[ vorherige ][ nächste ][ Übersicht Pressemitteilungen ]

Enzyme bringen Dr. Herberg 100.000 DM ein



Bochum, 22.4.1998
Nr. 81

Neuem Enzym auf der Spur
Bennigsen-Foerder-Preis 1998 für Bochumer Biochemiker
Portrait eines Preisträgers: Dr. Friedrich Wilhelm Herberg


Einen der begehrten Bennigsen-Foerder-Preise 1998 im Wert von DM
100.000 nimmt heute der Bochumer Biochemiker Dr. Friedrich Wilhelm
Herberg (Mitarbeiter von Prof. Dr. Ludwig Heilmeyer, Medizinische
Fakultät der RUB) aus den Händen von NRW-Wissenschaftsministerin Anke
Brunn in Köln entgegen. Den Preis bekommt er für ein ehrgeiziges
Programm: Er will die Rolle eines neu entdeckten Enzyms erklären.

Enzyme steuern das Leben

Wehe, wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollen!
Proteinkinasen sind Enzyme, die Umwandlungsprozesse von Proteinen
(Eiweißstoffe) in den Zellen höher entwickelter Lebewesen und die
Wechselwirkungen der Proteine untereinander steuern. Auf 2000 wird
ihre Zahl in Wirbeltieren geschätzt. Ein unreguliertes Zellwachstum
(Krebs) ist in vielen Fällen auf Fehlfunktionen dieser wichtigen
Klasse von modifizierenden Enzymen zurückzuführen. Die medizinische
Forschung steckt bei der Ermittlung von Bau und Funktion dieser
Enzyme sowie der Wechselwirkungsmechanismen in den Zellen noch in
den Anfängen.

Wie das Gleichgewicht reguliert wird

Nicht erforscht in ihren Funktionen ist auch eine jüngst entdeckte
Proteinkinase beim Menschen mit Namen ,PrKX", deren Gen auf dem
X-Chromosom lokalisiert ist. Ihre Rolle für die Regulation des
Gleichgewichts in der Zelle möchte der Bochumer Biochemiker Dr.
Friedrich Wilhelm Herberg in den beiden nächsten Jahren mit Hilfe
neuester biophysikalischer Analysemethoden untersuchen. Dabei will er
sich eine der einfachsten und am besten untersuchten Proteinkinasen
als Modell nehmen: die Proteinkinase cAPK. Warum? Diese Kinase hat,
so Herberg, eine ,fünfzigprozentige Identität mit den klassischen
cAMP-abhängigen Proteinkinasen von Säugetieren, basierend auf der
Aminosäuresequenz", d. h., ihr Aufbau stimmt zur Hälfte mit dem
bereits bekannter Enzyme überein. Herberg vermutet, daß die neue
Proteinkinase ebenfalls eine cAMP-abhängige Kinase ist, also eine
solche, deren Aktivierung abhängig ist von dem sekundären Botenstoff
,Zyklisches Adenosinmonophosphat" (cAMP), der ein extrazelluläres
Signal im Innern der Zelle weitergibt.

Neue Wege der Signalübertragung

Ein ehrgeiziges Programm fürwahr, das sich der Jungwissenschaftler da
für die nächste Zeit vorgenommen hat. Eine fächerübergreifende Jury
von Professoren und Professorinnen hat das Projekt ,Die humane
Proteinkinase PrKX eröffnet neue Wege in der cAMP-vermittelten
Signalübertragung" jedenfalls so beeindruckt, daß sie Friedrich
Wilhelm Herberg den Bennigsen-Foerder-Preis zuerkannte. Den Preis in
Höhe von 100 000 DM wird Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin
Anke Brunn am 22. April (1998) in Köln übergeben.

Bennigsen-Foerder-Preis - viel Geld für Nachwuchswissenschaftler ...

Mit dem Bennigsen-Foerder-Preis - benannt nach dem verstorbenen
Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder - fördert Ministerin Brunn
engagierte Nachwuchswissenschaftler und
Nachwuchswissenschaftlerinnen. Wichtig ist nicht nur das
Forschungsprojekt, das neue Erkenntnisse verspricht: ,Wir wollen mit
unserem Preis auch das rhetorische Talent der jungen Wissenschaftler
und Wissenschaftlerinnen fördern - die Begabung, schwierige
Zusammenhänge allgemeinverständlich darzustellen", erklärt Anke
Brunn. Für die Praxis bedeutet das: Die Bewerber und Bewerberinnen um
den Bennigsen-Foerder-Preis üben den wissenschaftlichen Vortrag,
indem sie ihre Arbeit einer interdisziplinären Jury verständlich und
wortgewandt darstellen.

... für weitere Forschungen

Je Antragsrunde werden Preise in Höhe von rund einer Million Mark
vergeben, die der Preisträger oder die Preisträgerin gezielt für die
Planung und Realisierung ihrer Projekte einsetzen können. Der
Bennigsen-Foerder-Preis ist die höchste vom Land NRW vergebene
wissenschaftliche Auszeichnung. Anke Brunn: ,Die Preisgelder sind
kein Luxus, sondern finanzielle Unterstützung konkreter
Forschungsprojekte." Zentrales Ziel der Preisvergabe sei es, ,guten
Leuten selbständige Forschung zu ermöglichen".

10 von 152 von 1537 - und ein Sieger aus Bochum

Der Bennigsen-Foerder-Preis wird in diesem Jahr zum elften Mal
verliehen. Insgesamt wurden bislang unter 1537 Bewerbungen 152
Projekte für die Preisverleihung ausgesucht - 24 im Bereich Geistes-
und Gesellschaftswissenschaften, 62 naturwissenschaftliche, 29
ingenieurwissenschaftliche und 37 medizinische Forschungsvorhaben.
Das Volumen der bislang vergebenen Auszeichnungen beläuft sich auf
mehr als 14 Millionen Mark.

Biographisches zu Herberg

Friedrich Wilhelm Herberg wird das Preisgeld, das zu einem Gutteil in
die Finanzierung einer wissenschaftlichen Hilfskraft fließt, gut
brauchen können, Indes bietet sein bisheriger wissenschaftlicher
Werdegang einige Gewähr dafür, daß er sein Vorhaben zu einem
erfolgreichen Abschluß bringt. Herberg, 1960 im westfälischen Herbede
geboren, studierte von 1979 bis 1986 Chemie, Biologie und
Evangelische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. Auf das erste
Staatsexamen in Biologie und Evangelischer Theologie folgte 1990 die
Promotion am Lehrstuhl für Physiologische Chemie I der Bochumer Uni.
Von 1990 bis 1994 arbeitete Herberg als Postdoctoral Research
Assistant und Assistant Project Scientist am Department of Chemistry
der University of California in San Diego. Seit 1997 ist der
Preisträger, der in seiner Freizeit gerne Motorrad fährt, an der
Ruhr-Universität als wissenschaftlicher Assistent eingestellt.

Weitere Informationen

Dr. Friedrich Wilhelm Herberg, Ruhr-Universität Bochum, Medizinische
Fakultät, 44780 Bochum, Tel. 0234/7004934, Fax: 0234/7094-193


RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB