[ vorherige ] [ nächste ] [ Übersicht nach Zeit ][ alphabetische Übersicht ]

(00000) 04.01.1999 15:12

Epilepsie und Intelligenz - Novartis-Preis für Bochumer Wissensc


Bochum, 04.01.1999
Nr. 1

Epilepsie muß nicht dumm machen
Medikamente können Intelligenz bei Kindern normalisieren
Novartis-Therapie-Preis '98  für Bochumer Wissenschaftlerin


Wiederkehrende epileptische Anfälle verschlechtern zwar intellektuelle
Leistungen, aber mit manchen antiepileptischen Medikamenten läßt sich
die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Kindern deutlich verbessern,
ja sogar normalisieren. Zu diesem Ergebnis kommt die Bochumer
Wissenschafterin Dr. Christiane Schmidt (Klinikum der Ruhr-Universität
- Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im St. Josef-Hospital Bochum,
Direktor: Prof. Dr. Christian Rieger) nach Tests mit mehr als 100
Kindern. Der mit DM 12.000 dotierte Preis der "Novartis-Stiftung für
therapeutische Forschung" an der Medizinischen Fakultät der RUB war
kurz vor Weihnachten für Dr. Schmidt der Lohn für ihre Dissertation
"Einfluß antikonvulsiver Medikation auf ereigniskorrelierte akustisch
evozierte Potentiale und kognitive Fähigkeiten bei Kindern". Wie die
Novatis-Stiftung bei der Preisverleihung darüber hinaus mitteilte, hat
ihr Kuratorium beschlossen, die RUB erneut in die Förderung
einzubeziehen: Sie wird auch in den kommenden drei Jahren Bochumer
Wissenschaftler jährlich auszeichnen.

Nach Krampfanfällen langsamer und nicht mehr so clever

Krampfanfälle beseitigen ist sicher das erste Ziel bei der Behandlung
von Epilepsien. Aber ebenso wichtig für die Lebensqualität von
Patienten ist es, ihre intellektuelle Fähigkeit positiv zu
beeinflussen bzw. zu erhalten. Denn wiederkehrende epileptische
Anfälle verlangsamen die Verarbeitung von Reizen im Gehirn und
beeinflussen negativ den Intelligenzquotient der Patienten. Wie? Das
hat Dr. Schmidt mit zwei Testverfahren untersucht. Vor und während der
Therapie führte sie Intelligenztests durch. Sie ergaben, daß die an
Epilepsie erkrankten Kindern sowohl bei mathematischen
Zuordnungsaufgaben, bei der Lösung von Rätseln als auch bei
sprachlichen Tests, wie Zahlenreihen nachsprechen oder Geschichten
nacherzählen, deutlich schwächere Ergebnisse erzielten als gesunde
Kinder. Weil bekanntlich solche Tests auch stark von Faktoren wie
Müdigkeit, Tagesform, Änstlichkeit und der Bereitschaft,
mitzuarbeiten, abhängen, hat Dr. Schmidt darüber hinaus mit
sogenannten ereigniskorrelierten akustisch evozierten Potentialen die
Geschwindigkeit der Verarbeitung von Reizen im Gehirn gemessen. Auch
dabei waren die erkrankten Kinder wesentlich langsamer.

Ergebnisse für drei Medikamente

In einer Untersuchung an 56 Kindern mit erstmals diagnostizierter
Epilepsie und einer Kontrollgruppe von 49 gesunden Kindern konnte die
Bochumer Wissenschaftlerin zeigen, daß von den drei am häufigsten
eingesetzten Medikamenten zumindest zwei positiv auf die
Leistungsfähigkeit der Patienten wirken: Carbama-zepin verbessert die
Geschwindigkeit der Verarbeitung von Reizen im Gehirn, Sultiam
normalisiert sie . Dieses Medikament bewirkt sogar, daß eine zuvor
deutlich herabgesetzte intellektuelle Leistungsfähigkeit unter der
Therapie auf annähernd normale Werte angehoben wird. Bei Valproat
waren keine deutlichen Änderungen zu erkennen.

Auch intellektuelle Fähigkeiten bei Medikation berücksichtigen

Nach diesen Ergebnissen empfiehlt Dr. Schmidt, bei der Dosierung von
Medikamenten nicht nur auf die Beseitigung von Krampfanfälle zu
schauen, sondern darüber hinaus auch den Erhalt der intellektuellen
Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen.

Novartis-Stiftung fördert junge Mediziner

Die "Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung" ist die
Rechtsnachfolgerin der Sandoz-Stiftung für therapeutische Forschung.
Die Umbenennung erfolgte nach der Fusion von Sandoz mit Ciba-Geigy und
der damit verbundenen Namensänderung in "Novartis Pharma GmbH". Aus
den Erträgen eines Stiftungskapitals von DM 20 Mio. DM (je nach
Zinslage zwischen 1,5 bis 1,7 Mio DM) fördert die Stiftung
medizinisch-therapeutische Forschungsprojekte an Universitäten,
darunter junge Wissenschaftler an 15 medizinischen Fakultäten in der
Bundesrepublik Deutschland. Seit 1996 wird auch die Medizinische
Fakultät der RUB von der "Novartis-Stiftung" gefördert.  Nun liegt die
Zusage vor, daß die ursprünglich auf drei Jahre begrenzte Förderung um
weitere drei Jahre verlängert wird.

Weitere Informationen

Dr. Christiane Schmidt, Klinikum der Ruhr-Universität - Klinik für
Kinder- und Jugendmedizin im St. Josef-Hospital Bochum, 0234/5091,
Fax: 0234/5092612

Auf den Fotos:

Dr. Christiane Schmidt, Prof. Dr. Ulf Eysel (Dekan der Medizinischen
Fakultät - mit Bart!) und Prof. Dr. Dieter Welzel (Mitglied des
Vorstands der Novartis-Stiftung)



RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB
This message contains a file prepared for transmission using the
MIME BASE64 transfer encoding scheme. If you are using Pegasus
Mail or another MIME-compliant system, you should be able to extract
it from within your mailer. If you cannot, please ask your system
administrator for help.

   ---- File information -----------
     File:  novati~1.jpg
     Date:  4 Jan 1999, 14:43
     Size:  1019609 bytes.
     Type:  JPEG-image

novati~1.jpg

This message contains a file prepared for transmission using the
MIME BASE64 transfer encoding scheme. If you are using Pegasus
Mail or another MIME-compliant system, you should be able to extract
it from within your mailer. If you cannot, please ask your system
administrator for help.

   ---- File information -----------
     File:  novati~2.jpg
     Date:  4 Jan 1999, 14:44
     Size:  1403284 bytes.
     Type:  JPEG-image

novati~2.jpg


zurück zur Übersicht nach Zeit | alphabetisch