[ vorherige ][ nächste ][ Übersicht Pressemitteilungen ]

Vermittlung von lebendigem Judentum



Bochum, 03.06.1998
Nr. 116

Vermittlung von lebendigem Judentum
Christliche Identität im Angesicht des Judentums
D. theol. Edna Brocke plädiert für gemeinsames Lernen der Torah


In der "Klärung der eigenen christlichen Identität ... im Angesicht
des weiterhin existierenden Judentums" sieht D. Edna Brocke den "Sinn
gemeinsamen Lernens der Torah von Juden und Christen". Diesen Titel
gab sie ihrer Rede, die sie als Dank nach der Feierlichen
Ehrenpromotion durch die Evangelisch-Theologische Fakultät der RUB am
23. Januar 1998 gehalten hat. Nun hat die Pressestelle der RUB die zu
dieser Gelegenheit gehaltenen Reden in der Reihe "Universitätsreden"
veröffentlicht, darunter ein Grußwort des vor einer Woche aus dem Amt
geschiedenen NRW-Ministerpräsidenten, Dr. h.c. mult. Johannes Rau.

"Säkuläre Zionistin'"

Edna Brocke kämpft gegen die Ignorierung der religiösen Tradition und
stellt die Frage nach der jüdischen Identität: Sie ist eine "säkulare
Zionistin". Sie hat wesentlich dazu beigetragen, Juden und Christen
einander näherzubringen. Als Lehrbeauftragte der
Evangelisch-Theologischen Fakultät der RUB macht sie Studenten mit
lebendigem Judentum bekannt. Als Leiterin der Gedenkstätte "Alte
Synagoge Essen" leistet sie notwendige Erinnerungsar-beit. Für diese
Verdienste verlieh ihr die Evangelisch-Theologische Fakultät der RUB
die Würde einer "Doktorin der Theologie ehrenhalber".

Dialoge zwischen Juden und Christen

In ihrer Dankesrede hat sie über ihr ebenso theologisches wie
politisches Engagement beim Dialog zwischen Christen und Juden
Stellung genommen.  Sie geht auf die Frage ein, wie ihr im Anschluß an
die Übersiedlung nach Deutschland der "Anteil christlicher Theologie
an der Wegbereitung nach Auschwitz immer deutlicher und inhaltlich
auch immer sichtbarer wurde", und sie spricht von ihrer Motivation,
sich in den theologischen Diskurs zu begeben - ihren Versuch, "mit
'alten Texten' auf gegenwärtige Fragen zu reagieren".

Spurensuche zur Entdeckung gemeinsamer Wurzeln der Identität

Ihre Einsicht mündet in der Antwort nach dem Sinn des gemeinsamen
Lernens der Torah von Christen und Juden: "Viele Äußerungen im Neuen
Testament, viele Bilder und Redeweisen, sind nur dann plausibel und
wirklich verständlich, wenn man ihre hebräischen, zeitgenössischen
Vorlagen (oder auch ihre Parallelen) kennt. Es geht also um eine
textliche Spurensuche mit dogmatischen Folgen - wenn man denn diese
zuläßt. Es kann aber nicht beim Entdecken der Wurzeln, die das
Christentum in seiner Entstehungszeit prägten, bleiben. Dieses
gemeinsame Lernen von Torah kann nur der erste Schritt sein. Er
verweist Christen auf sich selbst und somit auf den zweiten,
entscheidenden Schritt. Die Klärung der eigenen christlichen Identität
- und folglich ihre Theologie und Dogmatik: im Angesicht des weiterhin
existierenden Judentums."

Biographisches: Eine israelisch-jüdische Geschichte

1943 wurde Edna Brocke als Kind aus Deutschland vertriebener Juden in
Jerusalem geboren. Sie absolvierte dort ein Studium der Politologie
und Anglistik und  -  nach ihrer Heirat mit einem Deutschen  -  in
Regensburg ein Studium der Politologie und Soziologie, das sie mit dem
M.A. abschloß. Edna Brockes jüdische Identität findet nunmehr seit
zwei Jahrzehnten ihren Niederschlag im Religionsunterricht der
jüdischen Gemeinde Krefeld. Bis 1991 arbeitete Edna Brocke in der
Arbeitsgemeinschaft "Juden und Christen" beim Deutschen Evangelischen
Kirchentag mit, wo sie für 20 Jahre die entscheidende jüdische Stimme
war. Sie ist Mitglied im Ausschuß "Juden und Christen" der Rheinischen
Landeskirche, und sie gehört dem Gesprächskreis "Juden und Christen"
beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken an. Sie hat an einer
Studie der EKD-Kommission "Juden und Christen" und im
Vorstandskollegium des Reformierten Bundes mitgearbeitet. Frau Brocke
ist für die Kirchen in Deutschland eine wichtige Gesprächspartnerin,
gerade weil sie es den Christen nicht leicht macht.

"Die Erinnerungsarbeiterin"

Edna Brocke gehört seit 1986 zum Herausgeberkreis der Zeitschrift
"Kirche und Israel". In Radio- und Fernsehbeiträgen sowie in ihrer
reichen Vortragstätigkeit deckt sie ein breites Themenspektrum ab:
Jüdische Religion und Theologie, jüdisches Leben heute und in der
Vergangenheit, christlich-jüdischer Dialog, Israel und der Nahe Osten,
deutsche Politik im Blick auf Israel und Juden und  -  als besonderer
Schwerpunkt  -  Erinnerungsarbeit. Seit 1988 leitet Edna Brocke die
städtische Gedenkstätte "Alte Synagoge Essen". Unter ihrer Leitung ist
dieses Museum zum gewichtigen Faktor der Region geworden. Auch für
Kirche und Theologie ist die hier geleistete Erin-ne-rungs-arbeit von
großer Bedeutung.



RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB