Beine": der lange Leidensweg

Eine weitere Folgeerkrankung ist das sogenannte postthrombotische
Syndrom, von dem in Deutschland ca. 5 Mio. Menschen betroffen sind.
Infolge einer Thrombose wird der Blutrückfluß aus dem betroffenen Bein
gestört, so daß sich Stauungsbeschwerden und Schwellungszustände
entwickeln. Bei jedem fünften Betroffenen entwickeln sich
Unterschenkelgeschwüre, sogenannte offene Beine. Ein ausgeprägtes
postthrombotisches Syndrom verursacht im Laufe der Zeit Folgekosten
von durchschnittlich 140.000 DM. Jährlich müssen in Deutschland 3.500
Erkrankte wegen Invalidität berentet werden.

Zum Theodor-Naegeli-Preis

Der Theodor Naegeli-Preis wird alle drei Jahre von der Schweizer
Theodor Naegeli-Stiftung international ausgeschrieben und für die
beste Arbeit auf den Gebieten der Thromboseforschung und Gerontologie
(Lehre von den Vorgängen des Alterns ) verliehen. Für 1998 geht der
Preis zu gleichen Teilen an Prof. Dr. med. Ulrich K. Franzeck, Zürich
und an Privatdozent Dr. med. Achim Mumme, Bochum. Die Verleihung
findet am 05. Februar 1999 in Basel statt. Mit 100.000 Schweizer
Franken handelt es sich um einen der weltweit höchstdotierten Preise
für Thromboseforschung und Gerontologie.

Vita des Preisträgers

Privatdozent Dr. med. Achim Mumme, geboren am 05.12.1958, ist seit
1988 am St. Josef-Hospital Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität
Bochum, tätig und leitet dort als Oberarzt der Chirurgischen Klinik
(Direktor: Prof. Dr. med. V. Zumtobel) die Gefäßchirurgie. Seit 1990
beschäftigt sich  der  Thromboseforscher mit neuen Behandlungsmethoden
bei Thrombosen an den Beinvenen.


Weitere Informationen

PD Dr. med. Achim Mumme, Klinikum der RUB, Chirurgische Klinik am St.
Josef-Hospital Bochum, Tel.:  0234/509-1, 509-2211   Fax:
0234/509-2272


Skizze: Schematischer Aufbau des isolierten Extremitätenkreislaufes
mit der Herz-Lungen-Maschine


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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This message contains a file prepared for transmission using the
MIME BASE64 transfer encoding scheme. If you are using Pegasus
Mail or another MIME-compliant system, you should be able to extract
it from within your mailer. If you cannot, please ask your system
administrator for help.

   ---- File information -----------
     File:  mumme-~1.tif
     Date:  3 Feb 1999, 11:03
     Size:  552346 bytes.
     Type:  TIFF-image

mumme-~1.tif


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