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Geographie im Zeitgeist



Bochum, 02.06.1998
Nr. 113

Geographie im Zeitgeist
Von der Völkerversöhnung zur interkulturellen Erziehung
RUB-Untersuchung über geographiedidaktische Konzepte


Über die Bildungsziele des Geographieunterrichts entscheidet nicht das
Fach allein. Vielmehr richten sich die curricularen Vorgaben in hohem
Maße nach gesellschaftlichen Entwicklungen und dem Zeitgeist. Die
aktuelle politische Position der interkulturellen Erziehung im
Geographieunterricht ist noch sehr jung und daher in ihrer Umsetzung
nicht vollständig ausgereift. Nach wie vor stehen ihr
nationalstaatliche Strömungen entgegen, wie die Brandanschläge in
Solingen und anderen Städten in jüngster Vergangenheit zeigen. Dies
ist ein zentrales Ergebnis der Dissertation "Von der Völkerversöhnung
und Völkerverständigung zur interkul-turellen Erziehung. Eine
historisch-hermeneutische Untersuchung geo-gra-phiedidaktischer
Konzepte" von Dr. Monika Haas (Betreuung: Prof. Dr. Eberhard Kroß,
Lehrstuhl für Geographiedidaktik, Geographisches Institut der RUB).

Einhundert Jahre nationalstaatliches Denken

Mit dem deutschen Kaiserreich, der Weimarer Republik, der Zeit des
Nationalsozialismus sowie der Bundesrepublik Deutschland bis zur
Gegenwart untersucht Dr. Haas vier Epochen der Geographiedidaktik. Sie
arbeitet heraus, wie von 1871 bis etwa 1970 mehr oder weniger stark
nationalstaatliches Denken den Unterricht bestimmte. Auch wenn er sich
vornehmlich als Fachunterricht verstand, waren seine Intentionen immer
auch politisch, z.B. in der Vaterländischen Erdkunde, der
Kolonialgeographie, der Geopolitik oder der Heimatkunde. Der völkische
Nationalismus war auch nach dem Ersten Weltkrieg einflußreich genug,
den ausdrücklichen Willen zur Völkerverständigung der Weimarer
Verfassung zu untergraben. Die Geographie gehörte nicht zu den
progressiven Kräften der Weimarer Republik, vielmehr ebneten ab 1926
rassistische Argumentationen in der Fachdidaktik den Weg zur
"völkischen Lebensraumkunde" des Nationalsozialismus. Mit der Gründung
der BRD stellte sich die Geographiedidaktik explizit in den Dienst der
Völkerversöhnung und -verständigung. Sie blieb jedoch mit der
Orientierung an traditioneller Länderkunde einer stereotypen
geographisch-politischen Iden-titätsbildung verhaftet.

Der Demokratie und dem Frieden dienen

Erst die Akzeptanz gesellschaftspolitischer Ansprüche auf
Völkerverständigung führten seit etwa 1970 zu neuen Ansätzen in der
Geographiedidaktik: Die Bereitschaft wuchs, das eigene nationale
Selbstverständnis kritisch zu hinterfragen und Ethnozentrismus
aufzubrechen. Damit wurde der entscheidende Schritt zu einer über sich
selbst aufgeklärten Heimat- und Länderkunde möglich, die offen ist für
die Ziele der interkulturellen Erziehung. Dies erweist sich als Chance
für die Geographiedidaktik, gesellschaftliche Moder-nisierungsprozesse
zu begleiten, den Bildungsauftrag nach den Leitlinien von Demokratie
und Menschenrechten zu erfüllen und somit dem Frieden zu dienen. Dr.
Haas versteht ihre historisch-hermeneutische Untersuchung als wichtige
Ergänzung zur empirischen Forschung der Fachdidaktik.

Weitere Informationen

Dr. Monika Haas, Am Hermannsbrunnen 2a, 58239 Schwerte, Tel.:
02304/43823;

Prof. Dr. Eberhard Kroß, Fakultät für Geowissenschaften,
Geographisches Institut, Tel.: 0234/700-4848



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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