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Kinder auf Fahrraedern im Strassenverkehr



Bochum, 04.03.1998
Nr. 49

Gebt Bürgersteige teilweise frei!
Bis 14 lernen Kinder das Fahrrad  beherrschen
RUB-Sportmediziner legen Studie zu radfahrenden Kindern vor


Bis zu einem Alter von 14 Jahren können Kinder die Beherrschung des
Fahrrades noch erheblich verbessern. So weisen die 14jährigen etwa 30%
bessere Meßwerte auf als die 7jährigen. Zu diesem Ergebnis kommen
Oliver Borgert und Dr. Thomas Henke vom Lehrstuhl für Sportmedizin der
Ruhr-Universität Bochum (Leiter: Prof. Dr. Hermann Josef Heck) nach
einem mehrjährigen Projekt. Die Wissenschaftler der RUB sind der Frage
nachgegangen, mit welchem Alter Kinder ihr Fahrrad ausreichend
beherrschen, um sicher am Straßenverkehr teilnehmen zu können. Darüber
hinaus haben sie die Wirksamkeit von gängigen Radfahrübungsprogrammen
überprüft. Ihr Bericht ,Motorische Radfahrkompetenz von Kindern und
Jugendlichen" wurde kürzlich als Band 10 der Reihe ,Gesundheitsschutz
in Schule und Beruf" vom Gemeindeunfallversicherungsverband (GUVV)
Westfalen-Lippe veröffentlicht, der das Projekt gefördert hat.

Vorsicht im dichten Verkehr

Der zunehmend dichter werdende Straßenverkehr stellt für radfahrende
Kinder heutzutage mehr und mehr ein Problem dar, dem man sich
angesichts steigender Unfallzahlen in diesem Bereich nur schwer
entziehen kann. In diesem Zusammenhang stellt sich allzu häufig das
Problem, daß Kinder ihr Fahrrad nicht in dem Maße beherrschen, um
darauf aufbauend die Regeln zur sicheren Teilnahme am Straßenverkehr
umzusetzen.

300 Kinder in der Stadt und auf dem Land getestet

Vor diesem Hintergrund wurde am Lehrstuhl für Sportmedizin der RUB
eine Untersuchung mit insgesamt 300 Kindern und Jugendlichen
durchgeführt, womit erstmals Daten zur Beherrschung des Fahrrades von
Schulkindern zwischen 7 und 14 Jahren aus ländlichen und städtischen
Wohngebieten vorliegen. Die Fahrradbeherrschung wurde mit
Testfahrrädern überprüft, die mit Hilfe von Sensoren Aufschluß
darüber geben, wie sicher das Fahrrad bei unterschiedlichen Aufgaben
gesteuert werden kann. Aufgrund der so gewonnenen Meßwerte müssen
sich die Wissenschaftler nicht auf die sonst übliche Beurteilung
durch Beobachtung verlassen, sondern erhalten harte Meßdaten.

11-14jährige häufig im Verkehr überfordert

Die Untersuchungen haben gezeigt, daß sich Kinder bis zu einem Alter
von 14 Jahren in bezug auf die Beherrschung des Fahrrades noch
erheblich verbessern können. So weisen die 14jährigen etwa 30%
bessere Meßwerte auf als die 7jährigen. Erstaunlich ist hierbei, daß
sich die Fahrradbeherrschung zwischen dem siebten und vierzehnten
Lebensjahr kontinuierlich verbessert. Ebenso wurde deutlich, daß auch
Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren mit der Bewältigung von
straßenverkehrstypischen Situationen aufgrund mangelnder Fahrpraxis
überfordert sein können.

Landesjugend hat zweijährigen Vorsprung

Einen Vorsprung von etwa 2 Jahren haben Kinder und Jugendliche aus
ländlichen Bezirken vor solchen aus städtischen Einzugsgebieten. Den
Grund hierfür sehen die Bochumer Wissenschaftler in der wesentlich
häufigeren Nutzung des Fahrrades als Verkehrsmittel auf dem Land,
was auch die Befragung der untersuchten Schülerinnen und Schüler
ergab. Am deutlichsten zeigt sich dies bei den 13-14jährigen Mädchen
aus der Stadt, die das Fahrrad sehr selten nutzen und nur geringfügig
besser beherrschen als ihre 11-12jährigen Mitschülerinnen.

RUB Forscher empfehlen: Fahrprüfungen auf dem Fahrrad

Die Wirksamkeit der durchgeführten Radfahrübungsprogramme ist ein
weiterer Hinweis darauf, daß das Niveau der Fahrradbeherrschung
unmittelbar von dem aktuellen Gebrauch des Fahrrades als
Verkehrsmittel abhängt. Basierend auf den Erkenntnissen, die im
Forschungsprojekt gewonnen wurden, und den Erfahrungen aus 10 Jahren
Fahrradforschung geben die Bochumer Wissenschaftler einige
Empfehlungen in bezug auf den Problemkreis radfahrender Kinder im
Straßenverkehr. Zum einen sprechen sie sich für eine Lockerung des
Verbotes der Nutzung des Bürgersteiges mit dem Fahrrad ab einem
Alter von 10 Jahren aus, da das individuelle Niveau der
Fahrradbeherrschung damit nicht genügend berücksichtigt wird. Auf der
anderen Seite halten sie die Einführung einer Radfahrprüfung mit
höherem verkehrspolitischem Stellenwert für sinnvoll. Eine derartige
Radfahrprüfung sollte jedoch nicht zu einem pauschalen Radfahrverbot
führen, sondern - falls notwendig - eine Schulungsmaßnahme zur
Verbesserung der Fahrradbeherrschung nach sich ziehen.

Schulungen notwendig, aber nicht hinreichend

Zur Steigerung der Straßenverkehrssicherheit radfahrender Kinder
sollte die schulische Radfahrausbildung aber auch unabhängig von
individuellen Defiziten einen größeren Stellenwert bekommen. Die
hier vorgestellte Studie schließt mit dem Hinweis, daß selbst eine
optimale Schulung des radfahrenden Kindes mit Hilfe spezifischer
Übungsprogramme die Verkehrspolitik jedoch nicht von ihrer
Verantwortung entbindet, für die Entwicklung eines
radfahrerfreundlichen Straßenverkehrs Sorge zu tragen.

Bezugsquellen

Eine Kurzfassung des Berichtes ist im Internet unter
http://www.ruhr-uni-bochum.de/spomed/Fahrrad/ interguv/index.htm
einzusehen. Der komplette Bericht kann beim GUVV Westfalen-Lippe,
Salzmannstraße 156, 48159 Münster, angefordert werden.

Weitere Informationen

Dr. Thomas Henke, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für
Sportwissenschaft, Lehrstuhl für Sportmedizin, 44780 Bochum, Tel.
0234/700-3112, Fax: 0234/7094-323


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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