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Mit Intronen gegen Viren



Bochum, 25.11.1997
Nr. 225

Neuer Ansatzpunkt im Kampf gegen Viren
Intronen als Werkzeuge zur Genregulation
Ruth Massenberg-Preis an Bochumer Wissenschaftlerin


Gegen Virus-Erkrankungen ist bisher kein Kraut gewachsen. Vom
einfachen Schnupfen bis zu AIDS - die Ärzte kurieren nur an Symptomen.
Intronen, selbst ein Bestandteil von Genen, könnten dagegen das Erbgut
von Viren zerstören. Dr. Vera Holländer hat erstmals an lebenden
Zellen die beabsichtigte Veränderung von Erbmolekülen mit Intronen
nachgewiesen. Für ihre Dissertation ,In vitro- und in vivo- Analysen
zur plastidären Intron-Prozessierung in der Grünalge Chlamydomonas
reinhardtii", die von Prof. Dr. Ulrich Kück (Allgemeine Botanik,
Fakultät für Biologie der RUB) betreut wurde, erhielt Dr. Holländer
vor wenigen Tagen den Ruth Massenberg-Preis 1997.

Präzises Spalten oder Verknüpfen

Intronen sind Abschnitte von RNA, also Teile der kopierten
Erbinformation DNA, die für jede Herstellung von Proteinen im Körper
gebraucht wird. Intronen enthalten jedoch für diese Produktion selbst
keine Information. Sie werden deshalb beim Kopiervorgang freigesetzt.
Die Intronen werden dabei aus der RNA herausgeschnitten und die -
informativen - Reststücke der RNA wieder zusammengesetzt. So wird nur
der kodierende Teil zur Herstellung von Proteinen genutzt. Da sowohl
der Zeitpunkt als auch die Spaltungsstellen beim Herausschneiden von
Intronen von der Zelle kontrolliert werden können, dienen Intronen
als Werkzeug der Genregulation. Einige wenige Intronen besitzen als
sogenannte ,Ribozyme" die Fähigkeit, sich selbst aus der RNA
herauszuschneiden. Dieses Selbstspleißen ist jedoch nur in
Reagenzglasversuchen nachgewiesen worden. Das Herausschneiden solcher
selbstspleißender Intronen ist dagegen in lebenden Zellen bisher nur
wenig verstanden. Vera Holländer hat dies erstmals experimentell
untersucht.

Die Versuchsanordnung

Als Versuchsorganismus diente die einzellige Grünalge Chlamydomonas
reinhardtii. In ein spezielles Gen dieser Alge hat die Bochumer
Wissenschaftlerin ein selbstspleißendes Intron der Alge Scenedesmus
obliquus integriert. An diesem Intron wurden zuvor gezielte
Mutationen vorgenommen, um Auswirkungen auf den Spleißprozeß erkennen
zu können.

Spleißmechanismen

Die Bochumer Wissenschaftlerin hat den Nachweis erbracht, daß im
Reagenzglas wie in lebenden Zellen prinzipiell der gleiche
Spleißmechanismus vorliegt. Unterschiedliche Wirkungen von
Intronmutationen auf das Spleißen im Reagenzglas bzw. in der Zelle
zeigen aber, daß in lebenden Zellen zusätzliche Faktoren am
Intron-Spleißen beteiligt sind. Basierend auf den Ergebnissen konnte
ein Modell entwickelt werden, das die Wirkung eines solchen Faktors
erläutert.

"Evolutionsmotore"

Vera Holländer hat erfolgreich Intronen zwischen verschiedenen Arten
übertragen. So wurde auch das Intron der Grünalge S. obliquus sowohl
in der Alge C. reinhardtii als auch im Bakterium Escherichia coli
korrekt gespleißt. Die Dissertation stützt damit die Hypothese, daß
Intronen selbständig, etwa durch Viren- oder Bakterientransfer,
zwischen den Arten mobil sind. Die - ursprünglich als sinnlos
angesehenen - Intronen könnten so durch Übertragung zwischen den
Arten maßgeblich zu deren Evolution beigetragen haben.

Weitere Informationen

Dr. Vera Holländer, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Biologie,
44780 Bochum, Tel.  0234/700-2197, Fax: 0234/7094-184


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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