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Schmerzen selbst bekaempfen



Schmerzen selbst bekämpfen
Kein Placeboeffekt bei psychologischer Schmerzbewältigung 
RUB Mediziner weist Wirksamkeit imaginativer Techniken nach


Jeder kann aktiv gegen Schmerzen ankämpfen und durch selbst erlernte
Entspannungsverfahren und imaginative Techniken als Patient
Untersuchungen und Eingriffe in Krankenhäusern, Arzt- und
Zahnarztpraxen entspannter überstehen. In seiner Dissertation zeigt
Dr. med. Henning Thomas Baberg (betreut von Prof. Dr. em. Gertrud M.
Krüskemper, Medizinische Psychologie, Medizinische Fakultät der RUB),
daß psychologische Schmerztherapien mehr als nur ein Placeboeffekt
sind. Kritiker führten bislang die Wirksamkeit psychologischer
Schmerzbewältigungsstrategien auf den Glauben des Patienten an die
Therapie zurück. 

Der Unterschied: Mit und ohne Training

Mit 111 Probanden in drei Gruppen untersuchte der Bochumer Mediziner
Entspannungsverfahren und imaginative Techniken zur Schmerztherapie.
Eine Gruppe von Versuchspersonen erlernte drei imaginative
Techniken. Die Placebo-Gruppe beschäftigte sich zwar mit dem
Phänomen Schmerz, erlernte jedoch keine der Therapien. Die
Versuchspersonen der dritten Gruppe blieben ganz ohne Training. Alle
drei Gruppen wurden dem gleichen Druckschmerz ausgesetzt;
Herzfrequenz, Atemfrequenz und Hautleitfähigkeit wurden
aufgezeichnet. Die Probanden konnten den zunehmenden Schmerzreiz
jederzeit abbrechen. Nach jedem Versuch füllten die Probanden einen
Fragebogen über die erlebte Schmerzintensität und ihre
Schmerztoleranz aus. 

Patienten gewinnen Kontrolle ueber ihre Schmerzen

Drei Techniken lernten die Versuchspersonen der ersten Gruppe
(Dissoziation, Parästhesie und Analgesie) während einer
Druckschmerzreizung anzuwenden. In der Dissoziation fühlt der
Patient den schmerzenden Körperteil entweder überhaupt nicht mehr
oder erlebt ihn als nicht zum restlichen Körper zugehörig. Durch
Parästhesie ändert sich das sensorische Empfinden. Bei dieser
Technik achten die Patienten auf Unterschiede zwischen schmerzenden
und nichtschmerzenden Körperregionen in verschiedenen Empfindungen.
So fühlen sie feine Veränderungen in dem schmerzenden Bereich. Diese
Veränderungen können beispielsweise schmerz- und situationsabhängige
Wärme oder Kühle, Taubheit oder Prickeln sein. Mit der Analgesie
versuchen sie, das Gefühl der Schmerzen im betroffenen Körperteil
über die Erfahrung des Patienten mit einer geänderten
Körperwahrnehmung zu beeinflussen. Empfindungen wie Leichtheit, oder
auch Taubheit lassen sich als Ausgangspunkt für eine Analgesie
benutzen. Der Patient stellt sich eines dieser Gefühle an der
schmerzenden Stelle vor, um dieses dann in eine Taubheit und
Schmerzunempfindlichkeit umzuwandeln. 

Trainierte Patienten nehmen weniger Schmerzen wahr

Fazit der Studie: Probanden können mit Schmerzbewältigungstherapien
den Schmerz länger ertragen, ihn mit einer niedrigeren Intensität
wahrnehmen und eine weniger starke psychologische Begleitreaktion
zeigen. So ertrugen die Versuchspersonen, die ein psychologisches
Schmerztraining anwandten, den definierten Schmerzreiz 318 Sekunden.
Probanden der Placebogruppe brachen nach 126 Sekunden, Probanden der
Kontrollgruppe nach 129 Sekunden ab. Die Herzfrequenz der Probanden
mit Training war während der Schmerzreizung durchschnittlich fünf
Schläge pro Minute niedriger als bei den Versuchspersonen der beiden
anderen Gruppen.

Kein Placeboeffekt

Dr. Baberg führt die nachgewiesenen schmerzreduzierenden Effekte auf
die Wirksamkeit der untersuchten psychologischen Schmerztherapien
zurück. Einen Placeboeffekt konnte er unter den Bedingungen der
Studie nicht nachweisen. 

Auch fuer die Klinik erfolgversprechend

Die in der Studie untersuchten Trainings sind innerhalb kürzester
Zeit erlernbar. Sie wirken nicht nur auf das Schmerzerleben, sondern
sind auch in der Lage, die psychologischen Begleitreaktionen
(Herzfrequenz, Atemfrequenz, Schweißreaktion) zu beeinflussen. Der
Bochumer Wissenschaftler ist überzeugt davon, daß diese Methoden und
Trainigs auch in der klinischen Anwendung vielversprechend sind. 

Weitere Informationen

Dr. med. Henning Thomas Baberg, Abteilung für Kardiologie und
Angiologie, Berufsgenossenschaftliche Kliniken ,Bergmannsheil",
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel.:0234/3026072 oder
privat: 0234/490969 


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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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