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Geschichte in der Schule



Bochum, 22.06.1998
Nr. 132

Neue Perspektiven für ein altes Fach
Wissenschaft und Politik zu "Geschichte in der Schule"
Behler als Wissenschaftsministerin erstmals an einer Hochschule


Der "Historikerstreit", die "Goldhagendebatte" und die Kontoversen um
die "Wehrmachtsausstellung" haben in den letzten Jahren für frischen
Wind in der Geschichtswissenschaft gesorgt. Weht dieser Wind auch
durch die Klassenräume in Deutschlands Schulen? Dieser und ähnlichen
Fragen geht die Veranstaltung "Geschichte in der Schule" am Freitag,
dem 26. Juni 1998, 15 Uhr, an der Ruhr-Universität Bochum (Hörsaal HMA
10) mit Vorträgen und Diskussionen nach. Einen Vortrag wird auch die
bisherige Schul-Ministerin Gabriele Behler halten. Es ist ihr erster
offizieller Auftritt an einer Hochschule, seitdem sie nun auch
Verantwortung für Wissenschaft und Forschung trägt - nach der
Zusammenlegung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung,
Wissenschaft und Forschung. Man darf daher gespannt sein, ob sie an
der RUB die Gelegenheit nutzen wird, auch zur zukünftigen
Hochschulpolitik Stellung zu beziehen. Die Medien sind herzlich
eingeladen.

Brisante Themen

Viele Jahre lang galt das Schulfach Geschichte als verstaubt. Die
Vergangenheit erschien als hinreichend oder gar absolut erforscht,
neue Erkenntnisse waren ebenso unwahrscheinlich wie neue Impulse oder
Innovationen. Eine erste Trendwende zeichnete sich Mitte der achtziger
mit dem sogenannten Historikerstreit ab: Konnte der Völkermord an den
Juden mit anderen Völkermorden verglichen werden? Durfte man Tote
zählen und die Zahlen gegeneinander abwägen? Ähnlich brisante Fragen
warf Daniel J. Goldhagens Buch "Hitlers willige Vollstrecker" auf, das
Mitte der neunziger Jahre erschien. Die spektakuläre Grundthese vom
"spezifisch deutschen eliminatorischen Antisemitismus" wurde zum Teil
als die Erklärung schlechthin für den Völkermord an den Juden
angesehen, zum Teil vollkommen verworfen. Noch eine Spur emotionaler
verlief in Deutschland die Debatte um die "Wehrmachtsausstellung", in
der Verbrechen deutscher Soldaten gezeigt werden.

Neuer Schwung

Allen drei Themen gemeinsam ist, daß sie größtenteils auf neuen
Forschungserkenntnissen basieren. Mit anderen Worten: Die Erforschung
der Geschichte ist längst noch nicht abgeschlossen und auch ihrer
Deutung sind kaum Grenzen gesetzt. Das Fach Geschichte hat neuen
Schwung erhalten. Die Basis ist also vorhanden, um dem hohen
Stellenwert des Faches Geschichte gerecht zu werden. Es stellt sich
die Frage, ob es tatsächlich umgesetzt wird: Welches Interesse bringen
Schüler dem Fach entgegen? Welche Bedeutung mißt ihm die Politik bei?
Welche Perspektiven hat das Fach in der Schule? Lohnt es sich für
Studierende, sich in dieses Fach zu vertiefen? Das sind einige der
Fragen, denen bei der Veranstaltung "Geschichte in der Schule"
nachgegangen wird. Zu ihrer Beantwortung stehen kompetente Menschen
aus der Politik, aus Schule und Hochschule parat (s. Programm).

Veranstalter

Die Veranstaltung, zu der explizit alle Geschichtslehrer/innen in NRW
eingeladen wurden (weit über 100 haben bislang zugesagt), ist eine
Gemeinschaftsproduktion verschiedener Institutionen rund um die
Ruhr-Universität Bochum. Im einzelnen handelt es sich um die Fakultät
für Geschichtswissenschaft, das Institut zur Erforschung der
europäischen Arbeiterbewegung sowie den Verein zur Förderung der
Erforschung der Geschichte der deutschen und internationalen
Arbeiterbewegung e.V.

Programm:

Grußwort, Prof. Dr. Dietmar Petzina, Rektor der Ruhr-Universität
Bochum

Einführung, Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Geschäftsführender Leiter des
Institut zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung

Vortrag, Gabriele Behler, Ministerin für Schule und Weiterbildung,
Wissenschaft und Forschung in NRW

Podiumsdiskussion mit

Prof. Dr. Richard Bessel, The Open University Milton Keynes (GB)

Lou Bohlen, Vorsitzende des AStA der Ruhr-Universität Bochum 1997

Dr. Rudolf Tschirbs, Goethe-Gymnasium Bochum

Prof. Dr. Rainer Walz, Fakultät für Geschichtswissenschaft der
Ruhr-Universität Bochum

Moderation

Prof. Dr. Günter Brakelmann, Vorsitzender des Vereins zur Förderung
der Erforschung der Geschichte der deutschen und internationalen
Arbeiterbewegung e.V.

Schlußwort, Prof. Dr. Eberhard Isenmann, Dekan der Fakultät für
Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum

Weitere Informationen

Dr. Peter Friedmann, Institut zur Erforschung der europäischen
Arbeiterbewegung, Universitätsstraße 150, Gebäude UB IV/2, 44780
Bochum, Tel.: 0234/700-6920, Fax: 0234/7094-249



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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