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RUB-Studie zu Vermittlungschancen fuer Wohungssuchende



Bochum, 16.09.1996
Nr. 164

Kinderreiche und Auslaender benachteiligt
Gespaltener Markt mit UEberangebot teuerer Wohnungen
InWIS-Studie ueber ,Vermittlungschancen fuer Wohnungssuchende"


Trotz Rekordleistungen auf dem Wohnungsmarkt sind die Listen von
Wohnungssuchenden bei den Wohnungsaemtern immer noch lang. Der
Wohnungsmarkt polarisiert sich: Es gibt sowohl ein UEberangebot von
teuren Wohnungen wie einen Mangel an oeffentlich gebundenen
Wohnungen, um Familien mit geringerem Einkommen versorgen zu
koennen. Neue wohnungspolitische Instrumente und Kooperation sind
gefragt, um die Versorgungsprobleme zu beheben. Dies ist ein
wesentliches Ergebnis einer neuen Studie ueber ,Vermittlungschancen
verschiedener Gruppen von Wohnungssuchenden", die das Institut fuer
Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung
an der Ruhr-Universitaet Bochum (InWIS) im Auftrag des Ministeriums
fuer Bauen und Wohnen NRW, der Stadt Dortmund und der
Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohnungsunternehmen soeben
fertiggestellt hat.

78% der Wohnungssuchenden leben in unzumutbaren Verhaeltnissen

Erstmalig wurden am Beispiel der Stadt Dortmund die
Wohnungssuchenden befragt, die beim Wohnungsamt und bei den drei
grossen Dortmunder Wohnungsunternehmen als wohnungssuchend gemeldet
sind. Nachdem Mehrfachregistrierte abgezogen wurden, hat das InWIS
immer noch 25.000 wohnungssuchende Haushalte in Dortmund ermittelt -
also fast jeder zehnte Haushalt. Von den registrierten
Wohnungssuchenden leben 78% in unzumutbaren Wohnverhaeltnissen, 48%
der Betroffenen sind entweder akut wohnungslos oder unmittelbar vom
Verlust der Wohnung bedroht, und fast 30% der Wohnungssuchenden
verfuegen ueber keine eigene Wohnung und sind nur notduerftig
untergebracht. Damit haben 7.500 Wohnungssuchende keine eigene
Wohnung - das entspricht einem Wohnungsfehlbestand von 2,7 %.

Kinderreiche Familien suchen bis zu 40 Monate

Ein entscheidender Indikator, der auf einen dringenden
Handlungsbedarf auf dem Wohnungsmarkt hinweist, ist die
durchschnittliche Dauer der Wohnungssuche. Die durchschnittliche
Wartezeit der registrierten Wohnungssuchenden in Dortmund betraegt
immer noch 15  Monate. Die geringsten Chancen auf dem Wohnungsmarkt
haben Auslaender, von Arbeitslosigkeit betroffene Haushalte,
Familien, besonders mit groesserer Kinderzahl, einkommensschwache
Haushalte, vor allem aber Haushalte, die eine Kombination dieser
Merkmale aufweisen. So betraegt die durchschnittliche Wartezeit fuer
kinderreiche auslaendische Familien nicht weniger als 40 Monate!

Wohungsmarkt polarisiert sich

Auch auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt zeigt sich: Kinderlose Paare
und Singles mit gesichertem Einkommen verdraengen die Familien im
Wettbewerb um die Wohnungen, die von ihrer Groesse her
familiengerecht sind. Was auf den Wohnungsmaerkten deutscher
Grossstaedte am meisten fehlt, sind grosse und relativ preiswerte
Wohnungen, die fuer die Versorgung kinderreicher Familien ueber das
Wohnungsamt eingesetzt werden koennen. Zusaetzlich fehlt ein
ausreichender oeffentlich gebundener Wohnungsbestand, um
Wohnungslose und Wohnungssuchende mit besonderen
Vermittlungsschwierigkeiten mit angemessenem Wohnraum zu versorgen.
Diese Situation wird sich weiter verschaerfen: Jedes Jahr fallen
mehr Sozialwohnungen aus den oeffentlichen Bindungen als selbst bei
groessten Anstrengungen neu gebaut werden koennen. In den naechsten
zweieinhalb Jahrzehnten wird sich der Bestand an oeffentlich
gebundenen Mietwohnungen halbieren.

Bevor die naechste Krise kommt

Die naechste Wohnungsnot ist also vorprogrammiert. Die Empfehlungen
des InWIS, um auf diese Probleme zu reagieren, zielen in zwei
Richtungen. Erstens: Schaffung und Mobilisierung von Wohnraum fuer
einkommensschwaechere Familien und zweitens: Kooperation bei der
Wohnungsvergabe.

Ansaetze zur Wohnraumbeschaffung und -mobilisierung

Zu den Massnahmen, um preiswerten Wohnraum fuer Familien zu schaffen
oder zu mobilisieren, zaehlen die Foerderung von kostensparenden
Mieteinfamilienhaeusern sowie kombinierte Foerdermodelle, die
geeignet sind, Wohnraumreserven im Wohnflaechenbestand zu
mobilisieren. Allein in den alten Bundeslaendern werden 4,7
Millionen familiengerechte Wohnungen von aelteren Ein- und
Zweipersonenhaushalten bewohnt, die nach dem Auszug der Kinder in
einer Wohnung geblieben sind, die ihnen zu gross geworden ist und
die meistens nicht altersgerecht ausgestattet ist. Die Empfehlung
der Forscher: Umschichtung der Wohnungsbaufoerderung auf den Bau von
kleinen altersgerechten Wohnungen und gleichzeitiger Erwerb von
Belegungsrechten fuer die freiwerdenden Bestandswohnungen. Damit
laesst sich mit weniger oeffentlichen Mitteln eine bessere
Versorgung aller beteiligten Gruppen erreichen.

O-Ton Untersuchungsleiter

Dr. Volker Eichener (InWIS, Leiter der Untersuchung): ,Die
Wohnungsbaufoerderung sollte auf den demographischen Wandel
reagieren. Gerade in Zeiten knapper oeffentlicher Kassen werden
intelligentere Foerderinstrumente benoetigt, die eine optimierte
Nutzung des Wohnungsbestands beinhalten. Damit hilft man aelteren
Menschen, eine altersgerechte Wohnsituation zu erhalten, und jungen
Familien, die eine groessere Wohnung benoetigen."

Kooperation ist unumgaenglich

Der vorhandene Wohnungsbestand kann aber auch durch eine
Zusammenarbeit bei der Wohnungsvergabe besser genutzt werden.
Wohnungsunternehmen und Kommune koennen Kooperationsvereinbarungen
abschliessen, die beinhalten, dass die Wohnungsunternehmen den
Wohnungsaemtern einen Teil ihrer nicht gebundenen Wohnungen zur
Versorgung der Wohnungssuchenden anbieten und dabei Miet- und
Instandsetzungsgarantien erhalten. UEber die Belegung der Wohnungen
wird gemeinsam entschieden, um Konzentrationen einzelner Gruppen zu
vermeiden. Zusaetzlich koennen gemeinsame Wohnungsbauprojekte
vereinbart werden.

Notunterkuenfte fuer Obdachlose

Zudem verspricht ein reserviertes Wohnungskontingent fuer
Obdachlose, die kostenguenstigere Alternative zu Notunterkuenften
fuer die Kommunen zu sein. Eine weitere Massnahme zur Mobilisierung
des Wohnungsbestandes waere ein von Kommunen und Wohnungswirtschaft
organisierter Wohnungstausch, der durch ein Servicepaket zum
Umzugsmanagement verbunden wird.

Wohnungstauschboersen einrichten

Wichtig ist, dass alle beteiligten Partner - Wohnungswirtschaft,
Kommune, Land und Bund - gemeinsam nach Loesungen suchen, die im
Interesse aller Beteiligten sind. Vielversprechende Ansaetze haben
die Forscher schon gefunden. Auch in Dortmund ist juengst eine
Wohnungstauschboerse eingerichtet worden.

Weitere Informationen

Dr. Volker Eichener, InWIS GmbH, Universitaetsstrasse 140, 44799
Bochum, Tel.: 0234/9709-681; Fax: 0234/9709-666



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 700-2830, -3930
Fax: + 49 234 7094-136
Josef.Koenig@rz.ruhr-uni-bochum.de

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