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Schlaganfalldiagnose - Neues Bochumer Verfahren



Bochum, 18.11.1998
Nr. 258

Schlaganfall: Je früher sicher erkannt, desto besser
Neues Bochumer Verfahren schließt Lücke in Diagnostik
Mit Perfusions-CT kann man betroffene Hirnregionen beurteilen


Der akute Schlaganfall ist in vielen Fällen behandelbar. Doch bevor
sich Ärzte für eine Therapie entscheiden, müssen sie ihn sicher
diagnostizieren und eine andere Hirnerkrankung ausschließen können.
Dazu benötigen sie einen ebenso guten wie schnellen Blick ins Hirn des
Patienten. Mit einem neuen computertomographischen Verfahren, der
Perfusions-CT, ist es jetzt erstmalig möglich, bereits in der
Frühphase eines Schlaganfalls in wenigen Minuten die
Durchblutungsstörung darzustellen und ihren Schweregrad zu beurteilen.
Diese im Klinikum der RUB (Institut für Radiologie im
Knappschaftskrankenhaus Langendreer, Direktor: Prof. Dr. Lothar
Heuser) in Zusammenarbeit mit der Firma Siemens AG, Medizintechnik
(Erlangen) entwickelte und erprobte Methode schließt jetzt die noch
vorhandene Lücke in der Diagnostik des Schlaganfalls. Sie hat sich gut
bewährt: In Tests an ca. 80 Schlaganfallpatienten konnte die Ursache
Durchblutungsstörung mit 90%iger Sicherheit diagnostiziert werden.

Jährlich 170.000 Schlaganfälle in Deutschland

Halbseitenlähmungen, Störungen der Sprachfunktion und
Bewußtseinstö-run-gen sind die Folgen, unter denen Menschen leiden,
die von einem Schlaganfall getroffen wurden: jährlich etwa 170.000
Menschen in Deutschland. In den meisten Fällen wird der Schlaganfall
durch eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns (Ischämie)
hervorgerufen, nur in etwa 15% entstehen die Symptome durch eine
Blutung im Hirngewebe. In etwa zwei Drittel der Fälle sind
thrombotische oder embolische Verschlüsse der größeren
hirnversorgenden Arterien die Ursachen für die Durchblutungsstörung.

In Notsituation Eile geboten

In der Notfallsituation ist höchste Eile geboten, weil das Hirngewebe
nur wenige Zeit ohne eine Sauerstoffversorgung überlebt. Häufig tritt
der Zell-untergang im Kernbereich eines Infarktes bereits innerhalb
von Minuten ein. Jedoch ist die Durchblutung auch in einer den
Infarktkern umgebenden Rand--zone häufig kritisch eingeschränkt. Das
therapeutische Interesse konzentriert sich daher insbesondere auf die
Behandlung dieser Randzone, deren Schicksal sich innerhalb der
nächsten Stunden nach dem Schlaganfall entscheidet. Mit
Therapiemaßnahmen wie der Fibrinolyse versuchen Ärzte die
Blutgerinnsel in der Hirnarterie rasch aufzulösen und damit die
Durchblutung zu verbessern, um weitere Schädigungen des Gewebes zu
vermeiden. Denn wenn innerhalb eines begrenzten Zeitfensters von drei
bis sechs Stunden die Wiedereröffnung des Blutgefäßes gelingt,
bestehen gute Aussichten, daß sich der Prozeß des Zelluntergangs
stoppen läßt und sich die Funktionsstörung des Gehirns zumindest
teilweise zurückbildet. Andernfalls verbleiben nicht selten schwere
Behinderungen bis hin zur völligen Pflegebedürftigkeit.

Bisherige Methoden unsicher

Voraussetzung für eine zielgerichtete Therapie des ischämischen
Schlaganfalls ist der Ausschluß anderer Hirnerkrankungen, die mit
gleichartigen Symptomen einhergehen können. In der Frühdiagnostik
hatte die zum Ausschluß einer Hirnblutung eingesetzte
Computertomographie immer schon einen hohen Stellenwert. Doch auch die
akute Durchblutungsstörung hinterläßt nach einigen Stunden ihre Spuren
im CT-Bild. Leider entsprechen diese oftmals nur diskreten
Veränderungen zunächst nur dem Infarktkern, während die wichtige
Infarktrandzone der direkten Darstellung durch das CT entgeht. Nicht
selten ist in den entscheidenden ersten Stunden des Schlaganfalls der
computertomographische Befund sogar völlig normal.

Nun auch Blick in die Randzonen möglich

Mit der nun in Bochum / Erlangen von dem Arzt Dr. Matthias König und
dem Physiker Ernst Klotz entwickelten Perfusions - CT steht nun ein
Verfahren für die Routinediagnostik zur Verfügung, mit der diese
diagnostische Lücke geschlossen wird. Während einer nur wenige
Sekunden dauernden compu-ter-tomographischen Untersuchung wird die
Passage eines Röntgenkontrast-mittels durch die Blutgefäße des Gehirns
verfolgt. Anschließend können mit Hilfe einer speziellen Software
daraus verschiedene Kenngrößen der Hirndurchblutung berechnet und
bildlich dargestellt werden. Wie die in Bochum gewonnenen Erfahrungen
an bisher etwa 80 Schlaganfallpatienten zeigen, läßt sich eine
Durchblutungsstörung mit mehr als 90%iger Sicherheit nachweisen.
Außerdem gelingt es mit dem Verfahren, neben dem Infarktkern auch die
kritische Randzone direkt darzustellen und hier den Schweregrad der
Durchblutungsstörung zu bestimmen. So kann zuverlässig vorausgesagt
werden, welcher Bereich des betroffenen Hirngewebes bereits derartig
geschädigt ist, daß er von einer Fibrinolysetherapie nicht mehr
profitiert.

Gezielte Therapie

Andererseits ist es im Fall einer weniger starken Schädigung möglich,
direkt im Anschluß an die Perfusions-CT eine gezielte Therapie
einzuleiten, ohne auf weitere zeitaufwendigere Diagnosemethoden
zurückgreifen zu müssen. Dies ist um so mehr von Bedeutung, da zur
Verbesserung der Hirndurchblu-tung in der Notfallsituation jede Minute
zählt.

Hirnblutung nach wenigen Minuten sichtbar

Mit diesem neuartigen Verfahren ist es erstmalig möglich, beim
Schlaganfall innerhalb weniger Minuten eine Prognosebeurteilung über
die zugrundeliegende Durchblutungsstörung vorzunehmen. Aufgrund der
weiten Verbreitung von Computertomographen und deren 24stündige
Verfügbarkeit in Kliniken stellt die Perfusions-CT ein ideales
Verfahren zur modernen flächendeckenden diagnostischen Versorgung von
Schlaganfallpatienten dar. Die Bochumer Ärzte hoffen, daß hierdurch
die heutigen Therapiemöglich-keiten für die Betroffenen noch
gewinnbringender eingesetzt werden können.

Weitere Informationen

Dr. Matthias König, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum im
Knapp-schaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, Institut für Radiologie
und Nuklearmedizin, In der Schornau 23-26, 44892 Bochum, Tel.
0234/299-3805, Fax: 0234/299-3809, E-Mail:
Matthias.koenig@ruhr-uni-bochum.de




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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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