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(00029) 01.02.1999 14:56

Bochumer Mumienporträt in Frankfurt ausgestellt


Bochum, 01.02.1999
Nr. 29

"Bildnis eines Unbekannten"
Bochumer Mumienporträt in Frankfurt ausgestellt
RUB-Leihgabe noch bis zum 11. April in Frankfurt zu sehen


Auf der mit großer Publikumsresonanz in der Schirn Kunsthalle
Frankfurt/M.  eröffneten Ausstellung "Augenblicke - Mumienporträts und
ägyptische Grabkunst aus römischer Zeit" (26. Januar bis 11. April)
ist auch eine Leihgabe aus den Kunstsammlungen der RUB zu bewundern:
Das Mumienporträt "Bildnis eines Unbekannten" aus dem zweiten
nachchristlichem Jahrhundert, das 1994 von der RUB angekauft worden
ist.

Ein Südländer

Mumienporträts sind gemalte Bildnisse. Die Malfläche besteht
üblicherweise aus einem sehr dünn gesägten Holzbrett (Linden-,
Sykomoren-, vielleicht auch Zedernholz), sie ist am Bochumer Stück 43
cm hoch und noch 14,5 cm breit.  Das Bildnis zeigt einen Mann im Alter
von 35 bis 40 Jahren vor einem indifferenten, hell-ockerfarbenen
Hintergrund, das Gesicht und den Blick dem Beschauer zugewandt, den
Oberkörper mit weißer Tunika und Mantel aber zur linken Schulter hin
weggedreht. Der gelassene Ausdruck des Gesichts und der
mürrisch-energische Zug des Mundes verbinden sich mit dem Kranz
mittelgrüner Ölbaumzweige zu einer würdevoll-feierlichen Erscheinung.
Die tiefschwarzen Haare der ungescheitelten Frisur und des kurz
gestutzten Bartes, auch die dunklen Augen lassen an allgemein
Südländisches denken.

Altägyptische Jenseitsvorstellungen

Mumienporträts sind aus den altägyptischen Jenseitsvorstellungen zu
erklären, in denen der Verstorbene sich in den Totenherrscher Osiris
verwandelte und in dessen Reich zu neuem Leben erweckt wurde. Um in
diesem Übergang die körperliche Integrität zu sichern, war nicht nur
für das jenseitige Leben des Toten Vorsorge zu treffen, auch er selbst
mußte vor dem Zerfall bewahrt werden: Daher die Ausstattung des Grabes
mit Mobiliar, Sklavenstatuetten und Nahrung sowie die Mumifizierung
des Leichnams.

Mumienporträts erst nach Christus

Mumienporträts sind ausschließlich in nachchristlicher Zeit
entstanden, von der Mitte des ersten Jahrhunderts bis in
konstantinische Zeit. Für die zeitliche Einordnung dieser Malereien
verläßt sich die Archäologie vor allem auf Form und Anlage von Haaren
und Bart und auf die Verteilung der Maltechniken mit der jeweiligen
Betonung pastos-illusionistischer oder linear-abstrakter Stilmerkmale.
Das Bochumer Bildnis ist auf diese Weise in spätantoni-nische Zeit,
also ans Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts zu datieren.

Weitere Informationen

Norbert Kunisch: "Ankauf eines Mumienporträts für die Kunstsammlungen:
Bildnis eines Unbekannten", in RUBIN. Wissenschaftsmagazin der
Ruhr-Universität Bochum, 1/95, S. 26-27. Der komplette Text ist im
Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_95/rubin4.htm



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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