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RUBIN 2-98 erschienen: Aktuelles aus der Wissensfabrik



Bochum, 11.12.1998
Nr. 275

Selbstmord von Zellen, aber mit System
Energie für alle Zeiten: "Grüne Wasserspaltung"
RUBIN 2/98 erschienen: Aktuelles aus der Wissensfabrik


Die Sonnenenergie in Richtung Erde hat eine Leistung von 170 Billionen
Kilowattstunden. Das könnte Energie für alle Zeiten sein. Sie zu
erschließen, ist nicht allein solarthermisch oder solarelektrisch
möglich. Dem dritten Weg - der Solarchemie - werden auf lange Sicht
vielleicht die größten Chancen zugeschrieben. Wie? Die Pflan-zen
machen es uns vor: Die photochemische Zersetzung von Wasser zu
Wasserstoff und Sauerstoff. Jahrzehntelange Forschung ist jetzt fast
am Ziel - der Aufklärung von Struktur und Funktion des
"Wasserspaltungsproteins". Der Endspurt hat begonnen, auch für Prof.
Dr. Matthias Rögner (Biochemie der Pflanzen, Fakultät für Biologie der
RUB). Seine Ergebnisse bis dato präsentiert er in RUBIN 2/98 -
Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum, das soeben
erschienen ist. Sofern Sie nicht in den nächsten Tagen ein Exemplar
mit separater Post in den nächsten Tagen in Ihrem Briefkasten
vorfinden, schreiben Sie uns eine E-Mail. Ob mit oder ohne
Habilitation

Editorial: "Die Habilitation ist ins Gerede gekommen, und das zurecht:
Die deutsche Universität hält ihren wissenschaftlichen Nachwuchs zu
lange unselbständig und in ungesicherter Position," so Prof. Dr.
Dietmar Petzina, Rektor der RUB. Wer sich erst mit 40 oder später
habilitiert und mit dieser kraftzehrenden Arbeit die Voraussetzung für
eine Professur erlangt, hat häufig die produktivste Phase seiner
wissenschaftlichen Laufbahn hinter sich. Petzina weist auf erste
Schritte hin, dies zu ändern und konstatiert: " ..die Frage - 'Wie
kriegen wir es hin, daß unser wissenschaftlicher Nachwuchs wesentlich
früher als bisher selbständig arbeiten kann?' - wird in den nächsten
Jahren grundsätzlich zu lösen sein - ob mit oder ohne Habilitation."

Freie Fahrt im Vario-Kreis

Aus den "News" - Aktuelles kurz berichtet: Wenn abends in Saarlouis
die Lichter ausgehen, dann geht der Kreisel an. Aus der Mitte einer
Ampelkreuzung fahren vier versenkbare Poller nach oben und verwandelt
sie in einen Kreisverkehr. Entwickelt und patentiert wurde das
weltweit einmalige Konzept von Dipl.-Ing. Joachim Schwarz aus
Saarbrücken. Die wissenschaftliche Begleitung der einjährigen
Testphase an einer stark befahrenen Kreuzung übernahm der Lehrstuhl
für Verkehrswesen der RUB unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Werner
Brilon. Die Bilanz nach einem Jahr Vario-Kreis ist positiv: Die
unnötigen Wartezeiten für die Autos fielen weg und damit auch
Lärmbelästigung für die Anwohner des Knotenpunktes. Auch Fußgänger
konnten ohne lange Wartezeiten die Straße überqueren. Weitere
Erprobungen sind bereits geplant. Der Vario-Kreis macht neben dem
Umbau der Kreuzungen zwar auch eine Ausnahmeregelung von der
Straßenverkehrsordnung notwendig: Aus dem früheren Verkehrszeichen für
den Kreisverkehr, das die Vorfahrt regelt, wird jetzt ein
Hinweisschild. Bei der Umrüstung von bestehenden Kreuzungen ist der
Vario-Kreis dennoch die preiswertere Alternative im Vergleich zum
herkömmlichen Kreisverkehr.

Programmierter Zelltod: Harakiri mit tausend Schnitten

Medizin: Wie die Lemminge stürzen sich unsere Körperzellen in den Tod.
Ein Tod mit System. Hat ein Embryo zunächst noch "Schwimmhäute" an
Händen und Füßen, sterben diese Zellen wenig später ab; kleine Finger
und Zehen entstehen. Gezielt ist auch das massive Zellsterben nach dem
Sonnenbrand: Defekte Erbanlagen sollen nicht in Umlauf kommen. An der
Entschlüsselung des Zellsuizids, wird fieberhaft gearbeitet, sind doch
neue Behandlungsperspektiven für Krankheiten wie Krebs, Multiple
Sklerose oder Alzheimer in Sicht. Über ihre Ergebnisse berichten Prof.
Dr. med. Hans Georg Mannherz und Harald Stephan (Abteilung für
Anatomie und Embryologie, Medizinische Fakultät)

Inline-Skating: "No risc, no fun!" - und die Gesundheit?

Rampen, Geländer oder Treppen fordern sie heraus zu spektakulären
Sprüngen: Aggressiv Skater sind die jungen Wilden der "Inline-Szene".
Doch bei der Mehrzahl "ihrer Zunft" geht es deutlich gemäßigter zu:
Für sie stehen Fitness und Spaß im Vordergrund; Inline-Skating als
Ausdauertraining, ohne gleich die Grenzen auszuloten, ist bei allen
Altersklassen gefragt. "Bleibt dennoch ein gesundheitliches Risiko?"
fragen Dr. med. Henry Schulz und Prof. Dr. Hermann Heck (Sportmedizin,
Fakultät für Sportwissenschaft)

Katalysatoren: Vom Ende an den Anfang der Technologien

Naturwissenschaften: In mehr als achtzig Prozent aller industriellen
chemischen Prozesse "mischen sie mit" - und doch unterliegt ihre
Auswahl nicht selten dem Prinzip von "trial and error". Katalysatoren
blieben auf atomarer Ebene bislang so gut wie unerforscht. Die
Aufklärung der Reaktionsschritte auf atomarem Niveau und ihrer
strukturellen Voraussetzungen an realen Katalysatoren sind
Herausforderungen für Prof. Dr. Wolfgang Grünert und Prof. Dr. Martin
Muhler (Technische Chemie, Fakultät für Chemie). Dabei interessiert
vor allem der Einsatz von Katalysatoren mit Blick auf das
Autoabgasproblem: Einerseits die Reduktion von Stickoxiden im
Dieselabgas ("end-of-pipe-Technologie"), andererseits der Einsatz von
Katalysatoren schon an der Quelle. So bei der Ablösung der
Verbrennungsmotoren  durch die Brennstoffzelle mit Elektromotor.
Zukünftig könnten Katalysatoren Werkzeuge einer sanften chemischen
Technologie sein.

Richtungshören: Der feine Unterschied

Natur-/Ingenieurwissenschaften: Moderne Multimediaprodukte versprechen
authentische dreidimensionale Schallwiedergabe: dennoch wird die "gute
Stube" noch lange nicht zur Metro-politan Opera. Richtungshören ist
eine individuelle Sache. Die räumlichen Beziehungen einzelner
Schallquellen, die zunächst verloren gehen, muß das Gehirn mühsam
rekonstruieren. Dabei nutzt es die Unterschiede der Signale am rechten
und am linken Ohr. Kommt der Schall direkt von hinten oder vorn, macht
die Form der Ohren "den feinen Unterschied". Ein Thema, das nur
zwischen den Disziplinen bearbeitet werden kann; das erkannt haben Dr.
Susanne J. Sterbing (Lehrstuhl für allgemeine Zoologie und
Neurobiologie, Fakultät für Biologie) und Dr.-Ing. Klaus Hartung
(Institut für Kommunikationsakustik, Fakultät für Elektrotechnik und
Informationstechnik).

TeleService: für Unternehmen "rund um die Uhr"

Ingenieurwissenschaften: Präsenz auf fernen Märkten setzt ein
umfangreiches Servicenetz voraus. Doch welches mittelständische
Unternehmen kann seine Fachleute schon rund um die Welt auf Reisen
schicken? TeleService heißt die Lösung des Problems: Online-Support
über Datenautobahnen bringt die Experten des Kunden und des
Lieferanten an einem virtuellen Tisch zusammen. Im Verbundprojekt "TEL
ec - Multimedial unterstützter TeleService" arbeiten Anwenderfirmen,
Informationstechnik(IT)-Systemhäuser und Forschungseinrichtungen
zusammen. Koordiniert wird das Projekt vom Lehrstuhl für
Produktionssysteme der RUB (Prof. Dr. Wolfgang Maßberg, Dipl.-Ing.
Martin Hermsen).

Gruppenarbeit: Ein Konzept setzt sich durch

Geisteswissenschaften: "Lean Production", "Kai-Zen" oder "Total
Quality Management" lauten die modernen Konzepte der
Betriebsorganisation. Sie versprechen leistungsstarke und dynamische
Unternehmen, dank flacher Hierarchien, Flexibilität der
Arbeitsorganisation und Kundenorientierung. Da wirkt Gruppenarbeit
fast schon etwas angestaubt. Doch wird sie nach wie vor als
"Erfolgsrezept" gehandelt: Im Gegensatz zu vielen modernen Konzepten
ist Gruppenarbeit sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis
etabliert. Wenngleich immer weniger Unternehmen dieses Konzept nur als
"Etikett" benutzen, ist "Gruppenarbeit noch immer nicht gleich
Gruppenarbeit". Dies zeigen u.a. Prof. Dr. Bernhard Zimolong und Dr.
Armin Windel (Arbeits- und Organisationspsychologie, Fakultät für
Psychologie).

"Gesammelte Werke"

Beilage: Übrigens, wer sich einen Überblick über Forschungsprojekte
verschaffen möchte, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
vor kurzem abgeschlossen haben, der sollte einen Blick werfen in die
"gesammelten" Promotionen und Habilitationen (Abschlußzeitraum:
zweites Halbjahr 1998), die wieder als Beilage zu RUBIN erscheinen.

Bezugsquelle

RUBIN ist erhältlich in den Uni-Buchhandlungen Brockmeyer, Schaten und
Janssen sowie in der Pressestelle der RUB zum Preis von DM 5,-. Auch
im Internet darf geblättert werden:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm






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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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