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Deutsche und Juden



Bochum, 03.06.1996
Nr. 106

Eine besonders heikles Thema!
Sammelband zum ,Deutsch-Jüdischen Verhältnis" erschienen
RUB-Studierende dokumentieren erfolgreiche Ringvorlesung


Der peinlich-beschämende Auftritt eines deutschen Musikers, der vor
wenigen Tagen seine Hotelrechnung in Israel mit ,Adolf Hitler"
unterzeichnete, macht erneut deutlich: Deutsch-israelische Beziehungen
stehen zurecht unter besonderer Beobachtung. Den Weg zu einem
verantwortlichen Umgang weist eine Publikation von zwei Studierenden
der RUB, die in dieser Woche mit einem Geleitwort von Rektor Prof. Dr.
Manfred Bormann und einem Vorwort vom Bochumer Historiker Prof. Dr.
Hans Mommsen erschienen ist. ,Heike Catrin Bala, Christian Scholz
(Hrsg): Deutsch-Jüdisches Verhältnis? Fragen, Betrachtungen,
Analysen". Dieses Buch vereinigt die überarbeiteten und aktualisierten
Vorträge der im Wintersemester 1994/95 von der Studentischen
Arbeitsgemeinschaft für Antisemitismusforschung (StAGA) organisierten
Ringvorlesung ,Ein für allemal vorbei ...!?". Dabei war es den
Bochumer Studierenden gelungen, namhafte Referenten, darunter Ignatz
Bubis (Frankfurt), Detlev Claussen (Hannover), Frank Stern (Tel Aviv),
Enzo Traverso (Paris) für die Thematik zu gewinnen. Heike Catrin Bala
und Christian Scholz, die beiden Herausgeber, studieren an der RUB
Sozialwissenschaft und Geschichte.

Analyse schwieriger Befindlichkeiten

Die Beiträge im Buch reichen von der Analyse der Befindlichkeit
jüdischer Deutscher und der Entfaltung der Beziehungen der beiden
deutschen Staaten zu Israel über die sich in der Bundesrepublik
veränderte Rezeption der Judenvernichtung bis zur Darstellung des sich
in den Nachkriegsjahren wandelnden Verhältnisses der deutschen
Gesellschaft zum Judentum. Drei bis ins 18. Jahrhundert
zurückgreifende Aufsätze behandeln den Beitrag jüdischer
Intellektueller zur deutschen Kultur, die bislang kaum beachtete Rolle
jüdischer Frauen und den Anteil von Juden in der deutschen
Arbeiterbewegung. Die Beiträge sind getragen von dem Interesse, über
die Aufarbeitung der Vergangenheit hinaus einen Anstoß zu geben für
ein positives Verhältnis zum Judentum, zum Staat Israel und den in der
Bundesrepublik lebenden jüdischen Bürgern.

,Von der Unmöglichkeit, deutscher Jude zu sein!"

Der bekannte Historiker Hans Mommsen schreibt in seinem Vorwort zu
diesem Sammelband: ,Ist die deutsch-jüdische Symbiose, wie sie sich
trotz aller ideologischen und gesellschaftlichen Barrieren seit dem
frühen 19. Jahrhundert durchzusetzen begann, so fragmentarisch sie
immer blieb, nach den Geschehnissen von Auschwitz endgültig verloren
und ist es heute unmöglich geworden, nicht nur Jude in Deutschland,
sondern auch deutscher Jude zu sein, wie unlängst der angesehene
Germanist Hans Mayer feststellte? Gibt es nach der menschlichen
Katastrophe der Shoah überhaupt noch eine Möglichkeit, das
deutsch-jüdische Verhältnis auf eine neue Stufe zu stellen, ohne damit
die Verbrechen des Genozids und die Mitschuld der deutschen Nation zu
verleugnen oder zu verdrängen? Diese Fragen sind es, die die
Herausgeber bewegen."

RUB stolz auf engagierte Studierende

Der Rektor der RUB Prof. Dr. Manfred Bormann, der Schirmherr der
Ringvorlesung wünscht in seinem Geleitwort ,diesem wichtigen und
interessanten Buch viele aufmerksame Leser" und würdigt das
,vorbildliche Engagement der Studierenden": ,Die StAGA und ihre
Zeitschrift Sachor sind nach Jahren intensiver Arbeit feste
Institutionen der Ruhr-Universität Bochum geworden, auf die wir mit
Stolz blicken und denen wir unsere nachdrückliche Anerkennung zollen."

Mit Unterstützung des NRW-Wissenschaftsministeriums

Daß diese Arbeit erfolgreich fortgesetzt werden kann ist auch der
Unterstützung durch die Ministerin für Wissenschaft und Forschung in
Nordrhein-Westfalen, Anke Brunn, zu verdanken, die nicht nur die
Vorlesungsreihe finanziell unterstützte, sondern auch den Druck des
Sammelbandes.

Auch ,Sachor" demnächst im Publikumsverlag

Die Zusammenarbeit zwischen der StAGA und dem Klartext-Verlag wird
durch das Erscheinen der Sachor (hebräisch: ,Erinnere Dich!")
fortgesetzt: Nachdem die Zeitschrift vier Jahre von den studentischen
Redakteuren selbst verlegt wurde, hat sich Klartext entschlossen, die
Zeitschrift in sein Programm aufzunehmen. Sie wird im September 1997
in neuer Form und mit neuem Konzept in den Handel kommen. Thema der
Nummer 7 ist die wechselvolle Beziehungsgeschichte zwischen Deutschen,
Juden und Polen. Das Einzelheft wird DM 25,00, das Abonnement DM 20,00
kosten.

Titelaufnahme

Heike Catrin Bala und Christian Scholz (Hrsg.): Deutsch-Jüdisches
Verhältnis? Fragen, Betrachtungen, Analysen, Essen: Klartext-Verlag
1997 (160 Seiten, brosch., DM 19,80). ISBN: 3-88474-532-8.

Rezensionsexemplare

Informationen und Rezensionsexemplare sind zu beziehen über den
Klartext-Verlag, Presseabteilung, Frau Melanie Brockes, Dickmannstraße
2-4, 45143 Essen, Tel.: 02 01/86 206-29, Fax: 02 01/86 206-22, eMail:
Klartext-Verlag@t-online.de. 


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Mit freundlichen Gruessen 

Dr. Josef Koenig 
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum 
- Pressestelle - 
44780 Bochum 
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de 

Schauen Sie doch bei uns mal rein: 
http://www.rz.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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